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Der Orden Bne Briss · 1924-10-01 · Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924) · p. Seite 137

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 137 (sequence 3)
Language
German
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\ Der deutsche Jude und seine Umwelt. Bergehoch hat Wort. Menschen treffen handelt. Wider ijnsern Mittelpunkt eines Von Br. Dr. E r n s t H <e r z f e I d , Olockauf-Uoge, dssen. sich d e Literatur über Deutschtum und Judenturh getürmt. Vom Wahrheitssucher bis zum Verleumder, vom gründlichen völligen Ignoranten behandeln Berufene und Unberufenste dies Problem. Und mit dem geschriebenen wetteifert das gesprochene Ueberall, vo.sich nach Plan und Zufall wird j die judenfrage abgef- Willen sind wir in den erbitterten Kampfes gezehrt. Man beschimpft [ins und unsere Gemeinschaft. Und auf allen Gas sen wird es ausgeschrieen, daß an Unglück, Not tnd Entehrung des deutschen Volkes nur die Juden schuld seien.' Es ist nicht das erste Mal, daß nach einer Niederlage, in einer schwierigen Situation, die Juden für verantwortlich erklärt werden. Oft schon wurde die Erbitterung so abgeleitet. , Schmerz und Grimm, Empörung und Ekel erfüllen uns. Mit verachtendem Schweigen möchte man sich von dieser Sjringtlut einer geistigen Seuche abwenden. Ader das ist unmöglich, denn sittliche Pflicht gebietet, den Kampf aufzunehmen. Wir nüssen die erregten Gefühle meistern, die Lage klar erfassen und zu ergründen «fluchen, wo und wie wir einzusetzen haben. * Auf der politischen Bühne hat sich die Szene gewaltig geändert. Im kaiserlichen Deutschland bestand eine starke Staatsgewalt; sie wußte sich in der Verwaltung durchzusetzen, bestimmte die Außenpolitik allein und wirkte auf die Gesetzgebung in entscheidencer Weise ein. Die geschichtlich verwurzelter Parteien übten in erster Linie Kritik. Und nur die Stäatsleitung ziir A gesetzgeberischer Pläne vereinzelt vermochten sie ufgabe oder Abänderung zu -veranlassen. Nach dem Kriege ist die bisherige Staatsgewalt zerbrochen.- Die Parteien $ind — vielfach mit neubemalt^n Firmenschildern — erhalten geblieben.. Aber für jedes schärfere. Auge ist ihr labiler Zustand sichtbar, wenn auch die künftigen Konturen nochj nicht erkennbar sind. ' Und in dieser Welt ohne feste Pole wird theoretisch alles, praktisch vieles durch Wahlen bestimmt. Diese ungeheuer gesteigerte Bedeutung der öffentlichen Meinung, die Tragweite jedfs Stimmzettels haben; unsere Gegner klar erkannt-. Und sie nutzen diese Einsicht im vollsten: Umfange aus. Sie haben zwar auch die gewaltsame, Eroberung der Macht versucht und werden wahrscheinlich diese Versuche wiederholen. Zugleich aber ringen sie mit ungeheurer Anstrengung um den verfassungsmäßigen* Sieg. Diese iqnerpolitische Auseinandersetzung wird noch lange und schwer auf Deutschland, besonders aber auf uns» lasten. Die Geschichte der ^ersten 25 Jahre der dritten' französischen Republik dürfte wertvolle Afifschlüsse geben.^ Man vergegenwärtige sich, Wie viel schwerer die Kriegsfolgen für das deutsche Vaterland waren’ als 1871. für Frankreich, und daß nach einer langen organischen Entwicklung die Staatsfotm .und die Verteilung der Macht bei uns zum ersten Male grundlegend geändert wurden. ' Daß die durch die Umwälzurig politisch Enterbten, die wirtschaftlich Geschädigten, die sozial Erniedrigten., zum erheblichen Teile dem neuem Staate feindlich gegenüberstehen und ihn lebenslänglich bekämpfen werden, ist psychologisch wohl zu verstehen. Leicht ist auch einzusehen, warum in der Jugend diejenigen zahlreiche Gefolgschaft“ finden, die för die zwangsläufigen Folgen des 137

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