Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 14 - November (11.1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 187 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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deutschen Glaubensbrüder, Väterglauben zu befestigen, Aufsätzen, wie di? »Mes gestritten wird, kam Cohen mehrmals zurück, um sich mit christlichen Oelehrteni auseinander zu setzen (Bd. I. S. 175 u. 182, III S. 52ff.). : j Selbst vom hohen Wert? der jüdischen Lehre durchdrungen, wie er dieis in seinem Briefe an die Frankfurt- Loge i J. 1904 bekundet und in seiner Schrift »Religion und Sittlichkeit« in klarer gedanklicher Entwicklung zeigt, hat er im Jahre 1910 vor dem fünftenWeltlcongreß für freies Christentum und religiösen Fortschritt »Die Bedeutung des Judentums für den religiösen Fortschritt der Menschheit« in streng wissenschaftlicher und vornehmer Weise dargetan, so daß dieser Vortrag bei den Kongreßteilnehmern einen gewaltigen Eindruck hinterlassen hat. Mit der Verteidigung des Judentums nach außen geht nach innen die Belehrung der Judenheit, insbesondere der Hand in Hand. Um sie im zeigt er ihnen in verschiedenen riasidee«, »Versöhnungsidee«, »Das Problem der jüdischen Sittenlehre«, »Ueber den ästhetischen Wert Unserer religiösen Bildung« etc., die Vorzüge der angestammten Religion. Und um ihre Liebe zu unserem jüdischen Schrifttum zu erhöhen, weist er sie in den Aufsätzen Wie »Der Stil der Propheten«, »Die Lyrik der Psalmen,« u. a. auf die kostbaren Schätze hin, die in unserm Schrifttum vorhanden sind. In seinem auf dem zweiten Verbandstage der deutschen Juden i. I 1907 gehaltenen Vortrage: »Religiöse Postulate« hat er Richtlinien für die Entwicklung des Judentums aufgestellt um! es als Aufgabe des Juden bezeichnet: unsere Gotteiidee zum Leit begriffe für alle Probleme festzuhalten, sich den Völkern der Erde in allen F'agen der Kultur außer der «einen vom 'einzigen Oott;, innerlich anzüschließen und an der Herbeiführun; des mesäianischen Zeitalters im S t a 11 £ seiner Heimat milzuwirken und schließlich eine erhöhte Pflege unserer angedeihen zu lassen letzten Forderung verlangt Cohen die Erhaltung der Oebete in der hebräischen Ursprache unseres Glaubens. Allerdings ist unser Philosoph, der im jüdischen Schrifttume gut bijwandeift ist und die Entscheidungen bezüglich des Gebi auches |der Muttersprache beim Beten genau kennt, nicht ' gegen Uebersetzungen oder deutsche Urgebete beim Oottesdienste; er wendet sich nur gegen das Ueberwuchern der deutschen Gebete; er möchte die pietätlose Entwurzelung des Stammes unserer hebräischen Oebete, den die _ Männer der großen Synagoge verfaßt haben, verhüten; :r will, daß sie erhalten bleiben als die Fundgrube re igiöser Grundgedanken und mit ihnen verwachsener Oruidgefühle (Bd. I, S 16 u. 61; II, 325). Freilich — so sagt Cohen an einer andern Stelle — verstehe man den Oedanken auch in dem Satze: »An jenem Tage wird der Ew ige. Einzig sein und sein Name einzig«. Aber was das Woit e c h a d bedeute, das gebe die Uebersetzung mit Ein zig nicht mit hinlänglicher Prägnanz wieder. »Denn in echad bedeutet die Einzigkeit zugleich die Unvergleichba keit mit aller anderen Art eines Seins. Und sie bedeutet zugleich die Pflicht und die Kraft, diese Einheit.zu bekennsn, und zwar das eigne Herz zu dieser Einheit, hindurchzr ringen.» (I. S. 61.) Geradezu lichtvoll Wissenschaft In Verfolg der sind seine Erklärungen der einfachsten Gebete, über die man gedankenlos hinwegliest (I. 227 ff.); ■ Sq ' sehr ist er von der- Schönheit unserer Oebete d jrchdrungen, daß er ausruft: »Ohne den Kompaß des jüdischen Gebetes kann man die ganze Geschichte der Juden nicht verstehen (III. S. 372). . - Mit derselben Olut, mit iler Cohen sein Judentum liebt, liebt er auch das Deutschtum Unfl das deutsche Vaterland. Das haben wir' bereits in'seinem oben erwähnten Vortrag;l »Rtligiöse Positulate« _gesehen. Noch deutlicher tritt dies hervor in seinen beiden Kriegsschriften : »Deutschtum und Judentum«, die in dieser Zeitschrift in den Jahren 1915 und 1916 au^ährlich -besprochen wurden, ■ sowie in seinem «Appell an die'Juden Amerikas« (II, S. 229). Diese aufrichtige Liebe Und hingebende Treue zum deutschen Vaterlande gebrn ihm zugleich den Mut, gegen die Verleitung ,zum. Abfall vom Judentum, «durch den Staat, gegen die Verleihung von Aemtern und Würden an jüdische Konvertiten unerschrocken und mit heiligem Zorn zu kämpfen (II, S 227 u. 395) Der Glaubenswechsel als Bedingung zum Amte versetze die Wurzel der Amtsehre in Fäulnis, entehre die Religion, das Vaterlandsgefühl und den Staat (III, S. 166). . , Es würde den Rahmen einer Besprechung 'sprengen, wollte man den Inhalt Sämtlicher Aufsätze und Reden hier auch nur kurz andeuten. Es sei daher hervorgehoben, daß keine Frage, die das Judentum bewegte, ihm nicht wichtig genug erschien, um zu ihr öffentlich Stellung zu nehmen (Zionismus, Palästina, Ostjuden.tum, Abwehr des Antisemitismus, Prozentnorm für jüd. Studenten, Grenzsperre u. a. m.). Und was der tiefe Denker lehrte und verkündete, hat bleibenden Wert. Auch dort, wo man mit ihm nicht übereinslimmen zu können glaubt, wird^ man seine Darlegungen, die sich durch ’Reichtum/und Feinheit der Oedanken auszeichnen, mit Nutzen lesen- und-an ihnen, Freude empfinden. . - Auch unserm Orden war Cohen, eintreues Mitglied und ein reger Mitarbeiter. Die Bestrebungen: zurSchaffung ejner jüdischen Jugendliteratur verfolgte er mit großem Interesse und gab der Jugendschriften- Kommission in seinem Aufsatze »Gedanken über Jugendliteratur; wertvolle Winke (II, S. 126). Anläßlich des 25 jährigen Bestehens unseres Ordens auf deutschem Boden i. J. 1907 schrieb er für unsere Oroßlogenberichte einen Festartikel:' »Zwei Vorschläge zur Sicherung ünseres Fortbestandes (II, S. 149/, in welchem er unserem Orden empfahl, 1. in möglichst großer Anzahl Anstalten zu schaffen, wie das von ihm im Jahre 1901 begründete Schüler- und Lehrlingsheim in Marburg und 2. Stiftungen zu errichten zur Förderung derjenigen Gelehrten, welche unsere Wissenschaft als die der lebendigen Religion des Judentums an den Universitäten zu dozieren befähigt und gewillt sind. Di? bald* darauf entstandene »Timendorfer-Sliftung« war die Auswirkung^ des letztgenannten Vorschlages, und es war sicherlich im Geiste Cohens, wenn diese Stiftung der durch ihn'angeregten »Jüd. Akademie« zu gute kam. Auch der vqn der Qroßloge entfachten jüdischen Jugendbewegung ,war er ein wohlwollender Freund und Förderer, wie dies sein« Artikel. 187