Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 1 - Januar (1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6727475-6029128-6074646--0723-4867385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
hier, einen Ansporn entnehmen, dieses Mißver-' hältnis wenigstens in etwas zu mildern, und zu retten, was noch zu retten ist? Denn es ist noch allerhand zu retten, aber nur, wenn alle in Frage kommenden Stellen Einsicht-ünd guten Willen zeigen und auch ihrerseits'dem so modernen Geist historischer Besinnung ihren Tribut entrichten. Es schlummert in noch sehr vielen kleinen, größeren und großen Gemeinden Aktenmaterial, das in diesen Gemeinden entstanden ist, schlummert in — oft sehr vergessenen — Schränken und Truhen, auf Böden und Kellern, schlummert — oft den Todesschlaf, denn unbeachtet und ungeschützt zerfällt und vermodert es und verringert sich in sich selbst. Bedenkt und weiß man noch, wie verhängnisvoll nicht selten das Feuer in den dokumentarischen Beständen der jüdischen Gemeinden — nicht zuletzt der wichtigsten — gewütet hat, wi$ leichtherzig manchmal Gemeindearchivalien Verzettelt worden sind, so drängt sich geradezu unabweisbar die Notwendigkeit.auf, diese Geschichtsaltertümer der jüdischen Gemeinden ihrem gefährlichen ' Schlummer zu entreißen, sie zu bergen und zu schützen und für die Zukunft zu erhalten. Eine Stelle, die dies als ihre, Aufgabe betrachtet, bietet sich in dem Gesamtarchiv der deutschen Juden dar. Eine gemeinsame Gründung der Bne Briss-Logen und des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes — durch das Entgegenkommen der Berliner Jüdischen’ Gemeinde im Besitz modernster, absolut feuersicherer Archivräume (im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oranienburger Straße 28/29) — hat es in den dem Kriege unmittelbar vorausgehenden Jahren und auch nach Kriegsende mit vielem Erfolg Akten der jüdischen Gemeinden Deutschlands gesammelt und aufbewahrt und so für die Erforschung der Geschichte der deutschen Juden wertvolle Hilfsdienste leisten können. Aber das Geleistete ist noch immer sehr unzulänglich, noch sehr erweiterungsfähig, und weit mehr ist das, was fehlt, als das^was vorhanden und hier wohl behütet ist. Die Inflationszeit mit ihren üblen Nebenerscheinungen hat die Tätigkeit dieser Arbeitsstelle in unerfreulicher Weise gelähmt und die .Verbindung zwischen ihr und denen, auf die ihre Bestrebungen sie hinwiesen, gelockert und gelöst. Jetzt will auch das! sich-j^ieder ins alte 4 Gleis finden, jetzt soll mit verdoppelter Kraft die unterbrochene Arbeit wieder aufgenommen und zu doppeltem Resultat geführt werden: Die Hauptsache ist und bleibt dabei, daß überhaupt wieder etwas geschieht, daß jede Gemeinde . sich um ihre archivreifen, dem laufenden Geschäftsgang bereits entrückten Akten kümmert, daß .dort, wo ejas Interesse schon wach;istK es nicht versiege und dort, wo es bisher fehlte es endlich erwache. Man darf erwarten, daß, wie es bisher schon vielfach geschehen, diejenigen Gemeinden, die bereits ihre Akten depiGesarntarehiy'anvertraut haben, ihre Depots fortlaufend m dem Maße vermehren,l wie Archivalien aus-dem laufenden Geschäftsgang ausscheiden. Sie würden damit ein doppelt gutes Beispiel für all 4?e Gemeinden und Küijpe/schaften geben, die bisher im Ge-' samtar^Hiv noch nicht den Treuhänder ihres. Aktenmaterials — diesen Begriff im weitesten Sinne genommen — erblickten. Es sei besonders für sie an dieser Stelle nochmals hervbrgehoben, daß gemäß der Art und Besiirnmung des Gesamtarchivs die dort deponierten Akten, Bücher und Urkunden nur als Leihgut betrachtet werden, d< h. — wenn etwas anderes nicht ausdrücklich bestimmt wird — im vollen Eigentum der äblijefernden Gemeinden und Körperschaften bleiben. Akterisicherung liegt im Interesse jeder, auch der kleinsten Gemeinde und verlangt eine entsprechende Tat und bestände diese zunächst nur in einet kurzen Mitteilung ap das Gesamtarchiv, das dann die nötigen Schritte einzuleiten, die nötigen Maßnahmen durchzuführen haben wird. Um aber das Ziel eintr sicheren Erhaltungdes ja den jüdischen 'Gemeinden entstandenen und noch vorhandenen schriftlichen’Materials ddr Gemeindeverwaltung sowie öberhaiipt aller dem jüdischen Gemeindeleben — nicht zuletzt dem Vereinsleben — ■ entstammenden Schrift- und Druckwerke auch, nur annähernd zu erreichen, müssen Ergänzungen durch Außenpostierungen erfojgen. Zur Erreichung dieses Zieles braucht es — ähnlich den allgemeinen Geschichtsvereinen und den staatlichen Landeskonservatoren — einen Stab von freiwilligen, mit den einschlägigen persönlichen, örtlichen Verhältnissen und dem Material vertrauten Helfern, f. An diesen wäre es, auf das Material zu achten, es gegebenenfalls überhaupt erst aufzustöbern, an diesen, Verständnis für archivalische Konser- 5