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Der Orden Bne Briss · 1924-11-01 · Nr. 14 - November (11.1924) · p. Seite 172

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 14 - November (11.1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
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Qroßtoge wird nicht so sehr in materiellen Beschlössen liegen wie in der allgemeinen Aussprache tüber die Richtung, die der Orden in neuer Zeit einzunehmen hat. Die Gioßloge wird festzusteilen haben, inwieweit sich in der Jetztzeit neue Aufgaben und Ziele, neue Behandlungsstoffe und Probleme ergeben. Es gilt, neue zeitgemäße Wegweiser für das Ordensleben aufzustellen. ] Die bevorstehende Großlogentagung wird beherrscht sein von der Tatsache, diß Br. Großpräsident Timendorfer seinem seit längerer Zeit gehegten Wunsche gemäß nachi mehr als 25 jähriger' Tätigkeit, und nachdem er das 70. Lebensjahr überschritten hat, vom Amte des Großpräsidenten zurücktritt und daß an^ seiner -Stelle, ein neuer Größpräsident zu fahlen ist. . Br. Großpräsident Timendorfer! ist der Ansicht, daß. das Weltbild unserer Zeit, an dem der Orden sich zu orientieren hat] neue Konstellationen gebiert, auf die wir uns einzustellen haben, und die junge^ unverbrauchtere Kräfte, frische Impulse und Initiativen erheischen., Die Verdienste Br^ Timendorfers um den Orden sind nicht zu uberbieten, sie sind unsterblich und. unvergänglich. Ein lebenslängliches GroßpFäsidium Ttmendorfer würde den innigsten Wünschen der gesamten Brüderschaft entsprechen. Es liegt auch gar nicht in der Absicht urseres .verehrten geliebten Führers, sich passiv und müßig auf sein Altenteil zurückzuziehen. Erbleibt der prominenteste, zuverlässigste Repräsentant der Großloge. Umsomehr dürfen wir vertrauen, daß sein von der Großloge zu wählender berufener Nachfolger in gleicher Weisheit und gleich erfolgreich die bewährten Traditionen des Ordens fortführen wird. Die vorgesehene Erörterung über .die »Aufgaben der Logen in kultureller und geistiger Be Ziehung« dürfte zum ‘rHöbepunkt .und Brennpunkt der Großlogenverhandlungen werden. Die feinsinnigen Richtlinien, die Br. Dr. Baeck in der letzten Sitzung des Generalkomitees als Referent formuliert hat, zeigen uns, wie der Sinn für die Tiefen des Lebens, für das Traditionelle in der heutigen Juderjheit lebendiger geworden, wie das Lebenstdeaf ein anderes geworden ist und damit auchrdas Logen-ßeal einen anderen Akzent erhalten hat; wie die deutschen Juden immer mehr und mehr zu sich selbst hingef ihrt und auf sich selbst beschränkt worden sind und das Verlange nach jüdischer Gemeinschaft und jüdischem .eben sich immer intensiver egt. Br. Dr. Baeck weist darauf hin, daß das Ideal der allgeme nen Menschheilsverbrüderung in mer aufs neue; urückgedrängt worden ist, und daß wir, wenn w|r eine menschliche Gemeinschaft haben wollen Gemeinschr ft zugesjalten un Es ist klar sie vor allem in einer jüdischen und inden, die auszubauen »ere Aufgabe ist. daß der Orden von den jewei Zeitläuften beeinflußt wird und daß er sich gewaltigen Gegenwartsproblemen und Karr ausigen den pfen nicht zu entziehen vermag. Es ist die Frage,, ob wir^ dii f Revolution schon hjnter uns oder \ ob wir sie nicht erst vor uns haben, eine Iriedliche, geisti ge, soziale, wirtschaftliche und politische Revclution. Der Orden muß den Brüdern eine Schutz nauer bieten, einen Rückhalt in dieser unruhigen und ungewissen Uebergangszeit. Unsere gevrohnheitsgemäße Tagesordnung sollte ja stets eig;ntlich nur ein Rahmen sein, in den -sich alles Aktuelle einstellen läßt. Die vielen Bagatellen Und Kleinigkeiten, Formalien und selbst treten die vor literarischen Kauserien und Vorträge dem Ernst der Zeit braucht wbhl kaum mehr über diskutieren] »Wie machen wir iind Weltanschauungen, die von Parteien, Aposteln und Volkszurück. Man die Frage zu unsere Logenltist abende interessant , in einer Zeit, die erfü von schwersn Schicksalsfragen, von Um wälzingen und Uebergängen, von Zusammenstößen der Systeme und Weltanschauungen, die von Dutzenden beglückern verfochten werden und die uns nicht Weltidern in eben dem Maße als luden Line verstärkt Anteilnahme am öffentlichen Lebtn dürfte auch für unseren Orden ein nur als deutsche Volksgenossen! und als bürger, so berühren Gebot der Es ist Orden. sich an der Welthilfskonferenz i.n Selbsterhaltung sein, wärmstens zu begrüßen, 'daß unser Karlsbad h£rvo ragend beteiligte. Die ergreifenden Schildernden der verzweifelten Lage der Juden im Osten wirkten auf der Welthilfskor ferenz wahrhaft * rschütternd. Die Verelendung des jüdischen Proletariats, die Schwierigkeit, s:ildem Amerika dfe^Einwanderung scharf kontingentiert hat, die Emigrantenmassen in der Welt uiiterzubringen, lassen unabsehbare Katastrophen be- 172 -

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