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Der Orden Bne Briss · 1925-05-01 · Nr. 5 - Mai (5.1925) · p. Seite 87

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Nr. 5 - Mai (5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 87 (sequence 11)
Language
German
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mit fassungslosem Grübeln seinem zerbrochenen Glück, nachsinnt, hat er wie Hiob mjt Gott gehadert. | Der-Begriff der göttlichen Gerechtigkeit hat den Dichter in allen seinen Werken beschäftigt, in den < Jugendnovellen, im Tod Georgs«, in seinen beiden Dramen. In diesem jTrauerspiel sind es drei Gestalten, die der Vorsehung gegenüber als Ankläger auftreten, der rot£ ltzig, der unglückliche Wirt, der einst im Glücke ein großer Künstler war, und Charolais, der im tiefsten Elend aufrecht und stolz wie Prometheus bleibt und sich auch im Leid se;ne Selbstachtung nicht antasten lassen will. Auch er weiß” keine Antwort auf die ewige Frage, nach dem Watum alles Geschehens, allein dtr Dichter zeig*, daß in den Menschen selbst, die Kräfte lebendig sind, die sie in den Abgrund stürzen. 'Und bewußt und groß( läßt der Dichter am Schlüsse des Trauerspiel die allgemeine Tragik eines jeden Menschen, ewig einsam zu sein,’ anklingen. Das stärkste Zusammengehöiigkeitsgefühl zwischen Mann und Weib, — es hat keine Dauer, — ein Sturm der Sinne zerreißt dieses Band. Doch in alldem sinnlos scheinenden Treiben, das mit den Menschenleben und mit dem Glück Fangball sp eit, — gibt es nur eins, was unzerstörbar ist, was ein Fortleben nach dem Tode gewänrleistet ... Das Band, das Eltern und| Kinder verknüpft, — kein das Grab zuschauftjnder Spaten kann es zerreißen.' Keinem Vo ke ist das Motiv des nyslischen Zusammengehörigkeitsgefühls der Generationen so vertraut wie dem jüdischen; es ist das verbreit eiste "‘rächst dem d^r Gottesidee und der immanenten metaphysischen Gerechtigkeit, ln Richard Beer-Hofinanns Weik werden überall Fäden sichtbar, die es über die jahrlausende hinweg mit dem ant'ken Judentum verbinden. In seinem Gtdicht »Schlafl-ed tür M ijanv« das mit zu dem Schönsten gehört, was überhaupt je in deutscher Sprache geschrieben wurde, hat er für das, was Ehern und,Kinder verbindet, gewissermaßen eine klassische, lyrische Foimulierung gefjnden. ' Mannigfach wird das Thema indem Drama vaiiieit; am bezwing-ndsien in der Gestalt des roten It/ig. Der Vergleich mit Shyiotk liegt natürlich sehr nahe, aber die Personifikation des mittelalterlichen jü-iischen Volkes im Charolais rührt mehr an unstr hetz als jene berühmte Bildergalerie des g L igur aus der umfangreichen rößten Dichters der Welt. Die Oestalt des roten ltzig ist, mit des .Dichters eigenem Herzblut getränkt und wird ebenso, in die Welt-Literatur eingehen, wie sein bekannter Bruder von Shakespeares ’Qnaden. Hier wird dtr Charakter des mittelalterlichen Juden dargesl« lltj r icht nur wie fr ist, sondern wie er gewoiden ist. Beer-Hotraann läßt aus dem verhaltenen Ingrimm dieses Hassers ahnen, welche Schmerzen dieser Ausgeschlossene durchlitten hat. Ei . erreicht diese Wirkung nicht so sehr durch des, was er den roten ltzig in der jorsp-udeln läßt, sondern weil er wie die verhaltene Wut nach Erregung herv uns fühlen mrcht, M; ihm Ausdruck rin Wthe, das in in einem ehztgtjn spricht, nein wie sie alles Schwere und lebt; hinausschreien möchte qualvollen Schrek .„Hier hier gurgelt ußil stöhnt' und höhnt und verstummt endlich, der Unzujänglichk< it aller Menscher sp ache sich-Bewußt werdend, y der «eit Jahrtausenden aufgespeicherte Groll eines friedlosm Volkes.- Hier sieht als eine düsttr gewalti ie Mahnung der än ihm verübten un.-ühnbartn Fre rel Ahasver im Kleide eines Handelsjuden. Vor den Augen des Kindes ist der \ater ai f dem Scheiterhaufen verbrannt wordenj;.diesrs Gia.uenhafte mußte in der Seele dieses IMtnsciien lalle sanfteren Herzensregungen ertöten Die Wut Shy ocks in der Gerichts?. Szene des, »Kaufmanns von Venedig« hat nicht etwas so Gewaltiges an sich wie der Gefühtsausbruch dieses Unglücklichen. Auch sonst ist der, Graf vpn Charolais reich an unvergeßlichen Episoder fjguren. Ueber* all ein Ranken weik stiahlender EinzeispKönheiten,' ^ine reiche Bilder- und Gtdankenfolge,- tine Spache,;der«n Bildkraft poetisch an das Unaus‘piechlichi; herandringt, und die von so hin? reißender Glut, Tiefe und federnde«; Kraft ist, wie man sie seit den Tagen unserer Klassiker in Deuischiard nicht mehr gehört’-hat.' Es wäre wahrlich löacht und Billig, bei soviel Schönht ten des Stückes . nach gewissen Biuihlinitn u d Mängeln zu suchen Ungedulc 'g wartete man nun jahrzehntelang auf das Erscheinen neuer Stücke von ,Beer-H°f* n ann, zunächst vergeblich. — Produzierte, der Auior wuklich so langsam und schwer, öder schloß er seine Dich ungen im Schreibtisch ein 87

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