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Der Orden Bne Briss · 1926-01-01 · Nr. 1 - Januar (1.1926) · p. Seite 3

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 1 - Januar (1.1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 3 (sequence 4)
Language
German
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l'ri f . j rderung erfahren, wie ja auch diese ’ trotz zialer und gesellschaftlicher Abschließung doch i den Anschauungen der christlichen deutschen nwelt bestimmt sind. Die geistigen und jischen Fäden gehen eben herüber und hinüber. Das Jahr 1349 schien die Gemeinde »für rj.ner« vernichtet zu haben. Aber schon wenige :re darauf nimmt dieStadt wieder j iden auf, wenn h unter schlechteren und schwereren Daseins- .jngurgen. So sehr war man aufeinander ewiesen uhd so wenig konnte man die volks- : tschaftlich j notwendige Funkti an des Geldieihers entjbehrer, zu der msm den Juden r^h Ausschluß von jeder anderen Erwerbs-;gkeit gezwungen hatte. Das starke steuerne Interesse, das die Stadt seit dieser Zeit an en Juden hatte, bewirkte es, daß Austreibungen ci Jahrhunderte lang völlig unterblieben und : letzte Verreibung derselben au:> Worms 1615,; nur wenige Monate dauerte, wider Willen s Rates jerfplgte. Ja, die Stadl schützte die den mehrfach gegen allzugroße Steuerfordeigen des Kaisers, um ihre ohnedies geschwächte C-uerkraft für sich zu erhalten, denn ihre wirtlaftliche Lage war gedrückt ind ihre Vergensverhältnisse kümmerlich. Die Führjerrolle, die sie bish;r in der jüdi- ,.en Wissenschaft inne hatten, mußten sie abben. Dennoch treten auch jeti.t von Zeit zu it Gelehrte 1 bei ihnen auf. Der Größte und fkannteste war der Rabbiner Jakob Möllin, ge- [nnt Maharil; durch hohen Gesinnungsadel und litene Frömmigkeit ebenso ausgezeichnet wie irch große Gelehrsamkeit, der 1127 hier starb, eniger bekannt ist sein Schüler Anselm von aln, den König Sigmund 1435 2 um »Obersten »bbi« de$ Reiches mit dem Sitz in Worms nannte. Erst im 17. Jahrhundert haben sie ieder ehren wahrhaft großen Gelehrten aufzueisen, einen der Größten seiner Zeit, den rbbiner Jair Chaim Bacharach, dessen Vater id Großvater, beide bedeutende Gelehrte, hier reits als Rabbiner tätig waren. Auch sonst heint hier um diese Zeit trotz der Leiden und achwehen des 30jährigen Krieges regeres geisti-?s Leben sich zu entwickeln. D iraus mag sich elleicht die merkwürdige Tatsache erklären, daß ehrere der größten Finanzmännnr des 17. und es beginnenden 18. Jahrhunden s aus Worms stammen, so die kaiserlichen Hoffaktoren Samiiel Oppenheim und Samson Wertheimer, die sch als Bankiers um das österreichische Finanzwes eh . und als Armeelieferanten nach dem Zeuglik Prinz Eugens um die österreichische1 Armee in hohem Maße verdient gemacht haben, sowie jfe Brüder Abraham und Löb Sinzheim in' W en und Bcrend Cohen in Hamburg. Mit ihrer nifgebore ien tjohen Intelligenz, die hier Nahrunjg und Pflege fand, und ihrem praktischen Verstar de erkannten sie rascher als unzählige Andere <en .Wandel der Zeit und den Geist der neuen Wirtschaftsordnung und verstanden, ihn in den Dienst des Staates zu stellen und zu einem Hebel des wirtschaftlichen Fortschrittes zu machen. Dagegen muten uns' die Verhältnisse ler Juden in Worms im 18. Jahrhundert klein, duripf und eng an, wie die Zeit war/ in der sie lebten. Denn es war die Zeit nach der großen Katastrophe des Jahres 1689, die auch'der Jucltn Hab und Out vollends vernichtete uhd ihn en für lar ge Zeit jeden Aufstieg unmöglich maclile. Dies war umsomehr der Fall, als ihnen der müe Machthaber in der Stadt, der_BürgermeisterSeide nbände , feindlich gesinnt war und Schwierigkeiten jeder Art bereitete. Am liebsten hätte er sie von der Stadt ganz und gar fern gehalten, wenn er nicht den großen Einfluß Samson Wertheiners am kaiserlichen Hofe und den Widerstand ces Bischofs und der Dalberger, die ihnen wohlgesinnt waren, gefürchtet hätte. Kein*Wun;er, daß sie an dem Kulturfortschritt der Aufklärur jfszeit nach dem Auftreten Moses Mendelsso ins < weniger Anteil nehmen als nach ihrer glorreic en Vergangenheit zu erwarten gewesen' wäre. E rst die napoleonische Zeit und die Käniofe der Juden in Deutschland um ihre Gleichberechtigung führen auch hier einen Wandel herbei, tätig beteiligen sie sich nunmehr an den Eni an-' zipati onsbestrebungen der Juden in Hessen, an der Beseitigung rückständiger und entehrender Einric htungen aus alter Zeit und' am Aus >au ihres religiösen |und kulturellen Lebens - in-den Formen neuzeitlicher Bildung, Seitdem sie die rechtliche Gleichstellung mit den übrigen Bürgern erlangen, wetteifern sie in Kunst .und W'Sien* schaff, Handel, Industrie und Oewerbe mit den Besten des deutschen Volkes zu ihrem! und des Vateilandes Segen. — 3 —

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