Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1923-01-01 · Nr. 1/2 - Januar/Februar · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1923
Issue
Nr. 1/2 - Januar/Februar
Date
1923-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6727475-6029115-6074551--0314-4866995
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Installation der ReucAlin-Loge ii Schwedt a. O. am 12. November 1922. Die Feierlichkeiten [zur Begründung der Reuchlin-Loge in Schwedt a. O begannen am Sonnabend, den 11. November mit einem festlichen Gottesdienste, bei dem der Unterzeichnete auf Einladung des| Gemeinde-Rabbiners Br. Dr. Jampel und auf Wunsch der Oemeinde Schwedt eine bezügliche Predigt hielt. Nach , Sabbat-Schluß traf j der; hochwürdige Größpräsident, Br.Timendorfer, von einem Empfangs- Komitee begrüßt, ein, um die getroffenen Vorbereitungen zu prüfen und alle erforderlichen AnQrdnungen zu trelfen. | Der Weiheakt ging j Sonntag, mittags gm 1*/« Uhr, in dem würdig hergerichteten und bereits mit dem Logenjmobiliar geschmückten Linseschen Etablissement in Gegenwart von 225 Personen vonstatten, unter denen sich 43 auswärtige Brüder, ein Vertreter der Zähringer- Loge in Pforzheim und auch die Frauen und erwachsenen Kinder der Kandidaten befanden. Nach einleitendem Harmoniumspiel und dem ergreifenden Oesange von Lewandowskys »Die Himmel rühmen« führte Bf. Expräs. Salomonski die 51 Petenten vor den hochw. Großpräsidenten und brachte'den Wunsch aller, unserem Orden angehören zu dürfen, vor, indem er gleichzeitig die Entwicklung des Logengedankens in Schwedt kurz skizzierte. Hierauf begrüßte der hochw. Grpßpräsident die Kandidaten, rühmte ihren durch eine hochherzige Sjsende für die Armen der Stadt bewiesenen Wohltätigkeitssinn und nahm dann das Wort zu einem einstündigen Festvortrage, der dem Qedächtnis Reuchlins, des Namenspatrons der jungen Loge, geweiht war. — Der 400. Todestag des großen Humanisten habe die traditionelle jijdische Tugend dbr Dankbarkeit geweckt, und diese Stunde solle ihm einen Lorbeerzweig treuen Gedächtnisses weihen. Denn Reuchlin war in finsterster Zeit der einzige Anwalt der deutschen judenheit, ihrer ■ Lehre und ihres heiligen Schrifttums. Mit einem damals kaum wiedergefundenen Erkenntnistrieb vertiefte er sich unter begreiflichen Schwierigkeiten in die hebräische Sprache und sein -frommer Glaube, Gott selbst habe in ihr geredet, beflügelte seinen Eifer, den gebildete Juden , förderten. So gewann er Befähigung und Wissen, soj ar eine hebräische Grammatik an verfassen, cer lange vernachlässigten Spiache aufs neue d is Daseinsrecht wieder zu scher ken. sie unter dii: Studien einzureihen und se nena Schüler Mel inchton, Luther und allen üb igen Vorkämpfen für die Wahfheit .der Schrif die Wege zu et nen. * ’r Von besonderer ^Bedeutung für uns Jide« bleibt aber I leuchlins mannhaft-erfolgreiches Auftreten geget iden berüchtigten getauften J ttien Pfefferkorn, der im Bunde mit den Kölnischen Dominikanei-Mönchen ein Hetzbuch; den Ju tenspiegel, veröffentlichte, weil er es auf. die Vernichtung de: Talmud abgesehen hatte. Reue ilins Gutachten, fas dem Kaiser Maximilian maßgeblich bliel, ist die Erhaltung unserer Literatur zu danken, irid mit Recht nennt keih Gerin gerer als Ranke t s »ein schönes Denkmal edfei Gesinnung uni überragender Einsicht.)« Reuchlin; darin zutage tretende Auffas: ung, daß die Juc en Mitbürger des Reiches sind und. Recht und : Schutz zu beanspruchen haben, unef seine Bewei sführung, daß die Juden, auße ‘halb der Kirche s tehend, niemals als Ketzer angei eben werden düifen, gewährte unseren Ahnet ein Asyl gegen weltliche und geistige Ueberj riffe. So hat Reuchlin die Tora vor dem Feuer der Vernichtung bewahrt und stehl .vor uns' äl 5 ein großer Rin jer um die Wahrheit, die i inser Orden zu ü ien gebietet. , Darum verdient er auch unter die Heroen aufgenommen zu werden, welche unsere Gemeinschaft besonders ehren will. Dem die unverfälscht: Wahiheit führt zur Liebe uni die Erkenntnis eigener Schwäche zu der Nachsicht, die in ec iter Brüderlichkeit ihre Krö lung findet. ' . Nachden der hochwürdige Großpräadent noch seinei Freude über dife Anwesenheit der Jugend Aus Iruck gegeben hatte, schloß er seine mit tiefer Ei griffenheit entgegengenommene Rede mit einem Appell an die Frauen, den Art eiten und Zielen der Reuchlin-Loge tätige Mifirbeit zu beweiset. Hierauf begann die Eröffnung der geschlossenen Loge nach dem Ritual.' Die Beapitenposten wan n wie folgt verteilt: — 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.