Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 150 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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halte Ausschau nach dej- Jugend, er nehme Anj teil an ihrer Arbeit und ihrem Sehnen und er wird di? wunderbaren Efneuerungskräfte spüren, die zum Ziel haben, die Menschheit als Ganzes und ihre einzelnen Gemeinschaften in ihrem besonderen Dasein aus Wjnterstarre zu losen und zu neuem geistigen und! sittlichen Leben zu erwecken. Es'ist nur natürlichj daß sich in jeder von außen herantretenden Kritik der Jugendbewegung letzten Endes die eigene Auffassung des Kritikers von den Dingen des Lebens niederschlägt. Wer ‘ in müdem Zweifeln und Verzweifeln den Glauben | an die Menschheitsideale preisgibt oder in Hasten; nach’Geld und Besitz seinen Lebenszweck erfüllt sieht' und sich ip sattem .Genießen gegen t ‘ die sittlichen und religiösen Güter gleichgültig zeigt, der wird das Wollen der neuen Jugend nicht verstehen und -es ablehnen oder sogar, angetrieben von der jugendlich schroffen Betonung der Gegensätzlichkeit, mit] Leidenschaft bekämpfen. Ein splcher Kritiker’ neigt dazu, die unleugbar vorhandenen Schwächen der Jugendbewegung in den Vordergrund zu rücken und alle die-Unzulänglichkeiten und Auswüchse zu registrieren, die bei einer so elementaren, aus : den bisherigen Grenzen und Formerr unseres Kulturlebens hervörbrechenden Bewegung un: ausbleibiich sind. Wahres mit Falschem vermischend, spricht man aufdieser Seite von leerer Pfirasenmacherei der Jugend, wirft t man ihr. vor* daß sie. wohl verstehe, in unfruchtbaren Diskussionen und mit überschwänglichen Worten über ihr Wollen zu g schwätzen, daß - es ihr aber an der Fähigkeit und Ausdauer fehle, in stiller, zielbewußter Tat ihre Worte zur Lebenswirklichkeit zu gestalten. Anders das Urteil derer, die sich unter den seelischen Erschütterungen dieser katastrophalen Epoche das heilige Feuer reiner Menschlichkeit bewahrt, mit anderen Worten, sich selbst jung und innerlich frei erhalten haben. Sie fühlen aus dem vielseitigen Komplex der Jugendbewegung vor ailem die urgewaitige Sehnsucht nach Menschentum heraus, den starken“ Willen, der Unmenschlichkeit unseres Kulturbetriebes die Idee des wahrhaftigen und gütigen Menschen entgegenzusetzen; sie nehmen lebendigen Anteil an dem heißen Mühen der Jugend, zu den /' großen Fragen des mfcnschlifchen Daseins, zu den Prcblemen von Religion und S ttlichkeit, zu Familie und Staat, zu Schule und Berufsleben, zu Kunst und Wissenschaft, nichl zuletzt zur Natur selbst aus der Eigenart ihrer Einstellung heraus ein innerlich wahrhaftiges Verhältnis zu finden, i nd stellen fest, daß die Juger dbewegung, welches auch immer ihr Schicksal in der Zukunft se n mag, in jedem Falle: »nicht vergeblich geweser sein wird, indem sie einen neuen Lebenss il geschaffen, auf fast allen Gebieten des gesellschaftlichen und geistigen Lebens anregend jewirkt und namentlich die Erziehung in jeder Hinsicht vor neue Aufgaben und neue Möglich :eiten gestellt« hat.1) Auch in diesem Lager der liebevollen Kritiker sieht man gewiß die gröl en Mängel und Uebel, die der jungen Bewegung anhaften und sie in ihrer E ntwicklung ernstlich gefährden. Man erkennt, wie ungeheuer schwierig der Einklang von Ideal und Wirklichkeit zu gestalten ist, daß große Bewegungen schließlich an def Wirklichkeit zerschellen müssen, wenn sie, im luftleeren Raum der Gedanke lwelf gezeugt, nicht mit den harten Tatsächli :hkeiten des Lebens zu rechnen lernen. Allzu benehtigt isLdeshalb jdie häufige wie sie 2 um Beispiel Foerster2) erheb Mahnung, : »Richtet der. Augen, des Herzens, dds Denkens die Kraft auf die Lfebenswirklichkeit in euch und um euch, dann wird ehdlich Lebensblut in eure Tinte kommen, und ihr werdet anfangen, die Sache selbst zu sehen und darzustellen, statt nur mit den Schri tzeichen zu spielen!« Aber nichts wäre verfehlter als über eine Jugend, die sich zunächst e nmal an den konkreten Dingen der Welt die Köpfe einrennen und dadurch erst lernen mag, die Wirklichkeit richtig einzuschätzen, den Stat zu brechen und die hohen idealen Kräfte zu verkennen, die sich langsam doch ihren Weg bahnen. Gerade die strenge Selbstkritik, die die Jugend selbst immer wieder an sich übtk und mit .Schonung slos der sie, bisweilen allzu ungeduldig, die Unzulänglichkeiten erfolge fi :stste!lt, beweist am besten, Bewegun g in ihrem Kern durch und suhd is und .sich über alle sogenannten Vergl.tr Ör. Hans Schlemmeif: Der deutschen J igendbewegune“. 1923. $. 210. A. d- O. Seite 213. und Mißdaß die* furch ge- Oeist der 150