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Der Orden Bne Briss · 1926-04-01 · Nr. 4 - April (4.1926) · p. Seite 56

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 4 - April (4.1926)
Date
1926-04-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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land; zum erstenmal ist das Mysterium (der Liebe von einer über Zeit und Raum erhabenen Warte geschaut, die völlig neue Gesichtspunkte gestattet. Auf*eine besonders köstliche Arbeit Moszkowskis sei jedoch vor allem hingewie^en» auf seine »Philosophie des jüdischen Witze$«; diesen Essay, der die Einleitung zu seinlem Buche - Der jüdische Witz« bildet, sollte jeder kennen, der sich für die Psyche des Judentums interessiert. In dieser gedankenreichen Schfift hat der Gelehrte einen unanfechtbaren Beweis für seine These (Seite 8) geliefert: daß der jüdische Witz das Fundament und die Krane allen Witzes überhaupt ist. . »Nicht jedem Juden gab Gott, zu sagen, was er leidet, aber jedem gab er die Fähigkeit, aus tausendjährigen Leiden den Sarkasmus des Augenblicks zu gestalten.« — Das Wesen des Witzes, der Kontrast, bildet auch das Kennzeichen des Judentums, in guter, wie in übler, in elegischer wie in launiger Bedeutung. ln reizvoller Weise wird nun nacjigewiesen, daß fast alle großen philosophischen Probleme, die die Menschheit Jahrtausende hindurch beschäftigten, im jüdischen Hpmor bereits schlagfertige »Lösungen« gefunden haben. Auch dieses Büchlein zeigt zur ävidenz, daß die ganze außerordentliche Geistigkeit des bedeutenden Mannes von der alten, hochentwickelten Denkkultur des Judentums nicht zu trennen ist. Erst in letzter Woche veröffentlichte der Fünfundsiebzigjährige ein neues Werk, eine schwierige, rein mathematisch-philosophische Untersuchung über den U n e n d j lichkeitsbegriff. Gewisse Fragen, di einer der größten Mathematiker der Neuzei Poincare, in seinem Lebenswerk äufwarf, sin hier zum erstenmal beantwortet urjd klargelegt Vor kurzem besuchte ich den freundlicher alten Herrn in seinem schönen Heim in dei Fasanenstraße, um mit der nicht unedlen Neugier des »Reporters , die er oft so treffend verspotte^ hat, Nova« zu erfahren. - Draußen dämmerte es bereits urjd die großen Bäume Vor dem Fenster, die schon junge Knospen trugen, klopften mitunter leise an die Scheiben. »An diesem Pult,« erzählte erl und zeigte auf seinen Schreibtisch, ».habe icn viele Jahr zehnte hindurch täglich von 4' , (jhr morgens ab gearbeitet. Jetzt gehts m t dem’ Sehrt ien , meines Augenleidens wegen n cht mehr so aUt ,'voran.« Und dann erzählte er aus sc . reichen Leben: »Mit meinem < rsten Scherz' .ich »Anton Notenquetscher« habe ich mir vor i jhr als einem Menschenleben viüle Freunde <nd Leser erworben. Leider erfuhich erst zu pät von meinem berühmtesten Distanzverehrer Johannes Brahms, der mich in seinen Briefer an Simrock so oft erwähnt und grüßen läßt; diese Grüße sind mir . bedauerliche -weise erst lange nach dem Tode des Meisters aUsgerichtet worden.« — Dann zeigte mir , Aoszkowski seine in viele fremde Sprachen übersetzten Bücher. Unentzifferbar für uns beide v rar die japanische Ausgabe seines Einsteinbuches. — Sein liebstes Werk ist ihm »Der Venüspark« Seine Schönsten Erinnerungen waren ihm der Verkehr mit seinen beiden Freunden Albert Eins ein und Walther R a t h e n a u. Zwei hübsche Oelgeniälde, die Rathenau gemalt hat, hängen in. seinem Arbeitszimmer. Ich fragte, wie er zum Judentum stände. Er erwiderte, daß er »immer t ei der Stange geblieben sei«; erst yor kurzem habe er;in einem Nebenraum der Synagoge in 1er Fasanenstraße einen Vortrag über die Philosophie des -jüdischen Humors geh; ilten. »Sie wollen einen Grat ilationsartikel zu sagte er mit leiser cht eine Stilübung werden j« — ich -i meinem Geburtstag schreiben,« Resignation. »Es dürfte viellei für einen baldigen Nekrolog widersprach lebhaft und gib der Hoffnung Ausdruck, daß unser uralter jüdischer ,Geburts tagswunsch: »Bisr hundert Jafr!« sich noch erfüllen möchte! — Zum Feste des Jubilars sin 1 Wünsche in un übersehbarer Menge aus allen Lä idern eingefroren Treffende Worte fand der Berliner Oberbü ^ermeister Böß, der in seinem ausführlichen Gr.-.ulationsbriefe schrieb: »Sie haien nicht nur als witziger "Beobachter an der Spree seit Jahrzehnten dafür zu sorgen ver itanden, daß. Ihre Zeitgenossen selbst in schlimmen Zeiten nicht die gute Laune verloren, sondern Sie1 schien auch philosophische Werke, Anmut geformt, neue Wege suchen und über unsere Zelt werden.« die mit heitrer der Erkenn :nis hinaus wii'sn

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