Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923)
- Date
- 1923-10-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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zur Tat werden -zu lassen, ohne ein seelisches Martyrium) zu. erleiden, das.nur derjenige einigermaßen' ahnen kann, der diesen Gewalten zum Trotz sich und sein Künstlertum zu erhalten sucht. — In jahrelanger aktiver Tätigkeit für die ideelieh und wirtschaftlichen Interessen der Künstlierschaft habe ich fortdauernd Gelegenheit, zu erfahren, was allein auf dem Wege von Verordnungen und Gesefzesfabrikaten gesündigt und an kultureller Selbstzerfleischung verübtj wird. Diese! offizielle Aechtung und Entrechtung der Künstlierschaft im Bunde mit der falschen Wertung aes Künstlers seitens seiner Mitbürger sind die Haiuptursachen für die ungeheuerliche seelische und materielle Not dieser sogenannten freien Berufe , deren Freiheit eine recht fragwürdig; ist. — Ats diesen Gründen und Gesichtspunkten heraus halte ich es für meine Pflicht, gerade.in dieser c er Kunst gewidmeten Festnummer unseres Großlo jenorgans einmal darzufegen, was künstlerisches Schaffen in heutiger Zeit bedeutet oder bedeuten sollte, wie es gewürdigt bezw. entwürdigt wird_ und in welcher Weise wirklich und nachhaltig geholfen werden könnte.— Der Orden Bne Briss hat es sich zu einer seiner schönsten Aufgaben gestellt, auch die Kunst zu unterstützen, und hat aus der Zeiten Not heraus einen Kulturfonds geschaffen, um den guten Willen zur Hilfe in die Tat umsetzen zu können. Es ist ein tröstliches Bewußtsein, daß sich in unserer’ Logengemeinschaft Kreise von sozial i ■ ■ -j. empfindenden Menschen zusammenjschließfln, welche "über alle' Hindernisse hinweg Pionierarbeit leisten wollen am Wiederauf bau Tder dur:h Krieg und Nachkriegswehen zerrütteten Kulturweit. Soll aber diese Hilfeleistung ihehr sein als ein unzulängliches Almosen, geschaffen dur :h Umlagen etc., dann gilt es, darüber hinaus den inneren Fonds an kulturellem Empfinden im Bunde mit echte»- Näahstenliebe fortdauernd zu pflegen zum Segfn der Kulturentwicklung und zur Höheren ' Efjre , des Judentums! Machen wir uns zunächst |einmal klar, was ein Künstler ist und was seih Schaffen bedeutet’ in einem Lande, welches kuf Grund seiner kulturellen Vergangenheit berechtigten Anspruch"darauf erheben d^rf,! ein Kultijrstaat zu heissen. Ein Künstler ist eine Persönlichk eit, austestattet njit sensiblen Sinnen und mit Schöpfer kraft begabt; ihm werden die Natur, sein innere! Empfinden, Geschehnisse der Umwelt, \jergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zu einem Erleben, das er je nach, der ihm verliehenen Betätigungsgabe zu gestalten sucht und z\fvar . gesehen [durch das Prisma seiner eigensten, sJb jektiven Auffassung. —< I^eue Welfen erstehen fü die kun^tfreudige Mitwelt, jeder Künstler eine Welt füll sich, in der noch spätere Generationeiii beglückt wie in Paradiesen wandeln, ein Erwecken neuen, Unvergänglichen Lebens auch dort,;wo er in Abjgründe hinabsteijgt, Tod und Zerstörung des Lebens schildernd. MDenn Kunst ist Lebepsbejahung, ist Sinnlichkeit in höchsterji Sinnej ist »n*r Auf dem Felde 112