Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1923
- Issue
- Nr. 3/4 - März/April (3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- Seite 28 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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J, I («vor Bruder Großpräsident die Sitzung verließ, erbat das Wort zum Vortrag folgenden <poetischen; Grußes Exf HUident Br. Bautnann, Danzig: Dem lieben und verehrten Jubilare, (er feiernd ausruht heut nach langem Lauf, dem Führer uns durch fünfundzwanzig Jahre, des Weg stets vorwärts führte und hinauf, < er auf .zur Sonne strebte gleich dem Aare t i nd siegreich überwand der Nebel ,Hauf : ihm gilt dies Lied., Es singt’s ihm‘ein geringer doch allezeit ihm treu ergebner Jünger. 1 )u führtest unser Schiff aus schmaler Enge I «herzt und kühn aafs weite Meer hinaus. 13u lenktest es mit Kraft' durch das Gedränge der Wogen, ihr Geschäume und Gebraus’. ] )u standst am Steuer, mild zugleich und strenge i ind nie erbebend in deS Sturmes Graus. I Jnd siehe: sicher jetzt, das Fahrzeug gleitet i m Kurse fort, in den Du es geleitet. )u aller Väter zärtlichster und treuster, «es Herz so warm für seine .Kinder schlug, Du, der gleich Shakespeares Prospero die Geister in rein’re Sphären hobst durch Deinen Spruch : kt’s wahr, Du willst allein tyis lassen, Meister, «is Meer versenken-Zauberstab und -buch? Q geh’ nicht von'uns! Halte Deine Hände auf unserm Scheitel schützend bis ans Ende! r Verlauf der Festsitzung. ln dem stimmungsvoll dekorierten Logentempel versammelten sich um die Familie des verehrten Jubilars Abordnungen der Berliner Brüder sowie eine große Zahl Vertreter auswärtiger Logen, die trotz der schweren Zeit es s ch nicht nehmen ließen, ihrem Führer und Meister, ihren i lieben Bruder Oroßpräsidenten persönlich begeisterte Huldigungen darzubringen. Unter den Festteilnehmem bem« riete man hervorragende Persönlichkeiten der jüdischen Oeff< ntlichkeit, die Führer der großen jüdischen Organisatioien. wie Geheimrat Eugen Fuchs, Professor Kalischer, Df. Nathan, Legationsrat Professor Dr. Sobernheim u. a m, die alle dem Bne Briss-Bunde angeiören. Audi der Verband der Frauenvereinigungen der Logen war durch Frau Df. Eschelbacher und Frau Minna Schwarz’'vertreten. * I Jm */45 Uhr wurde der Jubilar von den Brüdern Vize] [roßpräsidenten Kuznitzky und' Lisser unter Harmonium Idäiigen in den Tempel geführt, wo er in der Nähe des I ’räsidentenpultes auf einem mit Blumen geschmückten Stuhl Platz nahm. Nach dem künstlerischen Violin-Vortrage des Br. Alfred Wittenberg von der B. Auerbach- Log« (das Air von Bach), begleitet von W. Liachowski, ergri f der Leiter der Festsitzung das Wort zur Begrüßung, Viz sgroBprSsident Br. Jeselsohn: Hochverehrter Bruder Jubilar, werte Frau Oeheinirat! Liebe Schwestern und Brüder! üroße Teile, unseres geliebten Vaterlands sind von den -ranzosen besetzt, von Feinden, die, einzig und allein von dem unglückseligen Rachegedanken beseelt, nur ilarr aut Binnen, unser Deutsches Reich zu vernichten. T otz des ßrnbtes der Zeit hat das Generalkomitee, in dessen Namen Jund Auftrag ich die Ehre habe, Sie herzlichs! zu begrüßen, Sie zu einer Feier, zu einer Jubiläumssitziing eingeladen. Die allgemeinen Zeitverhältnisse erlauben kein* pfunkhaften Feste, keine Jubelstimmung, sie mahnen gebieterisch und erschütternd zur Einfachheit, zur Einki ihr. Fünfundzwanzigjährige getreuliche Pflichterfüllc ng, fünfundzwanzig Jahre emsigster Arbeit auf idealer Bisis gestatten aber sicher, daß .wir uns zusammenfinden, um dankbaren Herzens ein kleines äußeres Zeichen der knerkennutig Ihnen, lieber Bruder Jubilar, für Ihre fünfundzwanzigjährige, so segensreiche, zielbewußte, Erfolg auf Erfolg bringende Tätigkeit zu geben. Sie] lieber Bruder Jubilar, waren uns nicht nur derFührer, der uns) als leuchtendes Beispiel stets zur Mitarbeit mah ite, Sie Waten nicht nur der richtunggebende, für Verbreit ing und Ausdehnung unseres geliebten Ordens sorgende Leiter, der stets für Vertiefung unserer Bestrebungen wirke ide Großpräsident, nein, Sie waren uns immer der Bruder im wahrsten, edelsten Sinne des Wortes,' der Freund Und väterliche, gütige Berater. Ihrer Energie und Ihrer liebenswürdigen Fürsorgej ist1 es aber vor allem zu verdanken, daß ‘unser Deutscher Distrikt trotz der Zunahme der Logen einheitlich, geschlossen blieb, Ihrem rastlosen, zielbewußten Schaffer} ist cs geglückt, daß das Verhältnis zur Konstitutionsgroßlöge und dein übrigen Oroßlogen des Weltalls stets ein echt' brüderlkhes war. Je mehr die Welt zerrissen, zerklüftet ist, umso Erforderlicher sind Institutionen wie unser Orden, >velche' Menschen als Menschen zusammenbringen, Organisationen, welche Gegensätze ausgleichen, überbrücken und dafür sorgen, daß anstelle eines übertriebenen chauvinistischen Nationalismus wiederum der Mensch zur Geltung kommt. Eiijst stand das deutsche Judentum in geistigen und charitativen Fragen an erster Stelle. Heute weist die harte Lage der Nachkriegszeit uns deutsche Juden selbst auf die iHil^e des Auslands an. Dankbaren Herzens geden <en wir heiite der Schweizer Logen und der Loge in Kopen« hagtn für ihre bereitwillige Gefangenenhilfe während des Krieges] für ihre Arbeit zur Aufklärung über Vermißte, dankbar dieser und der amerikanischen Logen für ihre so segensreiche Fürsorge für Kriegswaisen, für die grollen Mittel, die sie uns zur Aufrechterhaltung unserer We hl-. tätigkeitsinstitutionen gegeben und für unverschuldet in I Nöt geratene Brüder geschenkt. ’ Wenn wir jetzt diesen Dank abstatten können, so geht dies hauptsächlich auf Ihre Tätigkeit, lieber Bruder Jublar, zurück. Es ist uns ein Herzensbedürfnis, heute brüderlich zusammen zu sein, um Ihnen, lieber Bruder Gioßpräsident, für alles, was Sie für unseren Orden errungen, zu danken. Es ist und soll eine reine Familienfeier s:in. Für1 Sie war die Bezeichnung „Bruder“ nicht ein lee-es, schales Wort, nein, eine tiefe Offenbarung. Wieman in der Familie gerade nach Schicks alsschtägen sich vereint, wie man sich dann um so wärmer, um so inniger zusammenschließt, so sind wir heute zusammengekommen, um uns kräftiger und fester zu verkitten. 78