Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Festneummer zum Ordenstage - Oktober 1923 (10.1923)
- Date
- 1923-10-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ein — wenn auch n Verstehen herrschen, irrigen Begriffen, -- Zertrümmerung der, Die Grundlage d I Von Br. Benno Elkan - Frankf| Es würde zwischen dem Schaffen der Künstler und der Aufnahme ihrer Werke leichter lach Graden abgestuftes wenn nicht eine Welt voA überkommen seit der etzten einheitlichen Kultur und'in ihrer Handlichkeit, den neu aufgestiegenen Gesellschaftsbildungen besonders bequem gelegen, — eine Verständnisentwicklung hindern würde. Ein ins Tiefste gehendes Mißverkennen der Grundentsiehung und Lebensbedingung künstlerischer Schöpfung durchzieht alle Schichten der Nichtkünstler bis in sonst ernsthaft gebildete Kreise. Nicht an Wille oder Anlage fehlt es ihnen, nur an einem entschiedenen Erkennen dessen, was das natürliche Wachstum ihres kunsltsehnenden Gefühles hemmt, das froh und in gesundester Richtung sich entfalten würde, wen|n ihm der säftereiche Boden zurückgegeben, wäre, auf dem die Schöpfung und das nachSchöpferische Verstehen allein sich entwickeln können, eben zuerst die klare Einsicht in die Grundlagen aller künstlerischen Kultur| und dann der Wunsch, einzig in ihr das Gefühl zum Empfang der Schönheit gesunden zu lassen. Da aberdem Berufensten, dem schaffende Künstler, entweder die Fähigkeit des geschrie benen oder gesprochenen theoretischen Worte; häufig versagt ist, oder sein empfindsames odei radikales Wesen diel mühevolle, aufklärende Tä tigkeit beim ersten I Widerstand wieder aufgib (wenn er es überhaupt nicht verschmäht, in diese! Form auf den Laien 4u wirken), so bleibt die Kluf offen: auf der einen:Seite der Künstler, der nacl innerlichem Verstandenwerden, auf der anderei der Genießende, der nach intimer Lebensbereiche rung die Arme in stjummer Sehnsucht ausstreckt Es ist eine vielfache Erfahrung, daß der Laid im großen ganzen der bildenden Kunst wegen ihrer scheinbaren Natutähnlichkeit mit einer gewisser[ Selbstverständlichkeit der Beziehung gegenübe tritt, die er bei anderen Künsten nicht hat.ohnenatürllieh zu ahnen, daß er auf einem fundamentalen Irrj tum fußt, den er bei dien anderen Künsten vermeide] Wenn man zum Beispiel einen unmusika lischen Menschen trifft und. ihn nach irgend is Kunstgenusses. irt a. M. (Hermann Cohen-Loge). /- einem Eindruck fragt, so wird er sofort antworten: »Davon verstehe ich nichts, ich bin durchaus unmusikalisch«. Nie aber hört man dieses Bekenntnis vor einem Gemälde, oder einer Statue, denn man hält sie für ein Menschenwerk, deren Teile so sehr aus der umgebenden greifbaren Welt stammen, daß einVeFgieich und somit ein Urteil jedem gestattet sei. Im Gegensatz zu dieser realen Abstammung hält man dagegen zum Beispiel die Musik für ein'Werk .der unmeßbaren und unvergleichbaren-inneren Gefühlswelt, bei welchem dem nicht eigens hierzu Bet gabten ein Mitleben versagt sei. Nichts aber ist irrtümlicher als diese Unterscheidung. Gewiß hat das Mittel, durch das die bildende Kunst sich ausspricht, eine starke und unleugbare Beziehung zur sichtbaren Welt, ihr eigentlicher Inhalt jedoch, ihre Entstehung und ihre Wirkung ist geradeso ausschließliche .Sache des Gefühls wie bei der1 Musik. Nur wird für’den Unbegabten oder Ungeübten diese innere Se«e durch die notgedrungen reale Erscheinungsform verdeckt, die daher auch in weitestem Kreise für die Hauptsache gehalten wird. Wer aber andererseits die Verkündigung der innewohnenden Förmseele versteht, wer das Organ Jdafür hat, diese zarte Weltruf sich wirken 2,ü lassen, wird dieerlesensten Freuden empfinden und eine stets wechselnde Harmonie erleben, die ihn vor vielen Menschen mit stillem Glücke äuszeichnet.' Um deutlicher zu werden: Dem Laien erscheint?u allererst das rein äußerliche Bild afs das Wesentliche: eine geschichtliche Handlung, ,ein stolzer Ritter, eine lichte Frauengestalt,-etwa als Nymphe, ein bogenschießender. Jüngling, ein Kind mit einem Fisch oder das Porträt eines ihm Bekannten. Die mehr öder.wniger große Sachlichkeit, die größte Vollkommenheit der Darstellung und die Verständlichmachung des Vorganges durch Gesten oder symbolische Dinge rufen sein Entzücken hervor. Die äußerste Naturtreu e scheint ihm die höchste Kunstleistung. Oder er geht einen Schritt weiter und fühlt sich bereichert und belebt, wenn er in einer gebeugten Frau mit verschlungenen Händen den Schmerz, in einem starken Männe mit gebundenen Armen den Sklaven oder in höherem -101 -