Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 1 - Januar (1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I Osten und Wes.ten drang und Schüler in großer Zahl von näh und I fern um sie scharte. War doch einer der Größten aller Zeiten, dessen Genie noch heutigen Tages in der Wissenschaft eine befruchtende; Wirkjung ausübt, Raschi, aus Troyes in dler Champagne hierhergekommen, um mehrere Jahre bei] berühmten Meistern sein Studium zu vervollkommnen und abzuschlicßen. Wie sehr die 'volkswirtschaftlich nütz iche Tätigkeit» der Juden: von den Städtern sowohl als auch vom Kaiser geschätzt wurde, zeigt am deutlichsten das Hartdelsprivileg, das Heinrich IV. 1074 der Staidt erteilt und in dem die Juden an erster Stelle vpr den »übrigen Wormser Bürgern* genannt werden. Und in der die Juden e Ilern betreffenden Urkunde vom J. 1090 räumt ihnen der Kaiser weitestgehende Rechte und =reiheiten_ für ihr religiöses Leben und ihren Handelsbetrieb ein. Diese gesicherte, ehrenvolle Stellung der Wormser Juden erschüttert der erste Kreurzug, der sie wie ein Blitz aus heiterem Hirrmel trifft. Vergebens versuchen der Bischof und die Bürger, sie vor dem aufgesfachelten Fanatismus der Kreuzfahrer und des Pöbels zu schützen. Die meisten erleiden-den Märtyrertod, nur wenige entkommen. Wohl bildet sich nach Abzug der Kreuzfahrer die Gemeinde aufs Neue, aber ihre, wirtschaftliche Bedeutung und ihre Rechtsstellung ist seitdem erschüttert und sinkt immer tiefer. In der Bestätigung der Wormser Zollfrc iheit' vom J. 1U2 stehen sie nicht mehr an eister, sondern arj zweiter Stelle. Durch die Kreuz rüge waren nämlich unmittelbare Handelsbeziehungen zum Orient angeknüpft und der Handelsstand in den deutschen Städten mächtig gefördert worden. Dadurch wurden die Juden, die bisher die Vferhiittier dieser Beziehungen Waren, überflüssig und immer mehr aus dem Ein ühr- und Großhandel herausgedrängt, bis schließlich nur noch auf den beim Volke haßten und von der Kirche den Christen botenen Oeidhandel angewiesen waren. schwersten litten darunter die |uden selbst. Denn ob sie auch fühlten, wie diese ihner gezwungene Erwerbstätigkeit sie verhaßt m; ichte und gefährdete, konnten sie sich ihr nicht entziehen. Denn hart und schwer war die Last der Steuerh und Abgaben, die sie dem Kaiser, dem Landesherrn, hier dem Bischof, unq der aufsie verver- Am Stadt unter unzähligen Namen un< Titeln? entrichten hatten. Und als sie schließlich diefet unerträglichen Druck entrinnen wollen, verl - ihnen der Kaiser Rudolf die Auswanc erung u ieß. den Gelehrtesten unter ihnen, den w 1 Worms stammenden berühmten Meir lon Rpthe» >urg, der mit großem Gefolge, darunte r mehrer Wormser Juden, 1285 nach dem Hei igen Lano tuswandern wollte, in Italien gefangen nehme•» ind bis zum Ende seines Leben: gefjangt iahen. Die Habe der Auswanderer zog d Caiser ein und verfügte nach Gutdi inken üb sie. Karl IV. überträgt schließlich 348 sein Rechte an (den Juden in Worms den Worms, iürgern. Aber schon am 1. März 1349^ der ahre des schwarzen Todes, verb ennen di>» lüden, die; der Brunnenvergiftung jeschuldipt jnd angegriffen werden, nach tapfe rer Gegenwehr ihre Häuser und stürzen sich in dis Flammen yJur wenige entgehen dem Tode. Es zeugt von außerordentlicher Seeleristärke und ist ein Beweis hoher gei ltiger Krau der Juden , In Worms, daß das Ri igen nach einem sittlichen Ideal und das Streben nä». . wissenschaftlicher Betätigung selbs in dieser schlimmsten Zeit bei ihnen nicht er oschen ist Männer wie Rabbi JehudaderFromme,di :r berühmte Mystiker und Verfasser des »Buches dei Frommen und sein Schüler R. Eleasar, Vei fasset de--' Rokeach«,; dem Kreuzfahrer 1198 Frau und Kinder ermordeten, können auch hei te noch als unerreichbare Vorbilder einer idealin Lebensauffassung gelbst «Jen besten unserer Zeit hin gestellt werden. Der Einfluß ihre > Denkens und Wirl^ens scheint sich über der jüdischen Kfeis hinaus erstreckt und die deutsc ie religiöse Gefühlswelt vertieft zu haben. Wie wir in den Sprüchen des »Winsbeke« im Anfang des 13. Jhd Sätze und Anschauungen finden, die eine überraschende i Aehnlichkeit mit den Lehreit und Mahnungen der [»Lebensführung* betitelte Mahnschrift des Rabbi Elieser aus Worms au: weisen, so,finden Wir fast wörtlich gli ichlautend Stellen bei Eleasar »Rokeach* und )äi Konra; von Megerpdorf, dem deutschen Ni itarforsche des 14. Jhdl. Auch die deutsche Mystik, die an Ende des l|3. Jhd. so großen Aufschwung nimm1 und jn Meister Eckhard den gejstvollsi en Vertrete» findet, hat; sicherlich mittelbar aucl; durch di< jüdischen i Wormser Mystiker Anregung; unf - 2