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Der Orden Bne Briss · 1926-09-01 · Nr. 9 - September (9.1926) · p. Seite 133

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 9 - September (9.1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 133 (sequence 9)
Language
German
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i , zifisch arische Grundgedanke äußert sich in tzsches Lehre darin, daß er den Uebermenschen i: Gestalt der »blonden Bestie« herbeisehnte;, in c »blonden Bestie« sieht Nietzsche die gültige , f ,rm des ersehnten höheren Menschentypus. »Es liegt auf der Hand«, schreibt Achad Maam, »daß diese Vorstellung vom Uebermenschen , si> n nicht mit unbedingter Folgerichtigkeit aus dt n Grundprinzip ergibt. Hier tritt uns der ' Philosoph nicht mehr als Mensch, sondern als Arier entgegen, der eine besondere Hinneigung zu der körperlichen Kraft und Schönheit empfindet, und die Vorstellung von seinem Ideal seinem persönlichen Geschmacke anpaßt. Hätte derselbe Nietzsche einen jüdischen Geschmack gehabt, so wären die charakteristischen £üge d< Uebermenschen ganz anders ausgefallen. Daß das Judentum diese rein arische Anj schauung vom Uebermenschen sich nicht zu eigen machen kann, versteht sich für Achad . Haam von selbst. Dagegen wird der allgemein mtnschliche Grundgedanke in Nietzsches Lehre, der in der Annahme gipfelt, daß die »Höherentwicklung des menschlichen Typus in den 1 höchsten Individuen der Art« das Endziel des silriich Guten sei, auch dem jüdischen Ethiker . en. Achad Haam weist nach, daß dieser Gedanke, ins Ethische gewendet, bereits in den althebräischen Moralbüchern ausgesprochen wird. •Nu; ist dort die Vorstellung vom Uebermenschen eine ganz andere als bei Nietzsche. Dort ist der Uebermensch der »Gerechte«, der Mann der ■' ~W ihrheit und Gerechtigkeit. Achad Haam zitiert auL diesen alten Moralbüchern einige bezeichnende Aussprüche: »Die ganze Welt ist für den. Gerechten geschaffen worden,« »Der Oerechte wiegt die ganze Welt auf«, »Der Oerechte ist das Fundament der Welt«. So untersucht Achad Haam bei jeder >frv nden Pflanze«, die er sieht, ob und inwieweit sic auf dem Boden seines eigenen Gartens * hsen und gedeihen kann. Eigenartig wie c Mann, wie der Denker, ist auch der Schrift- . s;-;';er Achad Haam. Seit dreißig Jahren ist A'-tad Haam das unbestrittene Oberhaupt der nihebräischen Literatur, der er den Stempel S'. nes Geistes aufgedrückt hat, und in diesen d' .'i Jahrzehnten hat er im ganzen an die vierzig bis fünfzig Zeitungsaufsätze gescl iriebfen, die, gesammelt und geordnet, viei (nicht sonderlich umfangreiche) Bände ergeben — das Qesamt- und Lebenswerk Achad Haams. < Vierzig bis fünfzig Zeitungsa ifsätze! Ist dieser Ertrag eines ganzen Denker; ebens ’ niqht ein bischen zu gering? Der Mengo nach ganz gewiß, dem Gehalte‘nach durchaus nicht.. Diese vierzig bis fünfzig Aufsätze, die .gesiimmelt unter dem Titel »AI paraschath derachim« (Am Scheidewege) erschienen sind, enthalten «in imfassendes Programm, eine gerundete Weltansch luung, historische Rück- und Ausblicke, theoretische. Erwägungen in Bezug auf den Zic nsgedanljen, praktische Ratschläge in Bezug auf die Kolonisation Palästinas, dazu noch philosophische Betrachtungen, feinsinnige Essays und obendrein geistige Saatkörner so mancherlei. , Achad Haam ist ein lebendiges Beispiel dafür, daß man der Anbahner und Wegbereiter einer ganzen Literatur sein kann, ohne selbst zur Literatenzunft zu gehören. Ascher Ginzberg, genannt Ach« d Haam, ist kein Literat, kein Schriftsteller, jedenfalls keiner im gangbaren Sinne. Er selbst lehnt .unter*dem Hinweis auf sein Pseudonym — Achad Haam bedeutet »Einer aus dem Volke« — -die Bezeichnung Schriftsteller für seine Pers on ab Urtd bekennt, daß er nie als einer'aus der Schriftstellerzunft, immer nur als »Achad Haam«, als »Einer aus dem Volke«, die Schril tstellerbühile betreten habe. In der Vorrede zui ersten Auflage seiner Werke versichert-,Ach« d Haam, er habe sich niemals für einen regelree hteri Schriftsteller gehalten, sondern sich »im Tempel der Literatur lediglich als Gast« betrach et, »der nur gelegentlich zu einem bestimmten 2 weck eintritt und sich nach Erfüllung seiner Aufgabe sofort zurückzieht«. Indes, wenn ein Gelehrter aufl irgend eine Ehre verzichtet, so verzichtet do<h die* Ehre nicht auf ihn, heißt es irgendwo in einem alten Buche. . Wenn sich Achad Haam selbst nur als Gast in der Literatur bezeichnet, so ist es Pflicht desjenigen, der über ihn schreibt, wahrheitsgemäß zu berichten, daß er in diim Literaturtempel, den er meint, rechte besitzt. rechtsgültige Hausherrn* 133

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