Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 1 - Januar (1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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das dritte Hundert schon längst überschritten hatte. $o hat sich denn auch in Nürnberg wie überall der Logerigedanke durchgesetzt, was um sq bemerkenswerter ist, nachdem die erste Loge im Jahre 1903 nur mühevöll und unter großen Widerständen seitens der maßgebenden Persönlichkeiten mit . 65 Brüdern ins Leben gerufen werden konnte. Die Vorbereitungen zur neuen Loge waren iinter -der tatkräftigen Leitung des w. Expräs. Br. Dr; Freudenthal von einem guten Stern begleitet, denn es strömten, fast ohne Werbung, Männer — jung und alt — aus den besten Kreisenzahlreich herbei, um Aufnahme in den Orden: zu erlangen, und schon harren wieder neue Kandidaten der. Aufnahme in den Tempel. . Die neue Loge ist dem Andenken des in der benachbarten Universitätsstadt Erlangen jahrzehntelang segensreich wirkenden Professors der Medizin Jakob Herz gewidmet. Jakob Herz war ebenso hervorragend als Menschenfreund ünd Wohltäter, wie als Arzt, Lehrer und Kliniker. Er war der erste'Jude in Deutschland, der eine ordentliche Professur erlangte und der erste Jude, •dem nach seinemTode ein Denkmal errichtet wurde. Doch wurde ihm die akademische und Beamtenlaufbahn nicht leicht gemacht. Trotz seiner außergewöhnlichen Gelehrsamkeit und trotz Aufsehen erregender Heilerfolge erlangte Jakob Herz erst nach 22 Jahren die ordentliche Professur. Den Namen eines so bedeutenden Mannes - zu tragen, ist fürdie neue Loge ein glückverheißendes Omen. Die fnstaflationsfeier verlief in außerordentlich schöner Weise. Schon der herrliche Festsaal, geschmückt mit' dem Bildnis des Patrones der neuen Loge,. machte in reichem Blumen- und Pflanzerischmuck einen stimmungsvollen Eindruck. Nachdem die 115 Kandidaten der neuen Loge durch den Mentor, Br. Hermann Oettinger, in den Saal geführt wurden, trug Br. Obeikantor Franker den bekannten Gesang „Den ich tief im Herzen trage“ in vollendeter Weise vor und später sangein aus 12 Brüdern gebildeter Männerchor „Gedächtnis-, stiftete er seinen Wundem“ in der meisterhaften Vertonung von Lewandowsky. Der Großpräs.^Geheimrat Timendorfer erwähnte in seiner Einführungsrede, daß Professor Jakob Hetz -als das Ideal eines Ben-Briss bezeichnet werden, könnte, denn .er war ein guter Jude, ein guter Bürger und ein guter Mensch. Herz hätte schon im Jahre 1854 Universitätsprofessor werden können, wenn er auf einen Glaubenswechsjri eingegangen wäre, wie ihm dies von allen Seiten, sogar von König Ludwig 1., nahe, gelegt wurde, i Es widerstrebte dem geradsinnigen Mann und 1 aufrechten Juden um äußerer Ehren willen seine; Üeberzeugung und den Glauben seiner Vät^r | preiszugeben. Erst im Jahre 1863 erhielt Herz den Titel eines außerordentlichen Professors und jim Jahre 1869 die ordentliche Professur. Itn Jahre 1867 verlieh die Stadt Erlangen Professor Herz das Ehrenbürgerrecht. Trotz aller für'dje damalige Zeit bedeutsamen Ehren und Auszeichnungen blieb Herz der schlichte und selbstlose Mann, der unter Hintansetzung seiner eigenen .Interessen nur für andere, nur für die leidende und darbende Menschheit lebte. Er nahm nie Honorar an und was ihm von seinen Patienten an Geld zufloß, spendete er den Armen unk Bedürftigen, ohne lange nach Name und'iärt zu fragen. Von Jakob Herz, so schloß der Grollpräsident seine Ansprache, gilt das altjüdisclie Schriftwort, daß die berühmten Toten nach ihrem Tode die Lebenden heißen, denn nach Beendigung ihres Erdenwallens leben und wirken sie zum Segen fort. Die Einführung der neuen Beamten nahin Br. Dr. Eduard Strauß, Präsident der Hermann Cohen-Loge in Frankfurt am Main, vor und wußi e in seiner Ansprache die Pflichten der einzelnen Beamten in geistvoller Weise mit den Aufgaben des Ordens zu verflechten. Br. Dr. Baerwalri- München begrüßte die' neue Loge im'Namen der bayrischen Logen, deren Zahl jetzt auf fünf angewachsen ist, und hob besonders hervor, daß in der Jakob Herz-Loge die Jugend einen hervorragenden Platz einnehme, und daß der Jugend heute, nach all dem Schweren, was s e miterlebt hat, nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart gehöre. Nach einer Riefte von Begrüßungsansprachen auswärtiger Detegiertei kam der Präsident der neuen Loge, Expräs. Br. Dr. Freudenthal, zu Wort. Er sprach dem Großpräsidenten den herzlichsten Dank aus, dessen sonnige Liebenswürdigkeit die Brüderlichkeit und Eintracht auf^ glänzendste verkörpere, Und führte .weiterhin äus: „Die Beamten der neuen Loge warfen vor einigen Tagen am Orale des iedlen Menschenfreundes Jakob Herz, uin ihm die erste Huldigung darzubringen und sein ld