Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 8 - September (9.1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, September 1922. 1 {StitgEtragsnsr fterBin. .Ctgrni imag Der ftoglogt. $mtan: 9162, llettöragr 12. StlfpHai: £mt Styraj 4619. Jo&fditAkinüii: feiltp Tuiditirudt (Smtltdier SxfiluI au» toteren Mitteilung*** toextonfen. 16383. Iiktlti Oettern and morgen. — Zar Berufung jüdischer Wissenschaftler nach New York, —. SooderaosscbaS der OroßJogi für die. XeMgea Interessen. — Beelitz bedroht. — Instsllationsfeier der Nebemia Mobd-Loge. — Ana den Logen des VIII. Dil riltts. - — ns dem Verbände der Praneaserefadgangea der U. O. B. B. - Logen: (Mittelstandsrarsorge. — Zentraland Auskunft» teile. — Ein weih an gif der des Ferienheims U. O. B. B. in Rochwttz.) *- MitteUaagea — OedlchtnisbactL 1 Gestern und morgen. Von Br. Rabbiner Dr. L B a e c k. Es ist der Wunsch vieler und ihr Stolz, Menschen von heute zu sein, oder wie man drüben in der neuen Welt noch ausdrucksvoller sagt: up to date-men. Ein Mensch von gestern, das klingt wie ein mitleidiges Wort, wie ein Vorwurf beinahe, und uns Juden wird er gelegentlich gemacht. Neben dem halb staunenden, halb ehrfurchtsvollen Ton, in dem etwa Orillparzer es vom Volk des alten Bundes gesagt hat: »Wir andern sind von heut, sie aber reichen bis an der Schöpfung Wieget, tritt häufiger noch der andere, der« des Bedauerns und des .Tadels, daß dem Juden zu viel vom Vergangenen und zu wenig vom Gegenwärtigen eigne, daß er im tiefsten Wesen von der früheren Welt her sei, daß er wie ein Mensctr von gestern dastände. Es ist wahr, wir Juden sind von gestern schon und von ehedem. Allein,^ wer ist das flicht? Niemand ist von heute erst, auch der ' nicht einmal, der das Lfcht der Welt jetzt erblickt hat. Jeden trägt von Anbeginn an das Leben der Oeschlechter, die ihm vorangegangen sind; sie alle haben mit an ihm geschaffen. Einen Menschen könnten wir ganz verstehen, wenn wir nicht nur die! Geschichte seines Daseins, sein kleines Oestem, ins Auge faßten, sondern ebenso sehr sein großes Gestein, die Art und die Weise derer, von denen i her-' kommt, zu überblicken vermöchten. Uns allen, den Menschenkindern, gilt das Wort des I luches Hiob-: »Von gestern sind wir<. Aber hier beginnt nun das Drama des L ebens. Wir haben diese unsere Vergangenheit nie ht gewählt; wir sind in sie hineingeboren worden/ Ohne unser Zutun treten wir in den um schriebenen Kreis unseres Daseins ein, und wir r lüssen uns, so scheint es doch, in ihm* zurecht »uchen oder mit ihm abfinden; er ist das Schicks il,' das uns gestellt list Es gibt wohl in jedem Leben Augenblicke, in denen die Seele an diesem (lestem zerrt, von ihm ledig werden möchte,' un i ohne Vergangenheit zu sein. Wen haben noch nicht einmal Gedanken umschwirrt, * quälen« und fragend, wie ganz anders er sichemporsch' /ingeh würde, wenn er ganz allein, §o wie vor heute erst, dahinziehen könnte und « nicht allis das, was er dem Gestern schuldig Ut, ihn; urück- , hielte mit Geboten wie mit Ketten, mit dfe i hemmenden Pflichten, mit denen sein Lebeisplatz ihn zu sich zieht! Vergangenheit betieu et Ver- . pflichtung. Man hat im letzten Jahrhunc ert zuweilen von der Not der jüdischen Seile gei