Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 9/10 - September (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 93 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus dem Distrikt XI. Die Loge »Serbien« Nr. 676 in Belgrad sendet uns in freundlicher Erinnerung eines Besuches ihres Mitgliedes Br. Fleischer im Deutschen Distrikt leinen Bericht über ihre Tätigkeit, den wir gern zum Abdruck bringen: Die Loge »Serbien« wurde auf schriftlichen Wunsch von 20 Bürgern durch den Delegierten, der Deutschen Oroßlojge Berlin und der Exekutive Chikago, weil. Br. Sigmund Bergt, im Januar 1911 gegründet.. Die feierliche Installierung und die ersten Bemühungen der Begründer standen im Zeichen des aufrichtigen Strel>ens, innerhalb der Judenschaft .'Belgrads, wo parteipolitische Differenzen den Frieden bedrohten, zwischen den zwei Kultusgemeinden, der sephardischen und askenasischen, dauernde freundschaftliche Beziehungen anzubahnen. Die L oge hat denn auch durch die glückliche Zusammensetzung ihrer ersten Beamtenschaft und durch den ehrlichen Wunsch aller Mitglieder erzielt, daß die gegenseitige Befehdung eingestellt und der Weg zum Frieden eingeschlagen wurde. Schon dieser wichtige Erfolg befestigte das'Ansehen der Loge in allen jüdischen Kreisen und erweckte bei vielen ehrlichen Mitarbeiten für1 das allgemeine Wohl den lebhaften Wunsch, in diesen Kreis ai^genommen zu werden. ' Von den vielseitigen Bestrebungen der Loge, auch dauernde Werte für die jüdische Bevölkerung zu schaffen, sind bis jetzt einige zurTatsache geworden und gereichen uns durch ihrOelingen zur Ehre. In der Loge is der Oedanke entstanden und bis in alle Einzelheiten durchberaten und ausgeführt worden, daß zur besseren Erziehung und Ausbildung von ju igtn Mädchen eine Mädchengewerbeschule zu ei richten wäre. Diese Gewerbeschule entfaltet sqit dem Jahre 1920 eine rege und fortschreitende Tätigkeit und unsere Frauen,, vornehmlich aus dem jüdischen Frauenverein, überwachen an der Seite von Fachlehrerinnen die körperliche, berufliche und geistige Erziehung von annähernd 50 Schülerinnen dieser Schule/ Eine weitere Initiative unserer Loge schuf, im Jahre 1921 den Jugendverein für Gymnastik, wo nahezu 100 Zöglinge beiderlei Geschlechts sichtbare Fortschritte in » ihrer körperlichen und moralischen Erziehung, unter Aufsicht von Logenbrüdern, erzielen. . Gegenwärtig wird die Eröffnung eines Volks-), hauses unter Mitwirkung der studierenden Jugend geplant. | Im kommenden Herbst soll mit der Veranstaltung allgemein zugänglicher Vorträge begonnen werden. An der Ausführung dieser. Sache \yird gegenwärtig in der Loge gearbeitet. Die Mitgliederzah! beträgt derzeit 60. Die rigorose Vorsicht bei Neuaufnahmen eröffnet nur ernsten Kandidaten den Zugang zur Loge und strebt weniger nach quantitativer - als nach qualitativer Ausbreitung. Ebenso besteht der Wunsch, durch Anwerbung von verdienstvollen Glaubensbrüdern in den größeren Städten 'des Königreiches, wie Zagreb, Zarajevo,, Subotica, Novisad, Vorbedingungen zu Neugründungen von Logen zu schaffen. * Die Sitzungen unserer Loge finden regelmäßig jeden zweiten Mittwoch, abends von 81/, Uhr ab, statt. Die Tagesordnung wird in der Regel mit einem wissenschaftlichen Vortrag eines hierzu befähigten Bruders bereichert. Die Beteiligung der Brüder stellt sich'auf etwas über 50 pCt. der Gesamtzahl; die Brüder verbleiben an den Sitzungsabenden bis gegen Mitternacht in regem, freundschaftlichem Verkehr beisammen. i ■ I Dr. S. J. Alcalay, j , z. Zt. Präsident der Loge. * - ■ ' l ~ i.. ' * I Bücherschau. Theodor Herzls Tagebücher. 3. Band. Jüdischer Verlag. Berlin 1923. Mit dem vorliegenden dritten Band, dessen Vorgänger wir ebenfalls an dieser Stelle angezeigt haben, geht das große Werk der Hertischen Tagebücher zu Ende. Der Leser nimmt von ihnen nur ungern Abschied. Waren es doch erlebnisreiche 5 hindert, die er mit ihnen verleben durfte, in denen er Atge um Auge einer großen'jüdischen Führerpersönlichkeit g bgenüberstand. — D?r dritte Band bringt zunächst die Verhandlungen mit der türkischen Regierung um den Charter in Palästina. Mit zäher Verbissenheit hatte Herzl gearbeitet,, bis es ihm gelang, vom Sultan empfangen zu werden. Als geborener Diplomat bearbeitete er dies schwierige Oebiet mit äußerster Delikatesse j daß er nicht zu seinem Ziel gelangte, lag nicht an ihm, sondern an den Zuständen der hohen Pforte, wo Schließlich der den Sieg davontrug, der die größten Mengen ftestecliungsgeliler ausgeben konnte. Es folgen -dann die 93 - i