Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 8 - September (9.1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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bücher, Predigten, Oesdiichte, Literatur, kurz alles! Das ganze Judentum ist in der deutschen Sprache aufgenommen’worden. Der Jude findet sich und seine Religion in der Landessprache und wird erst zum Juden aus dem Deutschentum gebildet \ Kein jüdischer Literat kann jetzt als Literat gelten, wenn er nidit Deutsch versteht; alle jüdischen Prediger- Kanzeln, selbst in Frankreich, England nnd Amerika, sind größtenteils von Deutschen besetzt. Mit Recht sagte Heine: »Die Juden sind Deutsche, aus dem Orient gekommen.« ».... Können wir hoffen, daß bei uns der Jude als Russe und aus dem Russischen Jude wird? Können wir hoffen, daß einst die russische Sprache in sich das Judentum .aufnehmen wird? Keineswegs!. Das Russentum wird eine Geschichte der Juden in seiner Sprache, einen Katechismus, Oebet- I bücher nicht dulden, es hat selbst noch keine Bibel — also was ist zu tun? Die deutsche Sprache muß durchaus in die jüdischen Schulen eingeführt sein, durch sie wird dem Juden ein großes Feld zur Bildung eröffnet; erstens erhält er einen feinem Oeschmack in feiner 'Religion, es. ist vor ihm' schon alles fertig, da; zweitens wird ihm.durch die deutsche Sprache Tür und Tor zu alten Zweigen des menschlichen Wissens geöffnet.. Da der Jude von Natur wißbegierig ist, so kann er von sich selbst schon Vieles erlernen. Die Sprache selbst ist dem jüdischen Knaben ischon zugänglich, und durch sie ist schon auch leichter, andere zu erlernen, auch das Russische Mit leinem Worte, ohne Deutsch gibt es keinen gebildeten Juden! und. wird es auch n i e geben; wie einst Hebräisch in Palästina, ist für ihn jetzt Dsutsch in'Europa.« In ' den nahezu 60 Jahren, seitdem der vorstehende Auszug geschrieben war, ist vielerlei gnders geworden, manches durch die Wandlung der Zeiten überholt, die Bedeutung aber der jüdischen Wissenschaft in deutscher Sprache ist ^uf gleicher Höhe geblieben. Die Wertung durch die englische Spracht und die neue Stätte für die jüdische Wissenschaft in New York ist s:Ibst- Umstände in Rußland vor 60 Jahren. Die Männer der jüdischen Wissenschaft aus Deutschland werden drüben ebenso erfolgreich in englischer Sprache dozieren wie deutsch in der Heimat; es ist jedoch lebhaft zu begrüßen, daß der Wesenszug der Wissenschaft vom judentume aus der deutschen Hochschule hervorgeht und dein neuen Beginnen in der Metropole der Vereinigten Staaten erst die rechte Weite gibt Glückauf den trefflichen Männern zur Einleitung der alten Wissenschaft auf neuem Grunde! . Mögen sie nach getaner fiiedlicher Kulturarbeit in ihre bisherigen Wirkungsstätten wohlauf zurückkehren! Nachschrift der Redaktion. Die Berufung unserer jüdischen Gelehrten nach New York, unter denen sich zu unserer Freude auch Mitglieder unseres Ordens befinden, gereicht der deutschen Judenheit zur hohen Ehre. Leider haben unsere Glaubensgenossen, wie dies in diesen Blättern bereits mehrmals hervoigehoben wurde, bis jetzt nur wenig zur Förderung und Erhaltung der jüdischen Wissenschaft in unserem Vaterlande getan. Die Stätten der Wiss enschaft sind in ihrem Fortbestand gefährdet, die Wissenschaftler selbst darben und es ist zu befürchten, werden, um dort können, und aus daß sie eines Tages gezwungen sein nach anderen Ländern auszuwandern, ihrer Wissenschaft sorgenlos leben zu Die Großloge hat diese Gefahr erkannt diesem Grunde den »Kulturfond« ins Lieben gerufen. Von der tatkräftigen Unterstützung des Kulturfonds hängt es, nun ab, ob wir die wissen schaftliche Vormacht der deutschen Juden auch in Zukunft werden erhalten können wiederholen wir unseren Appell an unseie Logenbrüder verständlich weit höher 'einzuschätzen als i <; die Gedenket des Kulturfonds! 1 Sonderausschuß der Großloge für die geistigen Interessen. Sitzung de» Arbeitsausschusses im Montag, den 4. September, abends 7»/* Uhr. Anwesend sind die BBr.: Schindler, Leszy nsky, Goldschmidt, Finkei; Br. Holländer fehlt entschuldigt. | Br. Schindler hat im Aufträge der Großloge den von ihr neu gewählten Arbeitsausschuß einberufen; er gedenkt der Brüder Mare :zki und Eschelbacher, nach deren Hinscheiden er das allein überlebende Mitglied des ehemaligen Arbeitsausschusses sei, und legt {las aus nachfolgendem ersichtliche Arbeitsprogramm vor. 100