Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 8 - September (9.1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Und hier sind die Notleidenden nicht nur unter den Kindern und den Ahen zu suchen. Die von Tag zu Taggrößer werdende Geldentwertung zwingt Rentner und Rentnerinnen, Akademiker, Lehrer, Künstler, Schriftsteller, Witwen und Waisen aller Berufsstände, ihre Lebenshaltung immer mehrzu vereinfachen, auf geistige Genüsse — Theater* Konzerte, gute Bücher — nach und nach ganz zu verzichten. Die1 Verelendung einer Schicht, die größtenteils Träger ünserer Geisteskultur ist, macht erschreckende Fortschritte, und eilige Hilfe tut Not. Es ist nicht;f leicht, die Wege zur Hilfeleistung zu finden, denn eine erklärliche Scheu hindert die Betroffenen, sich andern in ihrer Bedrängnis mitzuteilen; deshalb hat man sich allenthalben bemüht, Mittel der Selbsthilfe nutzbar zu machen. Rentner und Rentnerinnen schließen sich im Deutschen Rentnerbund zusammen, der sie m Steuerfragen berät, Darlehen zu niedrigen Zinssätzen, sowie günstige Leibrentenverträge vermittelt, Einkaufsgenossenschaften gründet, bei Arzt und Apotheker bis zu einer bestimmten Einkommengrenze Ermäßigung erwirkt u a. m. In Frankfurt a M. wurde vor etwa eineinhalb Jahren durch die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins eine öffentliche Verkaufsstelle für Wertgegenstände aus Privatbesitz errichtet, in der Silber, Schmuck, Porzellan, Bilder usw. angekauft und verkauft werden. Die Ausschaltung iedes Gewinnes, teilweise ehrenamtliche Mitarbeit {ermöglichenes, mit verhältnismäßig geringen Unkosten zu arbeiten. Gewiß mag mancher fange zaudern, ehe er es über sich gewinnt, liebgewordene Andenken zu veräußern; aber in Truhen und Kästen der deutschen Hausfrau ruht wohl auch jn'anches, was ohne Verlust der persönlichen Behaglichkeit entbehrt werden kann. * Eine schwere Sorge bedeutet für unsem Mittelstand der Gedanke an Krankheit, an Arzt, Heilmittel und Erholungsmöglichkeit. Während Angestellte bis zu einem einigermaßen guten Einkommen krankenversicherungspflichtig sind, bleiben Angehörige der freien Berufe, sowie Rentner und Pensionäre ohne Anspruch in. Krankheits- und Todesfällen. Um dieser gesundheitlichen Not durch Selbsthilfe zu steuern, wurde vor kurzem in Frankfurt a. M. die »Gesundheitshilfe« gegründet, die m Form einer Vereinskrankensparkasse Beihilfen für Arzt, Apotheke und Erholungsreisen bereitstellt. Vereinsbeiträge und größere Geldspenden sollen die Möglich keit geben, die »Sparkasse« zu ergänzen und über die eingezahlten Beträge hinaus Zuschüsse zu gewähren. Dieser aul interkonfessioneller Gn ndlage getroffenen Einrichtungen werden wohl ähnliche Maßnahmen an andern Orten entsprechen. Innerhalb unserer Logenkreise kommen noch weitere Möglichkeiten der Mittelstandshilfe in Beträcht. Diese wurden in der Delegier ientagung der Frauen Vereinigungen in Dresden ausführlich erörtert. , Dort wurde der Ausbau und {die intensive Ausnützung der bestehenden Kinderheime für Ldgenangefaörige, die Neueinrichtung solcher Heirtie in landschaftlich schöner und gesunder Gegend^ eventuell unter Zusammenarbeit mehrerer kleirier Logen gewünscht. Es ist nicht an eine unentjgeltliche Aufnahme gedacht, sondern, an eine Selbsteinschätzung jedes Bruders, der aie‘Einrichtung fijr seine Kinder in Anspruch nimmt. Das dann etwa bleibende Defizit wäre von jdeji betreffenden; Logen zu decken. DJa die Kinderheime meistens nur währmd 2 odfer 3 Sommermonaten belegt sind, soll /ersucht werden, die übrige Zeit für erwachsene Logenangehörige nutjzbar zu machen. In dem Heim| in Ober-Rochfvitz bei Dresden können schoft in diesem Hjerbste Schwestern zu ermäßigten Preisen einen Erholungsaufenthalt finden. Dringend inwendig und erwünscht wäre, die Einrichtung von Heimen für alleinstehende Brüder und Schwestern, für die es unendlich schwer ist, bei dem Wohnungsmar gel sowie den hohen Prejsen in den Pensionen g ute Unterkunft zu finderj. Das Heim der Bert ner Logen, das diesen Zwecken dient, kann einstweilen nur eine ganz beschränkte Zahl Frauen aufnehmen. Neueinrichtung von Heimen werden bei der Unmöglichkeit, z. Zt. einen auch nur für wenige Wochen gültigen Haushaltungsplan s ufzustellen, großen Schwierigkeiten begegnen Einfacher scheint es piir, wie dies ja bereits in manchen Frauenlogen geschehen, größere Summen zu sammeln,, und feste Jahresbeiträge für den vom Verbände der Frauenvereine U. O. B. B. geschaffenen Fond bereitzustellen, um Schwestern einen | namhaften Zuschuß zu Kuren und Erholungsaufenthalten zu geben. Es ist selbstverständlich, daß hierzu außerordentlich hphe - 108 -