Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 1 - Januar (1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Diese Worte gebraucht der Engländer Thackeray*) und wendet sie auf den englischen Volksgeist zur Zeit der Napoleonischen Kriege a^i. Man kann sie auf die Volksseele aller krie£-; führenden Völker ausdehnan Die Gedankeji-, lenker dabei sind die kriegführenden Kräfte hübejn und drüben. | Wir Juden kennen diese Methode. Man h^it, sie von altersher gegen uns angewandt — nur mit dem Unterschied, daß uns von unseren; Gegnern keine Landesgrenzen schieden. W(ir verspürten diese Methode am eigenen Leibe -I— ohne Krieg mit militärischen Waffen. Sie hat die ungeheuerlichste Steigerung in der Gegenwart erfahren. .. i Wir kennen die'Weise, wir kennen den Text Man hat unseren Vorfahren vorgeworfen, daß sie Hostien schändeten und Brunnen vergifteten.; Man fand darin genügenden Anlaß, sie auszuplündern und zu morden. Man nahm ihnen: ehrliche Erwerbszweige und ließ ihnen die anrüchigsten, um sie nachher zu beschuldigen, daß sie zu ehrlichen Beschäftigungen keine Neigung verspürten. Man raubte ihnen Luft und Licht,’ um nachher festzustellen, daß sie dem Vaterlande bei seiner Bedrohung nicht die gleichen körperlichen Kräfte zur Verfügung zu stellen hätten wie die Landbevölkerung. Man entzog ihnen die Möglichkeit eines geistigen Aufstieges in-.Staats-, Beamten- und wissenschaftlichen Stellen, die Mitwirkung am „positiven" Aufbau des Staates und stieß ihre geistige Beweglichkeit dadurch.auf die Kritik der bestehenden Verhältnisse — höchst verwundert, daß ihre Aeußerungert „zersetzende* waren. 1 Man braucht diese,. Aufzählungen ni^hft weiterzuspinnen. Es ist das gleiche System, die gleiche Richtung; die gleiche Seelenverfassung. Ob die Form dieses Kampfes sich Jüdenzählung“ nennt oder den Vorwurf bilaef, den Krieg verschuldet, den ungeheuerlichsten aller Friedensverträge auf dem Gewissen zu haben,* die Förderer der Werbearbeit der Feiade des Vaterlandes gewesen zu sein — es ist das gleiche System. 1 •) Stiert von Ludendorff in dem Werke „Kriegführung und Politik" Seite 190, auf derselben Seite, auf deri die Verleumdungen Ludendorffs gegen unseren Orden enthalten sind. r. Wir kennen die Weise, wir kennen den Text. Die Angriffe gegen unsem Orden haben sich seit Kriegsende wachsend gesteigert. Wir 1 aben unsere Maßnahmen dagegen getroffen, aber es ist hier nicht der Ort, darüber zu berichten. Das wird an anderer Stelle geschehen. Wir wollen aber nicht vergessen, wai wir unseren Feinden schulden. Nicht bloß die erforderliche Abwehr. Sie ist selbstverständlich. Wir schulden ihnen — in. unseren Bestei — eine Stärkung der Charakterfestigkeit, wie sie nur in solcher Umwelt errungen werden kann, wir schulden ihnen eine Freiheit der Ocistesanschauung, wie sie nur in völliger Unabhä ngigkeit von herrschenden Gewalten und Systemanschauungen gewonnen werden kann,. eine Beweglichkeit des Geistes, die von sprühe idem Interesse durchtränkt ist, wir schulden ihnei den bittefen Schmerz, der die Tiefe des Welterkei mens ermöglicht, und den befreienden Humor, d ir der Unglaublichkeiten Herr zu werden sich bemüht, wir verdanken ihnen das jüdische Gefühl, den Unterdrückten zu helfen. So verstehen w ir, die Ausstrahlungen eines Geistes wie Heinrich I feine, den tragischen Kampf um das Recht Cabriel Rießers, die menschenfreundliche Selbstlos igkeit eines Jacob Herz, des Schutzpatrons unserer jüngsten Nürnberger Loge. Die dauernde Verleumdung, der wir unterworfen sind, darf—das ist eine Selbstverständ-• lichkeit — unsere Stellung zum Vaterlande nicht beeinflussen. Wir können uns gegen Men sehen, Gruppen, Parteien ablehnend verhalten, aber wir müssen aus uns selbst heraus — unbeenflußt durch Anschauungen anderer — das Venältnis zum Vaterlande, zu Staat und Gemeinschaft zu finden uns bemühen. Auch hier soll größere Selbständigkeit und Freiheit des Denkens die Wirkung der Angriffe unserer Gegner sein. Unsere Jugend hat es nicht leicht — ii dem Kampfe gegen die Verleumdung der Unweit. Sie läßt sich zum Teil in Parteianschaii ungen und Gedankengänge drängen, die verständlich genug, aber doch von Konsequenzen tx gleitet sein können, die später schwer wieder auszugleichen sind. Darum müssen die Fülrer in der Gegenwart ganz besonders auf dem Plane und Festigk« it der sein, um die Urteilskraft Jungen zu stärken und sie nicht deri Zeitströmungen unterliegen zu lassen. Der C tewinn