Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- Seite 52 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Theodor Herzl: Ta geht eh er, Band 2. jüdischer Verlag, Berlin. Grundzahl M. Wir haben an dieser Steile buchet besprochen und wollen' Worte widmen. Auch dieser Bficberschau. ■5.! den ersten Band der Tiigfenun dem zweiten einige ist wie der andere ein großes inneres Erlebnis. Mansieht, wie dieser Mann, erfüllt von der Liebe zn seiner Idee, mit den Widerständen ringt, an denen er sich zerreibt; das erschütterndste abier ist, Wie er, der mit den Großen der Erde wie mit Gleichberechtigten verkehrte, der es verstand, sie in seinen Bann zu zwingen, mit seinen Brotherren von der Neuen Freien Presse* sich in einem -beständigen Kampf befindet — Sie schwiegen nicht nur den Zionismus tot,,sie erschwerten ihm' auch sonst das Leben, aber er konnte nicht von ihnen los; lebte er javon seiner Stellung als Feuilletonredakteur, -denn alles, was er sonst besaß; hatte er in die Bewegung hineingeworfen. — Und vor diesem unbedingten Idealismus Stellt man erschüttert! Was muß es für diesen Mann bedeutet haben, daß der Ruf die jüdischeti Massen nicht so ergriff wie ihn selbst! — In der Gegenwart, werden den Leser ganz besonders auch die Urteile interessieren, die er sich über die Staatsmänner, mit denen er in Berührung kam, notierte. Wir wissen nunmehr aus diesem Bande, daß Wilhelm II. sich tebh'aff -für den Zionismus interessierte, in der ihm eigenen sprunghaften Weise;. sich. schnell für einen neuen Ge-, danken zu begeifern. Herzl .bemerkt, daß der damalige Staatssekretär des Auswärtigen, der spätere Reichskanzler von Bülow, dem Gedanken Sehr skeptisch gegenüberstand; er glaubte' nicht, d>ß die deutschen -besitzenden Juden dem Panier Herzls folgen würden. So rollen kaleidoskopartig die Bilder vieler Menschen, die heut zumeist einer nun endgültig vergangenen Geschichtsepoche angehören, an unserem Auge "vorbei. Aber politische Memoiren haben wir jagenug, und deshalb brauchte der Leser, der nicht gerade .Historiker ist, Herzls Tagebücher nicht zur Hand zui nehmen. —. Es ist .der Mensch, der jüdische Mensch Herzl, der zu uns spricht und den jeder lieben muß, auch der,- der seine Ideen ablehnt. — Erfüllt vom Oeiste der Propheten, getragen von dem Glauben an die Zukunft Seines von ihm über alle Maßen geliebten Volkes schrieb er diese Tagebuchblätter oft ermattet von den ungeheuren Anstrergungen, die er sich im Dienst der Sache, der er sich hingab, zugemutet hatte, aber gelragen von dem Be- * wußtsein, daß er das, was er erlebte, festhalten müsse für die Zukunft. Nun erwarteit wir voll andächtiger Spannung den dritten Band. Breslau. Dr. Willy Cohn. Rabbiner Dr. S. Kaatz, Hindenburg O.-S.: »Die mündliche Lehre und ihr Dogma«. 2. Heft: -Die Halacha*. Berlin, Poppelauer. 1923. VII u. 59 S. Wer Kaatz’ Arbeiten seit Jahren verfolgt hat, mußte in ihnen das Streben des Verfassers bemerken, nicht nur den Einzetsatzungen' des Talmud, sondern auch dem Geiste ihrer Herleitung-auf den Grund zu kommen. In seinem neulich von mir hier besprochenen Heftef dem hier ein zweitesfolgt, bietet er uns gewissermaßen die Gesamtergebnisse seiner jahrelangen planmäßigen For scherarbeit. ' Kaatz nimmt die Aussprüche des Talmud ernst und wörtlich und läßt sich nicht auf Umdeutuitgen findet im Aeußerung weit über zugewiese diesen Bi! ein. Er talmudischen und midraschischen Schrifttum n, welche den Umfang der mündlichen Lehre as Gebiet ausdehnen, welches mäh ihr sonst hat. Er weist auch jeden Verbuch zurück, eldeutungen eine Beziehung zum einfachen Wortsinne I unterzulegen, indem er mit sieghaften Oründen beweist, «jaß diese Ueberlieferung der einfachen Verstandesdeutung selbst dann aus dem Wege geht, wenn jene gut Angewandt werden könnte. Selbst beim Kalwachomer, der doch als ein Ergebnis menschlichen Denkens angesehen werden sollte, _ zeigt er, wie sichf daneben ein Draschkalwachomer zeigt, dessen Folgerungen sich auf halachischer Grundlage aufbauen, nicht auf Verstandesgründen. i Er gelt dann auch auf das vielseitige Gebiet der *,Wortyergleichung* Oesera schawah über, die an sich der menschlichen Folgerungskraft als Sondergebiet entzogen ist. So grenzt Kaatz, indem er den Talmud in seinem eigenen Oeiste beleuchtet, das Oebiet der mündlichen Lehre folgerichtig, von der schriftlichen ab, indem er auch vton geschichtlichen Erwägungen abjsieht und nur ron der Glaubens- und pemütsseite dieser Erwägungen ausgeht. fl Die «lenkerhafte Geradlinigkeit, np* welcher er seine Sache verfolgt, muß ihm, zumal der talmudische Scharfsinn dabei in aller Stärke zum Vorscheirt kommt, die Seele des Lesers gewinnen. Die Frage wäre nur noch, ob im Talmud wirklich zwischen thoCamäßigen und rabbinischen Pflichten,zwischen Gesetz und Hagada keine Grenzwände gezogen würden? Ob wir die vollberechtigte Schrifhleutung als Derasch gamar oder die Assmachta nicht wirklich als verschiedenartige Bestandteile unterscheiden müssen, |ob nicht das eine Thora ist und Thora bleibt, das andere dagegen menschliche Verordnung, die mit dem göttlichen nicht vermischt werden darf? Diese Erwägungen sind doch nicht so| leichtwiegend, um vom Verfasser einfach als nichttalrnudiseh zur Seite gedrängt zu werden. Wir haben hier eine Leistung ersten Ranges an Folgerichtigkeit und Einheitlichkeit vor uns, dabei von einer Einfachheit und Verständlichkeit in Sprache lind Darlegung, daß wir weiteren Fortsetzungen mit größter Spannung entgegerisehen. Unsere aufs Augenblickliche gerichtete Zeit kann durch solche Arbeiten nur aufs Höhere und Ewige gelenkt Werden. e CI i n. Dr. L A. R 6 s e n t h a I, Rabbiner. r discjieft Die S. Rothschild: Beamte «| e.r Wprmser jüi Gemeinde. J. Kauffmahn-Frankfuri a.'M. 1920. jüdische Gemeinde in Worms hat ihre Geschichte. Eine Fül e von Erscheinungen in dieser Geschichte verdient allgemeiies Interesse. Den Höhepunkt darin bildet das Mittelalter. ’ Das vorliegende Buch ßehandelt nicht das jener Tage. Es will Sehicksa der Wormser Gemeinde 52 —