Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 7/8 - Juli/August (7.1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- Seite 74 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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tag, jm Landtag und. in den Kommunalverwaltungen sehr schnell eingebürgert hat. Von dinem Erfolg oder Nichterfolg dieser Mitarbeit kann nach so kurzer Zeit nicht gesprochen ^verden, umsoweniger als die Frauen einen sehr geringen Prozentsatz der jeweiligen Gremien atismachen; über die Arbeit in den Kommissionen,'wo Frauen schon Wertvolles geleistet fcaben, dringt nichts in die Oeffentlichkeit. — Diese Zeilen sollen also weniger dazu dienen, ein Bild von der "Wirkung und dem Erfolg der Frauenarbeit zu geben, als vielmehr erneut auf ihre Unentbehrlichkeit hinzu weisen. Ein solcher pfinweis sollte eigentlich nicht mehr vonnöten sein! Allein es zeigt sich immer wieder, daß Selbst bei Frauen d$s nötige Verständnis für iie Notwendigkeit der weiblichen Mitarbeit in Jen Verwaltungen fehlt. Manche besitzen wohl lie erforderliche Einsicht, glauben aber, daß. inan 2u solcher Tätigkeit einer besonderen Vorbildung bedürfe.. Das ist eine irrige Auffassung. Es braucht ja nur darauf hingewiesen zu werden, daß auch nicht alle Männer einesolche besitzen. Jede Verwaltung ist nur. ein großer Haushalt, und einen Haushalt zu führen ist doch das Spezialgebiet der Frau. Es handelt sich selten farum, große Entscheidungen zu treffen. Es geht meistens um Einrichtung und Instandlalturig einzelner Gemeindeinstitutionen' und die dazu erforderlichen Maßnahmen. Und dazu gehört nichts als gesunder Menschenverstand. In den Bereich der jüdischen 'Geipeinde- Jerwaltung fällt außerdem die Wphlfahrtspflege, in Gebiet, auf dem die Frau unentbehrlich isti . Die Gemeinde hat ferner Schulfragen zu erledigen. F ierbei handelt es sich selten um unterrichtliche Angelegenheiten, sondern es hängt damit der g mze Komplex jugendpflegerischer Aufgaben z isammen. Gerade hier wird der Rat und die Meinung der Frau wertvoll seirj.; Kennt doch cie Mutter die körperliche und! geistige Tragfähigkeit der Kinder am boten; daher ist sie (bei Fragen wie Ueb^rbtrdung, Schulanfang Stundeneinteilung, Schulspeisung usw. von.nicht . zu bezweifelnder Kompetenz. — Aehnlich liegen die Dinge bei Behandlung von Fragen, die sich auf Kranken- und Fürsorgeanstalten beziehen. bereitung, fallen Es hat sich gezeigt, daß die langem für ihre Hier gibt es eine Menge von Problemen,j besonders hauswirtschaftlicher Natur, zu behandeln, für die die Frau zuständig) jst. — Aber auch rein geschäftliche Seiten, wie Angelegenheiten desSchädhtens, des Fleischverkaufes, der Mazzenmit in ihren Interessenbereich, in der kurzen Zeit dejr Plraxis Gründe, die die Fraüen seif Zulassung angeführt! haben, richtig sind< M:ines ^Wissens sind ijlachteile nirgends in Erscicinung getreten. I Natürlich is| von großer Wichtigkeit, daß bei den Wahlen die Frauen Persönlichkeiten aufsiellen, die sich für öffentliche Arbeiten eignem. und kurz und kl tr auszudrücken verstehen, was sie meinen, auclj vor einer größeren vfersammlung. Die meisten Frauen wissen i^i ihrem Haushalt sehr gul inzuordnen, was zu geschehen hat, und das Wi^ genau zu präzisieren. lAndererseits ist es Tatsache,, daß nur selten ffrauen in Versammlungen j sich dazu, verstehen j können, ihre Meinung zu äußern. Einer stark lausgebildeten Beredsamkeit im eigenen Hause j steht oft völliges Verlagert lim fremden Raume gegenüber. Hier muß Abhiljfcj geschaffen werden; Es ist nicht Sache jeden* i Frau, direkt Kurse in Rhetorik zu nehmen, aber unsere Schwestern sollten doch eine Gelegenheit suchen, sich diese Vorbildung anzueignen: did geeignetste Stelle für diesen Zweck sind die Schwestemlogen. Hier muß gegenseitige Aussprache gepflogen weiden über alle Dinge, die j uns Frauen am Herzen liegen. E$ ist erstaunlicn, wie schnell man seine Befangenheit ablegen und ohne Scheu sprechen lefnen kann. Es ist deshalb allen Sahwesternlogen sehr zu empfehlen, Diskussionsm chmittage einzurichten, wie sie sich in Frankfurt a. M. seit .Jahren bewährt jhjaben. ’j Wermsichj i^n Laufe der Zeit ein! Stab von tüchtigen Viprtijeterinneu unserer Sache herangebildet haben | wird, danfn werden wohl nach und nach alle jjj^ischen Gemeinden dem Beispiel der wenigen fo gen und den alten Millstand abschaffen, daß tiijier das. Wohl und Wehe einer Gemeinde, die adch zum gleichen Teil aus männlichen und weiblfchen Wesen besteht, Ider männliche Teil allein iu entscheiden hat. — 74 — i