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Der Orden Bne Briss · 1922-08-01 · Nr. 7 - August (8.1922) · p. Seite 86

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 7 - August (8.1922)
Date
1922-08-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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passe das bei der Beerdigung von Horovitz von einem Amtsbruder gesprochene Wort: »Wir haben ihn nicht nur bewundert und verehrt, sondern auch geliebt.« Liebe sei noch mehr als Verehrung und Bewunderung, denn Liebe könne nur der Mensch erringen, der selbst geliebt habe. Und Horovitz hat die Menschen geliebt und die Liebe* sein Leben, lang betätigt. Seine Persönlichkeit waF die Verkörperung von Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht Aus ihm sprach eine unendliche Güte des Herzens, von seinem! beredten Munde strömte-das Wort der Liebe und der Belehrung, während die erquickende Heiterkeit und Freundlichkeit seines sonnigen Wesens uns ein Zeichen des Friedens und der Eintracht war, die in seinem harmonischen Innern wohnte, und die er auch nach außen zu fördert} bemüht* war. Allerdings hatte auch die Milde und Friedensliebe von Horovitz eine Grenze. Wo "Eif^r am Platze war, konnte er sich ereifern. Man lese seinen Vortrag über die Biutbeschuldiguhg in Korfu und seine drei bereits im Jahre 1880 gedruckten Reden, in denen er gegen den Antisemitismus^ ankämpft. Er verstand die Waffen zu führen, zwar leidenschaftslos und dennoch warm, gründlich aber ohne Bitterkeit Wie rührend ist sein Trost für Israel! Anknüpfend ah eine Talmudstelle, in der darüber gestritten wird, ob und wann Hiob gelebt habe, führte Horovitz aus: »Ich wiir euch einen Hiob nennen, der gelebt hat und noch lebt, der gelebt hat von den Tagen Abrahams bis zurZeit Hamans und.leben wird, so lange.ein Haus Abraham auf der Erde steht, und leben wird, so lange ein Sohn Hamans auf Erden lebt, aber ein Hiob, der tiefsten Schmerz und tiefstes Leid trägt mit Hoheit des Geistes — das ist Israel.« Aber Horovitz hofft wie die Propheten auf die messianische Zeit. Er schließt mit den Worten: »Wie Hiob erst durch das Eingreifen Gottes Gerechtigkeit widerfährt, wie dort Gott das Ende Hiobs mehr segnet als seinen Anfang, so wird auch Israel, der Hiob der Welt, erst erlöst sein, wenn Gott im Sturme zu der Menschheit reden wird, er die Völker von ihren alten Vorurteilen befreit Nach .dem Sturme, dem Sturme des Geistes, weht dann eine reine milde Luft, und friedlich wölbt sich der Himmel.« I ' I Upiere in letzter Zeit begründeten; Logen erhielten die Namen Akiba Eger-Loge, |Wanuel Jöel-Ldge, Marcus Horovitz-Loge. Ich jglaube, Bruder Strauß wird es nicht mehr nötigThaben, den Wunsch nach Verjudung des Ordens auszuspfejehen, nachdem wir eine Marcus H jrovitz- Logd fiaben, eine Loge nach dem Mar n, der, wie ßhider Heinemann in seiner Rede anläßlich der Ttauerfeier in der Frankfurt-Loge es ausgedrücktj hat, Jude und nur Jude war. Für unsere Aufgaben zur Hebung dei> Judentums Und der Juden war und ist uns Horovitz ein leuchtendes Vorbild, weil er auf dem Standpunkt stand, daß das Judentum und dessen Gebot^ die Uebung aller menschlichen Tugenden verlärjge, die es überhaupt gibt. Wer ein guter Jude war, mußte auch ein guter Mensch sein, und diejenigen Juden, welche schlechtere Menschen! waren, waren nach Horovitz sicher auch schlechtere Juden. Das ist höchste Auffassung desj Judentums. Dabei war er duldsam ' gegen Andersdenkende. Vom Rabbiner Auerbach s. A. in Hagberstadt, dessen Duldsamkeit berühmt war, . sagte! Horovitz: »Xuerbach ist der Duldsamste, weil er der Frömmste ist« Dieses Woi|t können wir auf Horovitz mit Recht anwenden, fijir dessen Toleranz seine Stellung in dem bekannten Austrittsgesetz einen schönen Beweis, liefert. Im Gegensatz zu S. R. Hirsch sah Horovit^ in dem Vorhandensein nicht-traditioneller Einrichtungen im Gemeinde keinen Anlaß, ziuti Austritt aus ihr. — Er war der Jude, der kraft seiner Religion seine Pflicht darin fand, immer und immer wieder als Friedensengel zwischen die strebenden Parteien zu treten. Auch von seiner Milde gegen Andersgläubige zeugt seine vor 30 Jahren gehalten: Predigt über »Das Stiftszelt ein Bild der Religion«. , »So sehr wir wissen« — so führe er dort aus — »daß weder Ehre noch Spctt, weder Liebe und Haß uns in unserer Ueberzeugung wankend machen können, so sehr müssen wir diejUeberzeugung der anderen Menschen aic fiten. Unser ist das schöne herrl che Wort, deiti vielfach verkannten Talmud entnommen: »D|e Frommen aller Völker der Eide haben Anteil an der zukünftigen Welt, an 'der Ewigkeit und Seligkeit.« »Israel« — so schließt er die) Predigt — »sieht sich im Allerheiligsten brüderlich verbunden mit allen, die im Heiligtum 86 -4

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