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Der Orden Bne Briss · 1922-08-01 · Nr. 7 - August (8.1922) · p. Seite 84

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 7 - August (8.1922)
Date
1922-08-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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ich würde ihrem Scheiden keine Träne nachweinen. Man hat oft den Eindruck, daß unser Papiergeld verschiedenartig gewertet wird* je nachdem es sich um Einnahmen oder Ausgaben handelt. Bei der Einnahme schätzt man es in der Regel richtig, da ist ein »brauner Lappen« nicht mehr wert als höchstens-Mk. 20 - 40. Wenn es sich?ber um Ausgaben, insbesondere für altruistische Zwecke handelt, da empfindet der Geberin dem Papiergeldscheine häufig einen metallischen Beigeschmack. Der Geber glaubt in diesem »Scheine, der trugt« einen goldenen Schimmer wahrzunehmen, der ihm heftigen Trennungsschmerz verursacht, als ob aus dem Scheine noch die goldenen Dukaten herausfunkelten. Ich weiß, daß die die Logen regelmäßig besuchenden Brüder und die vielen anderen . im Sinne der Ordensidee wirkenden Mitglieder nicht dieser optischen Täuschung unterliegen. Jedenfalls erblicke ich aber in der sich finanziell ergebenden Konstellation, in der Not- _ weridigkeit, in der absoluten Notwendigkeit, ftp den Orden zur Zeit mehr als bisher zu zahlen, wenn auch nicht ein »erziehliches Mittel« zur Förderung der höchsten Interessen der Menschheit, zur Weiterentwicklung und Hebung des sittlichen Charakters, so doch einen Prüfstein dafür, ob wir dieses Ziel wirklich erreichen und - in Wahrheit »den Notleidendenmit allen Kräften hilfreich beizustehen willens sind«. Die Worte, weiche wir zu Anfang und am Schlüsse jeder Sitzung aussprechen, sollen doch keine Phrase sein. Ein jeder Bruder gebe, wie es unsere Religion, ~wie es die Moral gebietet, »dankbar von dem Segen, den er genießt, nach seinem Können einen entsprechenden Teil ab«. Eine Umlage von etwa Mk. 300 geht sogar vielen Brüdern nicht weit genug. Was sind Mk. 300, was sind sogar. Mk. 600 zur Zeit für die im Erwerbsleben gutfundierten Brüder? Auch die »freien Berufe« werden im Durchschnitt Mk.300, allenfalls mit Opfern aufzubringen vermögen. Interessant ist jedenfalls, daß die sehr stark aus Akademikern zusammengesetzte Spinoza-Loge mit ihren ca. 200 Brüdern sofort Mk. 125 000 aufbrachte. Wer gewissenhaft, sozial, altruistisch denkt, findet die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben,' wenn sich höhere Einnahmen nicht erzwingen lassen, in einer Beschränkung persönlicher Ausgaben für das liebe Ich, um die unumgänglichen Zubußen für die Loge oder für andere Zwecke im Sinne des- Ordens bestreiten zu können. Aber die Spannung zwischen dem Einkommen der Beamten, Angestellten und der Angehörigen der freien Berufe zu der™ der in Industrie und Handel selbständigen Existenzen ist doch im allgemeinen sogroß, daß für letztere die Zahlung von Mk. 300 oder sogar Mk. 600 eine lächerliche Lappalie bedeutet, durch deren Zahlung allein die betreffenden gut gestellten Brüder ihr Gewissen nicht beruhigen können und pich nicht sagen dürfen, nunmehr alles für soziale Angelegenheiten und Ordensaufgaben getan' Zu haben. Noblesse oblige, aber Lauch Reichtum verpflichtet. — Es liegt darym nahe, Richtlinien aufzustellen, nach denen fsich die Brüder selbst pflichtgemäß unter Diskretion der Beamten für ihre Beiträge zur Wohlfahrts- und Kultiirpflege einschätzen. Es könnten dabei die Staffeln derartig weit gezogen werden, daß auch die Einschätzung, bezw. Zahlung nicht jallzu viel verraten würde, also etwa erste Staffel Einkommen bis Mk. ,500 000; 2. Staffel bis Mk. 700 000 jährliches Einkommen usw. Um die Höhe des Beitrages zum Wohlfahrtsfond nach oiben zu begrenzen, damit unsere »Milliardäre« nicht glauben, nach Hunderttausenden beisteuern zu müssen, könnte ein Höclistbetrag. etwa Mk. 1500 fixiert werden. Es bliebe dann immer noch Raum und Gelegenheit für Spenden bei Familienfesten und dergleichen. Jedenfalls stellt die Staffelung das zu erstrebende Ideal sozial ausgleic h e nder Gerechtigkeit dar. VI. Um aber der nun einmal bestehenden Abneigung zahlreicher Brüder gegen ziffernmäßige Staffelung Rechnung zu tragen, dürfte folgender Kompromißvorschlag, sei es mit dieser oder jener Abänderung, je nach den Verhältnissen der einzelnen Loge erwägenswert sein: »Um die Erfüllung der sozialen und ethischen Aufgaben im Sinne des Ordens, insbesondere auch die Unterstützung der Witwen und Waisen von Brüdern zu ermöglichen, soll neben dem statutenmäßig festgelegten Mitgliedsgrundbeitrage won jedem Bruder ein von Jrüir zu Jahr durch d e Loge zu bestimmender »Beitrag zur Wohlfal rtspflege« , erfordert werden. Für das laufend« i Jahr wird — 84 —

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