Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 8/9 - August/September (8.1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- Seite 137 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ihrer jüdischen Herkunft wegen — war unge- Judentum eröffnet, bei der viele deutsche Schrtftmein töricht! — In unseren Tagen ist das dichsteiler das Wort ergriffen. Unser Dichter zefchterische Schaffen gerade dieses Autors einer der nete damals interessante kulturelle Parallelen und zahlreichen und vollgültigen Beweise für die schloß mit der bekannten und berechtigten Torlängst bekannte Wahrheit, daß die beiden geiderung: »Jüdische Herkunft nie verleugnen,.aber stigen Emanationen »Deutschtum« und »Judendabei gleichzeitig ein guter Deutscher sein!« — tum« eine ganz vortreffliche und glückliche Ehe Nach dem Kriege hat sich das reiche Schöpfermiteinander eingehen können. Fragt man nach tum des unablässig schaffenden Autors noch' den Fermenten jüdischen Wesens in Lissauers nach vielen Richtungen hin glücklich aus- Werk, so wird man yor allem die in seinem gebreitet. Es erschienen drei große Gedichtganzen Wesen und Oedicht immer wieder herbände voll erlesener Köstlichkeiten, zwei Müsikvorleuchtende Religiosität ,njenQen müssen, poeme von bleibendem Wert, zwei wundervolle die sein gesamtes Schaffen wii ein goldener Essaybücher, die ausgezeichnete Aufsätze-und Faden durchzieht, ferner sein immer gegen- Betrachtungen enthalten, und, was-überraschend, wärtiges, p/antheistisches Gottgefühl, das so oft in aber nicht unerwartet kam, 'die stürmende Im- Lobpreisungen der ewigen Schöpferkraft von fast pulsivität des Dichters wandte sich auch dem biblischer Lapidarität ausklingt. Drama zu. .V, In den schönsten Gedichten Lissauers fühlt Die drei Versbücher Ewige Pfingsten«, der man nicht nur das atmende Leben auf unserer »Inwendige Weg und »Flammen und Winde« Erde, sondern wie bei Angelus Silesius, das Kossind den alten Büchern ranggleich; neue,, noch, mische; man spürt, daß wir auch auf diesem reichere und, kräftigere Ringe an dem Bäume Planeten im Unendlichen weilen. seines fortwährend wachsenden und Wirkenden Der Autor, der sich selbst mit Fug und Lebens, neue Stücke seiner - großen' Lebens- Recht als ein deutscher Dichter bezeichnet, konfesSion« — um mit Goethe zu redenj dem hat sein Verhältnis zum und seinen Ursprung bisher gezeichneten DichterprofH abervermögen vom Judentum oft dargelegt. »Ich bin der jüngste sie keine bisher unbekannten Züge hinzuzufügen. Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Berlin,« Die geistlichen Gedichte der neuen Sammschreibt er Jn einer autobiographischen Skizze, lungen sind wieder von hehrer Reinheit und »der Name meines Großvaters Samuel Lissauer überragender Größe; sie haben ihren, charaksteht unter dem Aufruf vom 2. April 1845, in teristischen Eigenton und sind von prägnantester dem eine Anzahl Berliner Bürger die europäische Prägung- FortgestaltungderjüdischenGlaubensform fordert.* Da ein starkes religiöses Suchen’besonders Ich . habe mich immer vornehmlich als Deutscher nach der furchtbaren Kriegszeit sich in allen gefühlt, ohne mein Judentum in mir je zu unter- Ländern bemerkbar machte, wurde man überall drücken. Obwohl meine in mir allmählich klarer auf deh Dichter aufmerksam und empfand allentwachsenden religiösen Strebungen, von denen halbem dankbar seine. Mission;. Rein christlichmeine kommenden Bücher zeugen werden, mich theologische Zeitschriften, wie z. B. die »Christweit weg vom Judentum und vom Christentum liehe ^Velt«, brachten verständnisvolle Würhinweggeführt haben, bin ich aus dem Judentum digungen des Dichters. Wenn diese und andere nicht ausgetreten. Meine »Psalmen« und die rechtsstehende Kreise Lissauer rühmten, so Arbeit an einem entstehenden religiösen Buch hätten sie ihn am liebsten der jüdischen.Behaben mir selbst erst gezeigt, wie stark völkerungsgruppe abgesprochen; genau so,' wie von weither kommende jüdische Eieseinerzeit Chamberlain sich nachzuweiseo bemente in mir wirken.« mühte, daß Christus und seine Apostel nur Programmatisch hat dann Lissauer seine waschechte Arier gewesen sein könnten. So heißt Stellung zum Judentum in einem großen Essay es an einer Stelle, deß das Beste am Deutsch, entwickelt, der vor dem Kriege im »Kunstwart« tum und am Preußentum nur eine-Verbindung erschien. Damals hatte Ferdinand Avenarius anvon Pflicht und Geist sei; und wörtlich läßlich einer seltsamen zionistischen Uebertreibung weiter: »Und diese Verbindung steht wieder vor die interessante Aussprache über Juden und uns in der Dichtung Lissauers, deS Voljblutjuden, 137