Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 12 - November (11.1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 107 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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werden, daß Logen nach lebenden Persönlichkeiten nicht zu benennen sind. Etwa ein Drittel aller deutschen Logen tragen lokale Bezeichnungen nach Städten, Provinzen Landschaften (oft latinisiert). Das ist zu bedauern, es ist ein Zeichen von wenig gerechtfertigtem Lokalpatriotismus oder von Unproduktivität, und es fällt besonders auf, daß zu dieser Kategorie einige der größten Logen gehören. Anders sind die Benennungen nach biblischen Lokalitäten zu werten (Mamreh, Sinai, Zion, Libanon). Diese Bezeichnungen bekunden einen inneren Zusammenhang mit unserer Vergangenheit und geben dem Logentempel, der an diese geheiligten Orts- oder Landschaftsnamen anknüpft, einen weihevollen Charakter. #kZwölf unserer Logen nennen sich nach genden, deren Verwirklichung die Logen erstreben. Man geht wohl nicht fehl, wenn man hier von Verlegenheit^pamen spricht. Diese Bezeichnungen wirken farblos, schal, wie jede ethische Forderung in abstraktem^ Gewände. In einigen Logenriameri (Borussia, Viktoria Hohenzoilem, Zähringer) tritt die patriotische Tendenz allzu äußerlich in Erscheinung. Die Erfüllung der edelsten Pflichten des Patriotismus gehört gewiß zu den Aufgaben der Loge, aber man sollte diesen Gedanken nicht in so äußerlicher Form zum Ausdruck bringen. Bei Gründung der ersten Logen (Deutsche Reichstage, Germania), war die Betonung des Deutschtums im Namen eher gerlechtfertigt. Prüft man negativ, welche Namen! man vermut, sp fällt ganz besonders das Fehlen biblischer Namen auf; Esra ist die einzige Ausnahme. Es scheint das mehr als Zufall zu sein. Interessant ist demgegenüber, daß bei den amerikanischen Logen die biblischen Namen , sehr häufig sind. So sind fast sämtliche Söhne Jakobs, alle Propheten, ferner Abraham, David, Elia, Jephta, Josia, Manasse, Boas, Mordechai, Akiba u. s. w. vertreten. Bezeichnend ist ferner, daß die amerikanischen Logen vielfach den Namen weiblicher biblischer Personen tragen, (z. B. Sara, Rebecka, Esther, Hagar, Ruth, Judith, Deborah, Mirjam, Sulamith), während keine einzige deutsche Loge nach einer Frauengestalt benannt ist. Es mag sein, daß die Verwendung biblischer Namen in dem Maße, wie , dies in Amerika geschieht, für Deutschland sein ' Bedenlcen hätte,.besonders’sind etwas.entlegene Namen'nicht sonderlich! geeignet, aber die Namen Jesaja, Jeremia, Abrahapi, Jakob, Joseph, Moses, Aaron, .J^muel, Salomoin, David u.,j a. m. .dürften auch für deutsche Logen durchaus geeignet sein; anscheinlend macht sich in letzter; Zeit auch in Deutsch geltend and eine .Wendung nach dieser Richtung Befremden muß, d^ß die Nameln großer Persönlichkeiten der jüdischen Vergangenheit, ibesonders soweit sie nicht dem letzteil Jahrhundert angehöri :n, im Namenverzeichnis der deutschen Logen fast gänzlich fehlen; Hillel tund.Maimonides sind rüt mliche Ausnahmen. Es müßte jedoch jeder neuen Loge zur ihre gereichen, als Patron sich ejn rn Heroen der jüdischen Vergangenheit zu erwählen; man denke an Jehuda Hälevy, Ibn Gabirol, Ibn Esra, Raschi, Saadia. Aüch hierin sind di« amerikanischen Logen viel mehr als die deutschen auf den Konnex mit der jüdischen Vergangenheit bedach). Bemerkt sei, daß auch Baron Hirsch einer amerikanischen Loge den Namen gegeben hat. j J Auch die biblischen Qertlichkeiten enthalten noch mancherlei Namen, die sich für den ZweCk einer Logenbezeichnung durchaus eignen.“ In Amerika scheint eine Vorliebe fü>-solche Namen zu bestehen.1 Neben manchen etwas entlegenen Bezeichnungen sind doch auch s'olchje vorhanden, welche recht treffend sind, etwa Tabjor, Horeb, Karmel, Morijah, Hebron} Jordan, auch jParadies bezw. Gan Eden. Schließlich erscheint auch die Anlehnung an die grolßen Schriftwerke unserer Vergangenheit (z. B. Tljora, Psalmen, iMischna, Qemara, Talmud), sowie an religiöse Sytabole (z.B.Menorah, Scholar, Suckoh) durchaus angängig. *- . Der Name der Loge sollte nicht, wie dies nur zu häufig der. Fall ist, nur .eine reine'Formsache bedeuten. Insoweit der Name einer Loge, an eine (bestimmte Persönlichkeit anknüpft, müßte dieser im Rahmen der geistigen ArSeit innerhalb der Loge besondere Beachtung geschehkt'werden, ■ und es sollte mindestens einmall im Jahre, in dert Loge ein Vortrag gehalten werden, der in'einem gewissen Zusammenhang mit ider.’ Person .des Namensgebers steht.: Auf diese Weise -würden die Lojgen mehr al$ bisher zjur Kenntnis der | Großen unserer Vergangenheit beitragen.