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Der Orden Bne Briss · 1923-09-01 · September (9.1923) · p. Seite 7

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
Beilage 1923 (1923)
Issue
September (9.1923)
Date
1923-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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pflügen und säen und sie sprachen : »Ach, diese Menschen vernachlässigen die Dinge des ewigen Lebens und, beschäftigen sich mit dem zeitlichen Leben!« Und wohin Bar Jochai und sein Sohn ihre Blicke richteten, dort verbrannte alles. Da ließ sich eine Himmelsstimme hören: »Seid Ihr deshalb aus der Höhle gekommen, um meine Welt zu Grunde zu richten? Kehrt wieder zurück in Eure Höhle!«| Sie gingen wieder zurück | und blieben noch 12 Monate dort. Nach Ablauf dieset Zeit ruft eine Himmelsstimme sie wieder _ hervor, und nun erst haben sie die dem wahren Frommen und Begnadeten zukommende Stufe erreicht Sie verneinen das Diesseits nicht mehr, sie vermögen in ihm eine höhere Ebene zu leben. Ueberall, wo der Sohn verwundete, heilte der Vater und sprach: »Mein Sohn, ich und du sind der Welt genug.« Süe waren sehr verschmachtet. Als Simons Schwiegervater, Rabbi Pinchas ben jair, davon hörte, ging er ihm entgegen, führte , ihn in ein Bad, in welchem er seine Haut reinigte. Da er die vielen Oeschwüre an Simons Körper sah, weinte er so sehr, daß Tränen aus seinen Augen herabflossen. »Wehe mir,« sprach er, »daß ich dich so sehe!« Und Simon Bar Jochai erwiderte: »Heil dif, daß du mich so siehst; denn wenn du midh nicht so sähest, würdest du auch meine Seele nicht so antreffen. Da uns nun ein Wunder geschehen ist, will ich eine gute Einrichtung treffen.«1 Diese von Max Brod in »Heidentum, Judentum und Christentum«, angeführte Legende des Rabbi Simon bar Jochai, der 12 Jahre mit 'seinem Sohne in einer Höhle verbringen muß und zur Weltverachtung gelangt aber gerade um ihretwillen nach der jüdischen ‘ Legende von Gott noch ein weiteres Jahr in die Höhle zurückgestoßen wird, bis den Welthasser die Weltliebe begnadet, (»uns ist ein Wunder geschehen,« ruft der dem Dasein Zurückgegebene aus, »darum vHII ich eine gute Einrichtung t treffen«): diese aus Christlicher zu jüdischer Heiligkeit aufsteigende Legende offenbart den letzten Sinn unseres Judentums. Hier ist das letzte gesagt: »uns ist ein Wunder geschehen.« Man erwartet, wie Max Brod so treffend ausführt, eine andere Fortsetzung und er fragt mit Recht, klingt’s nicht paradbx in den Ohren der heutigen Welt, wenn Simon' bar Jochai fortfährt: »daher will ich eine gute Einrichtung treffen!« Oh nein! Der große Tannoh lehrt: Nützliche, auf Menschliches bezogene Arbeit ist der Nachbarschaft eines Wunders nicht unwert. Nach aller erlebter Tragik Sagen wir »Ja« zum Irdischen. Das »Diesseitswunder« überwindet die Zwiespältigkeit des. Menschseins und , unter dem unmittelbaren Anhauch Qottes entstehen wahre Taten der Menschlichkeit. Nach 12 Jahren bat Simon bar Jochai die Stufe des christlichen Heiligen erlangt, nach ejnem weiteren entscheidenden Jahr die des jüdischen. Diese Idee des verlorenen und Wiedergefundenen Diesseits steht im Mittelpunkt des Judentums und hierher gehört der tiefe Satz aus den Sprüchen der Väter: »Besser eine Stunde der Umkehr und guter Taten in diesem Leben, als alle' Seligkeit des zukünftigen Lebens.« Hier ist der geheimnisvolle Talisman, der 'das Judentum durch die Jahrtausende geführt hat, ‘ und Max Blrod ist es auch, der darauf .hinweist, daß der Begriff dieses »Diesseitswunders« nirgends so klar erlebt und formuliert sei, wie irrSören Kierkegaards Schrift »Furcht und Zittern«' . Kierkegaards Schrift betrifft den Glauben Abrahams und die auch im jüdischen Schrifttum besonders heilig gehaltene Opferung Isaaks auf Moriah. »Abraham glaubte gerade für dieses Leben, erlaubte, daß er lange leben sollte im Lande, geehrt im Volke, gesegnet in seinem Geschlecht,' unvergeßlich in seinem Sohne, den er als sein teuerstes Kleinod umfaßte.« »Mir ist ein Wunder geschehen, daher will ich eine gute Einrichtung treffen.« Dies ist genau die Situation Abrahams, dem nach langer Versuchung das Opfermesser entfällt und der nun nicht wahnsinnig wird, nicht mit Gott rechtet, sondern ungebrochenen Gemüts den Sohn umarmt und mit ihm ins Leben zurückzuschreiten vermag. Das Finale auf Moriah warj nicht Tod, sondern Lebensbejahung und Verheißung. Aus jenem göttlichen Gebote 'än Abraham ist noch heute quellendes, reiches geschichtliches Leben voll edler sittlicher Entfaltung, geboren aus dem Diesseitigkeitsglauben Abrahams, der um dessentwillen, als. Gott ihm das Opfer erließ, Isaaks wieder froh werden konnte, wie ihn Kierkegaard verherrlicht hat, hervorgesprosseh, und unter diesem Opfergedanken, der »Bejahung« bedeutet, will die jüngste Loge unseres Bne Brjss- Ordens, die Moriahloge in Köln, stehen. Und wo darf man mehr als am Altar einer neuen Loge ■ vom »Diesseitswunder« reden? Die »Bejahung« 7

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