Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 85 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Spriir Plötzlich stand ei^i Rom£t da. »Die drei mächtiger Block, ein Sache, ein ganz unerw Gebilde, ein nichtei man nicht vorbeigefi »Wadzeks Kampf »Wallenstein«. mit Alfred Döblin. Von Ernst Blass. Ilge Berg, artetesl rforschfe en der n von Alfred Döblin ies Wang-lun«, eih eine unleugbare Tatstarkes, fremdartiges s Gebiet, an dem konnte. Dann kam Dampfturbine«, dann ist Im »Wallenstein der »Held«, das GeWissen Jfbermacht des Schicksals, zerschlagen, verwirrt von der Politik verdorben dulden muß, was ihpicon Seele stückweis geop Am Schlüsse des Romans hat ausgekämpft, sei schollen lebt er mit Gesellschaft eines MenschengeschöpfesL iosigkeit, Unpersönli:hkeit, mit beendet der Kaiser se| seine vergeblichen zu tun. ier Kaiser Ferdinand im Kämpf mit der von ihm gebrochen, lat, wie sein Charakter wird, wie er vieles re coeur ist, wip seine ’ert wi|rd; er sucht Auswege. geht es ihm gut, er ne Äniter niedergelegt; verder Natur, im Walde, in ursprünglichen, tierischen Eimi Flucht in die Namen- Grenzenlosigkeit: dane Gewissenskämpfe, Bemühungen, das Rechte Döblins Welt ist ein< Welt der Kräfte, der blinden Gewalten, cer Natur, der mensdjüchen J riebhaftigkeit, der M is?en,i ies bunten Gewimmels, ^rer Leistungen, der Zufälle, der Gemütsbewegungen, der verwickelten ~äl!e, der vom Stürzen des Lebens fortgeris senen Menschen, des an die Wand gedrückten Gewissens, i Bewegung und Fruchtbarkeit, Samen Kraft — das ist sein Element, seine Forderung. Ein Wunsch nach Ausdehnung, nach Vermehrung, nach Vervielfältigung des Ich steckt in Döblins Romandichtungen. Es ist nicht Selbstfluch;, Bindung an Objekte darin, sondern ein anderer Hang: die Fähigkeiten des Selbst auszuproben, sich zu erweitern, sich vielen Orten, in vie •> aus schweifen zu lassen; n alles zu stürzen, an en Zeiten, Personen, Sachen zu existieren, das fremde Blut zu trinken, den fernen Glanz auf der Netzhaut zu trägen, unbe» ruhigt, ein wilder Jäger, ein Gejagter,,, durch die Zeit zu stürzen, im rasenden Tempo sich mit den Naturkräfteii in gleichem Rhythmus, m ge* sunjlem Gleichschritt zu fühlen, heiß, kochefid, überschäumend, glücklich. Das ist es, was hier jagt, zaubert, keine Ruhe gibt, tropfenweise den Wasserfall des Lebens zu sehen trachte!, mit verwandter, gleicher. Kraft ihn zu beschwören, ihn zu überbieten sucht,* dem bunten Stürzen gleichzukommen unternimmt,' und in den weiten, seltsamen, farbigen Tropfsteinhöhlen der Romane sich als verwandten Meister der Zauberei sieht, den Herrn der Stalaktiten;, die noch das Fließen der Wasser aufbewahrt haben und in sonderbarster Ha!bgestalt die haltlosen Augenblicke teils zu halten, teils ihre Haltlosigkeit zu künden scheinen. So mag es in Döblins zauberhaften Tropfsteinhöhlen zugehen, so mag es zwischen Fließendem und Steinernem ' aussehen; ja, vielleicht ist Döblin hier dem eigentlichen Wesen deä Romans sehr nahegekommen; vielleicht ist das uns oben skizzierte Ethos Döblins, elektrische Kraft, Maschine, Triebrad zu werden, sich anonym zu machen, um.polyonym werden zu können, ein Ethos ad hoc, wie'geschaffen, einen bedeutenden Romandichter zu bewegen, auszusenden; ein Ethos für Künstler schlechthin, als die verwandten Gegenschöpfer der Natur, als die mit homQgenfcn Mitteln ausgerüsteten Beschwörer und Verkünder des Heterogenen, nämlich der Seelenwelt, deren Eroberung vielleicht auch nur durch Fäuste und Triebräder möglich ist. , •r Aus »Juden der Deutschen Literatur»" Essays über zeitgenössische Schriftsteller, herausgegeben von Gustav Krojanker 1922 Weltverlag.— Auszugsweise wiedergegeben. — as i