Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1925-07-01 · Nr. 6/7 - Juli/August (7.1925) · p. Seite 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Nr. 6/7 - Juli/August (7.1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 119 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6727475-6029128-6074653--0843-4867505
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1.4; bereits ein gereifter Mann, er hatti lange in der Steppe gelebt und nachgedacht, bis die große Frage an ihn kam. An den Propheten Jeremia kam sie schon in der Jugend; der Piophet Sacharia hört sie, so oft er dem Sinne des Lebens nach-, denkt. Sie paßt also als Motto über alle Gesichte der Propheten. Jeder hat sein Auge,, mit seinem Glanz, seinerh Schatten, seiner Tiefe, und sein Lebensschicksal spricht daraus. Es kann Verkennung und Enttäuschung sein. Klarheit und Bestimmtheit, Festigkeit; aber auch Eigenliepe, Selbstsucht, Enge der Empfindung. Worte kann man verstellen zur Täuschung und Heuchelei; den Blick kann man nicht versteiren|. Darum, wenn er sich erkennen will, um v<j>n sich aus zu den Menschen zu gelangen, po muß er sich fragen, was siehst du? Die meisten wollen, umgekehrt gesehen werden, Eindruck machen, eine Rolle spielen, ln der Lpge i kommt es nicht darauf an, zu gelten un<J zu scheinen, sondern zu sehen, d. h. den Blick! für {den andern zu gewinnen. Es genügt aber nicht, die Oberfläche zu sehen; unsre Seele piuf in die des andern zu dringen suchen. Es ist nicht wahr, daß Liebe blind mache; Haß und Feindschaft machen blind. Mit Wohlwollen lernt man ersteinander sehen, verstehen, begreife i. Das ist die Wohltat, die hier geübt und emp angen wird, das beglückende Bewußtsein, daß d£r andre mir Bruder ist. - Das ist unter allen formen des Helfens die schönste, wenn der anc re den Blick für mich gewonnen hat. Jeder soll ein Sehender werden. Eltern müssen ihre Kinder zu sehen vermögen, entdecken, was im Kind? lebt, das Werdende in ihnen anerkennen.1 In c er Loge soll jeder dem andern ein Erzieher sein, eine Kunst, die erworben sein will, deren aber jeder fähig ist. Der schaffende Künstler siehtj wc die große Menge nichts sieht; sein Augepaugt sich in die Dinge und Seelen. Der Mensch sol dem andern gegenüber Künstler sein mit dem Blicke der Liebe und Güte. Das ist die Arrosfrage und ihre Antwort. Auch von der Gerechtigk iit s jricht Arnos, aber seine Forderung bedeute: nicit, das Böse nur eben zu meiden. Prophetische Gerechtigkeit ist etwas Positives, sie verlange, d« ß das Recht des Menschen anerkannt werde durch sehende Gerechtigkeit. Dies Recht gib Ihren das neue Haus; wir alle werden Sie dort sehen; aber auch Sie sollen sich dort in idealem Sinne sehen und helfen lernen, in Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht. Dies sei die Antwort, die Sie auf die Frage des Propheten geben. In die Hände des würd. Präsidenten Dr. Galliner legte dalnn der Redner den Freibrief der neuen Amosloge, der 1022. des Ordens, der .107. des deutschen Distrikts, und deh Hammer' als Zeichen seiner Würde. ~ ' Es folgte ein Tenor-Solo; diesem der Reigen der Glückwünsche. Ihn eröffnele «Br. Dr. Krombach (Essen). In unsrem Landstrich, den die Industrie mit ihrem geschäftigen Treiben beherrscht, bedarf die Pflege der Ideale besonderer Sorgfalt; ihr sei die Amosloge gewidmet. Br. Dr, Kober (Köln) für den westdeutschen Lögenverband betont die Neidlosigkeit, die jede Loge am Gedeihen der anderen habe. Die kleinere könne noch mehr als eine große nach innen wirken und sich der Phrase enthalte^ — wie Arnos ein Gegner der Phrase und des hohlen Pathos, desto mehr der Prediger der sozialen Gerechtigkeit gewesen'sei. ( . ■ / Br. Studienrat Dr. Galliner (Frankfurt) für den Hessischen Logenverband leitet seinen Glückwunsch durch eine sinnige Deutung von; Rembrandts Meisterbild in der' Oasseier Galerie ein: Jakob segnet Efraim und Menasse. Diese Knaben zeigen einen verschiedenen Ausdruck; der eine blickt sinnend beschaulich in sich hinein,, der andre scheint kritisch, aktiv vorwärts zu schauen — sie zusammen deuten den Doppelcharakter der jüdischen Seele an, das Betrachten des Alten und die Freude am Neuen. Beide Richtungen soll die Loge verständnisvoll verschmelzen. Br. Rosenthal-Berlin für die Berliner Logen und die östlichen und nördlichen Lögenverbände dringt auf Eifer in der Logenarbeit, die in dem Dichterwort gipfelt: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Ihnen allen antwortet Präsident Dr. Galliner: Das Werk lobt den Meister. Sein Here aber sei des Dankes voll. Solchen bringt er dem hochw. Großpräsidenten der Großloge und. den Vertretern,der auswärtigen Logen dar. Von seiner großem Schöpfung hat Gott auch das Böse nicht ferngehalten, aber sie ist gut nicht trotz, sondern wegen des Bösen; denn dieses hat das gute Herz geschaffen. In unsre sozial* erregte Zeit ■ ' V 110 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.