Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 15 - Dezember (12.1924)
- Date
- 1924-12-01
- Page
- Seite 197 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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kungen zeigen, von denen [B r. Prof. O oldstein- D_a r m s t a dit Andeutungen gab. Wenn im Anschluß an die vorzflglichen Referate der BBr. Maximilian Stein-Berlin und Merzbach-Frankfurt a. M. die Großloge des deutschen Distrikts mit einmütiger Selbstverständlichkeit, entsprechend dem im August auf der Konferenz der Oroßpräsidenten in Karlsbad gefaßten Beschluß, zu dem Ergebnis kkm, daß die amerikanischen Vorschläge grundsätzlicher Aenderungen unserer Logenfundamente at^zulehnen sind, dann *L sprach hieraus nicht nur diq Feststellung, daß die Verhältnisse und die Bedingungen in Deutschland gänzlich andere sind als in Amerika, sondern ein Orößeres und Wertvolleres j war es, was diesem Beschluß seine Bedeutung gab. Dieser Beschluß ist ehtstatjden (aiis dem Bewußtsein eines vertieften | Judentums, eines Judentums, das; sich seinesj Eigenwertes bewußt ist und das es ablehnt, antisemitischen Verdächtigungen Rechnung zuj tragen. Mit dem Beschluß, den geschlossenen Charakter des Ordens beizubehalten,; mit dem Beschluß, Logen zu bleiben, hat' die Großloge I deutlich zu erkennen gegeben, wohin der Weg des deutschen Distriktes führen soll, nicht in die Breite, nicht nach außen, sondern in diel Tiefe, nach innen. Nur in geschlossenen Logen und nicht in öffentlichen Vereinen, nui unter Beibehaltung eines Rituals, an dim sich die ersten Zeichen der Patina der;Tradition zeigen, ist eslmöglich, das zu erfüllen, was der togengeidanke, 'richtig verstanden, bedeutet: den einzelnen mit der Oesinnung zu erfüllen, die ihn dann draußen im Leben zum Zeugen! für sein Judentum und für ein hochstehendes 'Menschentum werden läßt. , Die Behandlung dieser ^Hauptfragen hatte einen sof breiten Räum eingenommen, daß darunter die Besprechung j der anderen Gegenstände der Tagesordnung trotz ihrer Bedeutung ein wenig litt Einje Fülle so tiefgreifender Probleme lassen sich schwer in den Rahmen zweier Tage hineinprfessenj wenn nicht das eine oder das andere dahinten leiden soll. Es wird zu er-* wägen sein, ob aiOses Parlament der jüdischen Köpfe, wie einer der Teilnehmer die Großlogen- * tagung nannte, sich fürl seine nächste Tagung nicht einen etwas breiteren Raum wird schaffen müssen, um mit derjenigen Sorgfalt jedes der Probleme behandeln zu können, die ihm zukommt. Mit der Zahl von 750 Expräsidenfen als Mitgliedern, mit der Anwesenheit von 124, Repräsentanten und zahlreichen sonstigen Expräsidenten, sowie der Vertreter des tschechoslowa-' kischen, des polnischen Distrikts, der Schweizer Logen, bedeutete dieses Logenparlament die machtvolle Manifestation einer Idee. Die Freimaurerfrage wurde nach einem Referat des Br. Erlanger., Nürnberg, das von mannhafter Ehrlichkeit durchleuchtet war, im Sinne des vom Geschäftsausschuß eingenommenen Standpunktes entschieden. Mit ganz besonderem Interesse wurden die Ausführungen des Br. Vizegroßpräs. Walter in seinem weitausholenden und tiefgehenden Referat über die Frage der J u g e n d v e~r e j n e aufgenommen. Br. Walter gab eine vollständige Geschichte der neutralen.’ jüdischen Jugendbewegung^, der Oründe, die zu ihrer Schwächung unß teilweisen Auflösung in der Nachkriegszeit führten, und vor allem eine umfassende Darstellung, wie von den verschiedenen Seiten der Begriff der Neutralität verstanden wird. Hauptleitsatz seiner Ausführungen war der Gedanke, daß es Pflicht der Logen sei, die jüdische Jugend von der zersetzenden Oberflächlichkeit der Nachkriegszeit' hinweg geistigen und jüdischen Dingen überhaupt erst einmal zuzuführen. Die Neutralität soll nicht in Farblosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den jüdischen Problemen der Gegenwart bestehen, im Gegenteil, gerade die neutralen'Jugendvereine sollen den Anhängern der verschiedenen religiösen oder politischen Rich- . tungen im Judentum die Möglichkeit geben,an einer Stelle zusammenzukommen, wo sie ihfie Ansichten gegenseitig klären, ihrelleberzeugungen vortragen können, ohne jedoch einseitige Propaganda für die eine oder andere Richtung zu treiben. Neutralität ist also zu verstehen im Sinne einer U e b e r p a r t e i 1 i c h k e i t, die nicht eigene politische oder religiöse Ziele verfolgt, sondern die nur der Jugend dienen will. Die Leitsätze des Br. Vizegroßpräs. Walter wurden angenommen und in *Zusätzen der Wunsch zum Ausdruck gebracht, Logenbrüder möchten den auf überparteilicher Grundlage begründeten jüdischen Jugendvereinen ihre eigenen Kinder unter Hintansetzung sozialer Unterschiede zuführen. v 1 197