Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 11 - November (11.1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wehmut des Schmerzes darf doch die Freude groß sein, daß wir ihn besessen haben. Was von seiner Persönlichkeit an Wesen und Wirken ausstrahlte, wird nicht verschwinden Gdt. ■* Br. Großpräsident Dr. Baeck sprach folgende Worte an seiner Bahre: _ In alle die lebendige Teilnahme, die in dieser Stunde laut wird, wilj auch das treue Mitempfinden der großen deutschen Gemeinschaft der Bne Briss hineinklingen. Auch wir wußten, daß, wenn es galt, ein Gutes, •' Menschliches zu verwirklichen, das Menschliche im Jüdischen und das jüdische im Menschlichen darzustellen, wir auf Salomon Ehrmann rechnen, und, was noch mehr bedeutet: wir auf ihn hinblicken durften. Er hät jüjberall immer mehr, als das Trennende, das Verbindende empfunden und verstanden. Güte war ihm darum die beste Wahrheit, Wohlwollen die beste Menschenkenntnis. Er wußte daher nichts von einem Widerspruch zwischen Kopf und Herz; er war so gut als klug, so klug al$ gut, oder wie das biblische Wort es in einen Begriff zusammenfügt: ein Mann »weisen Herzens*. Darin prägte seine Persönlichkeit sich aus. Auch in dem Lebenskreise unserer deutschen Logen wird er so fortleben, eindrucksvoll durch das, was er getan, eindrucksvoller noch durch das, was er gewesen. - Krise? Es ist Bewegung im Orden. An den verschiedensten Stellen wird in den Logen die Frage erörtert, welche Aufgaben die wichtigsten seien, welche Anforderungen an den aufzunehmenden Kandidaten zu stellen, wie der Logenbesuch zu heben, die Finanzkrisen zu überwinden,. Vertiefung zu erreichen sei, kurz wie die einzelne Loge von dem Druck befreit . werden könne, den Krieg und Nachkriegszeit hervorgerufen haben. Die Inflation hat Vermögen verflüchtigt und Zustrom in Mitgliedszahlen gebracht, der zum Teil langsam abgeleitet werden muß. Daneben spielen sich lautlos die Tragödien derer ab, die aus früherem Wohlstand oder Reichtum arm geworden sind und der Stütze durch die andern bedürfen. ~ Die Finanzlage einer Anzahl der Logen ist in so hohem Maße angespannt, daß die Finanzsekretäre sich außerstande sehen, die notwendigen Verpflichtungen zu erfüllen. All’ ’das ergibt Zustände, die einer Krise sehr ähnlich sehen. Aber ist daneben nicht auch Klärung und Hebung erkennbar? Mit langsam ansteigender Wirtschaft sind bereits in vielen Logen Ersparnisse zu buchen, einzelne haben sich anheimelnde_W'ohnstätten geschaffen oder eigene Logenheime errichtet. Man beginnt, sich auf wohnlichem Boden einander zu nähern, gesellige Fühlung zu nehmen, sich gegenseitig an- und aufzuschließen. In den großen alten Logen, die am schwersten zu leiden haben, wird der Gedanke eirfer Teilung oder Scheidung in Sektionen erwogen. In kleineren Orten ist man dazu übergegangen, den Zustrom durch zwei bis drei. Jahre zu verlangsamen — in dem ausgesprochenen Bestreben, Persönlichkeiten erst gründlich kennen zu lernen, bevor man gewillt ist, sie »Bruder« zu nennen. In anderen Logen wiederum iwird nur eine bestimmte Anzahl von Kandidaten aufgenommen, um die Logenziffer nicht so unbändig zu steigern, daß ein gegenseitiges Kennenlernen ausgeschlossen ist. Es ist der Wunsch ausgesprochen worden, neu gegründete Logen diu Ziffer voin 150 nicht übersteigen zu lassen.; Die Kulturmission, die in ausgezeichneter Weise vom Hessischen Logenverband unternommen; worden war, stockte eine Zeitlang — infolge djer Finanzschwierigkeiten —, aber schon ist man am Werke, sie wieder aufzunehmen, ein neues Gebiet (Mecklenburg) wird von der Esra-Loge in Gemeinschaft, mi^ der Allemania- Loge in Angriff genommen werden. Viel ist noch zu überwinden: in aller Welt sind die*Begriffe von Moral, von Recht unc^ Unrecht verschoben worden, laxe AnschauungenjSind eingerissen — infolge eines Weltgeschehens, das Gewalt an die Stelle des Rechts geisetzt