Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 3/4 - März/April (3.1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ferdinand Lassalle. Zu seinem 100. Von Br. Dr. Wjil *y Gebur C 0 h n , Bri stage. eislau. Am 11. April 1925 sind es 100 Jahre, daß Ferdinand Lassalle in Breslau geboren wurde. An diesem Ereignis wird sicherlich die gesamte Presse des In-,und Auslandes nicht Vorbeigehen, Wenn wir dieses Tages auch in unseren Logenblättern gedenken, so bedarf das einer besonderen Begründung. - . Wir Haben es an dieser Stelle nicht mit dem Politiker Lassälle zu tun* auch dürfen .wir nicht in eine Untersuchung darüber eintreten, ob die vonihm gewünschte Umgestaltung des Wirtschaftslebens erstrebenswert oder nicht ist, sondern mit <Jem Menschen und dem Juden. Wir haben uns zu fragen, ob die Gesinnung, aus der heraus Lassalle gewirkt und gelebt hat, auch uns für die Ideale unseres Ordens etwas zu sagen hat. ' Ferdinand Lassalle ist ein glänzendes Meteor an dem an Persönlichkeiten reichen Himmel des 19. Jahrhunderts. Noch keine vier Jahrzehnte des Erdenwallens waren ihm von der Vorsehung bestimmt. Aber in diese kurze Spanne hat er so unendlich viel an Arbeit und Taikraft hineingepackt, daß es beim Durchblättern seines Gesamtwerkes heuie fast .rätselhaft anmutet, wie ein einzelner Mensch das hat schaffen können. Vergegenwärtigen wir uns ganz kurz die Hauptetappen seines Lebenslaufes. Er stammt aus wohlhabender, bürgerlicher, jüdischer Umgebung. Sein Vater betrieb in Breslau am Karlsplatz ein Geschäft. Wohnung und Laden waren in einem Hause verbunden, und mit der Hellhörigkeit des begabten Menschen hat der junge Ferdinand schon frühzeitig Einblicke in das Geschäftsleben gewonnen. . Seine Schullaufbahn am Breslauer Magdalerengymnasiurm war nicht vom Glück begünstigt. Er vermochte sich in den Organismus eines geregelten Schulbetriebes nicht einzupassen,'- mußte die Anstalt frühzeitig verlassen und besuchte dann vorübergehend die Handelsschule in Leipzig, erkannte aber’hier, daß seine Zukunft nicht im kaufmännischen Leben verankert war. In das Werden des jungen Mannes läßt uns ein eigenartiges, mjt größter Sorgsamkeit geführtes Tagebuch hinetnblicken,. das in dem Knaben schon den künftigen leidenschaftlichen Kämpfer wählte er Philosophie glänzende ahnen läßt Privatim bereitete er sich dann Breislau aul das Abilurientenexamen vorr-fi$l erste Mal ganz unberechtigterweise durch stand es aber dann nach einem Jahre. Sc< das Studium der Geschichte Hier winkte ihm durch seine heute grut dlegenden Studien über Heraklil Zukunft, da wird er dutch die Giäfin Hatzfeld völlig aus seiner Bahni gerissen. Diese Frau. führt: einen schlimmen Prozeß gegen ihren Majnn, in dem alles Recht auf ihrer Seit: lag. Deh jung:n Lassalle ging, die Angelegt:r heit eigentlich gar nichts an, er war auch von Beruf wir schon Laäsalie w erwähnen: nicjit Juri: t, trotzdem widmete er dieser Angelegenhei mehrere Jahre seines Lebens. Fr< gen wir uns, wie dies möglich wurde, so erkernen in das bedknn ind ach :ine von der uns in dieser Angelegenheit das, wa > ert sein ließ, ihn in diesen Blatte r i zu das jüdische Herz. Wenn er sich für diese Frau opfert, wenn er später in der leidenscha tlichsten Weise sich dem in bedingtester Lage befindlichen Arbeiterstand zui Verfügung stellt, so ist es immer das, was den wahrhaft jjruten Juden in aller Zeit zu eiger war: der Wunsjch helfen zu dürfen und helfe r zu müssen. Wenn man uns heute so oft den Vcrwurf macht, daß wir uns von materiellen Wünschen leiten lassen, so muß es von Lassalle mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß er äußerlich Arbeiterbewegung nichts gehabt Im Gegen eil, er hat ihr große Summen geopfert und nur das eine Interesse gehabt, der Sache zu dienen, die er für richtig erkannt. Aber:verfolgen wir zunächst noch der Ablauf seinfs Lebens. Schon der Prozeß um die Gräfin Hitzfeld brachte ihn in Berührung mit deh Behörden. ’ Einen großen Teil seiner Kraft widmete er diesem Kampfe gegen rückschrit liehe Staatsandälte. Das Jahr 1848 sieht ihn auf Seite ’der Revo ution. Glücklicherweise saß er ir den entscheidenden Märztagen im Gefängnis, sonst wäre er zweifellos bei seinem Ueberschuß an Tempeiarhent im. Barrikadenkämpfe gefallen. Nach Vollendung des Heraklits machte (r sich an die Ausarbeitung eines grundlegenden jnristihat. - 5*