Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 9/10 - September (9.1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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züglich der Leitung und Gesetzgebung im Orden haben soll die bisher das E. C. hatte, soweit' sich das E. C. Diese Rechte nicht ausdrücklich vorbehält. Neben diesem engeren Ausschuß, der natürlich nur die Leitung hat, sorgen einzelne Büros für die verschiedenen Zweige der Tätigkeit des Ordens. Am bekanntesten ist die Anti- Defamation-League (unserem Zentralverein entsprechend), die nunmehr in Canada von den dortigen Logen unabhängig von der Zentrale geführt w^'rd. Ein anderes Büro soll die Versorgung der Logen mit Rednern regeln. In Washington wird ein Büro unterhalten, das die politische Arbeit leisten und die enge Verbindung mit den amerikanischen Behörden aufrecht erhalten soll. Wie eng diese Verbindung ist, zeigt die Tatsache, daß Präsident Harding die Mitglieder des E. C. in Audienz empfing. Die „Bnai Brith News" geben ein Bild dieser Zusammenkunft wieder. Bei einem Diner, das anläßlich der Zusammenkunft des E. C. gegeben wurde, war der Staatssekretär für Arbeit und Einwanderung anwesend. Man soll die persönlichen Beziehungen, die sich auf diese Weise anbahnen, nicht unterschätzen. Aber nach den bisherigen Erfahrungen ist leider auf eine Hilfe der amerikanischen Regierung gegenüber den Vergewaltigungen der Juden in Osteuropa nur in beschränktem Maße zu rechnen. Besondere Aufmerksamkeit richtet der Orden auf die Einwanderung von Juden in Mexiko. Neuerdings landen viele Juden infolge der schweren Einwanderungsbedingungen der Vereinigten Staaten in mexikanischen Häfen, teils um dort zu bleiben, teils um auf Umwegen zum Ziele ihrer Wünsche zu gelangen.' Nunmehr werden von einem neuerrichteten Büro des Ordens Erhebungen angestellt über die Möglichkeiten, die Mexiko für die Einwanderung von Juden bietet. Die sozialen Institutionen des Ordens werden auch in Amerika immer weiter ausgebaut. Besonders, wo es sich um'das Kinderelend handelt, versagt das jüdische Herz nie. Man will die Sorge für jüdische Kriegswaisen in eigne Regie nehmen. Auch sonst soll eine rationelle Jugendpflege aufgenommen werden. Man will sich der Strafgefangehen annehmen, insbesondere der jugendlichen Verbrecher, und um dem Uebel an die Wurzel zu gehen, sollen Darlehnskassen gegründet werden, um die Not nicht zum Verbrechen werden zu lassen — ein umfangreiches Programm, dessen Ausführung wir mit brüderlicher Anteilnahme verfolgen. Was unsere amerikanischen Brüder für Europa, auch für uns in Deutschland tun, haben wir bei verschiedenen Gelegenheiten, jüngst erst wieder anläßlich der Anwesenheit Br. Seelenfreunds gesehen. Die Großloge hatte sich mit der Anfrage an die Exekutive gewandt, ob sie erlauben wolle, daß die Gelder des Rehabilationsfonds auch für notleidende Institutionen (Krankenschwesternorganisation) verwandt werden dürfen. Das E. C. wandte aber dagegen ein, daß die Gelder nur zu dem Zwecke gesammelt und . gegeben seien, um existenzgefährdete Brüder wieder aufzurichten. Daß auch Witwen von Brüdern ausgeholfen werden darf, wurde ohne weiteres gebilligt. V Vielleicht der wichtigste der Beschlüsse, die das E. C. gefaßt hat, betrifft die Stellung des Ordens zu anderen jüdischen Organisationen. Der Beschluß lautet: »Um das harmonische Wachstum und : die Festigung der Brüderlichkeit zu sichern,'hat der^ U. O. B. B. immer sireng an den Grundsätzen] seines Gesetzes und seiner Leitung festgehalten, daß keine Aktion unternommen werden soll durch den Orden oder irgend eines seiner Qlieder.-sei es innerhalb des Ordens, sei es im Zusammenarbeiten oder der Teilnahme mit 'irgend einer anderen Körperschaft, inbezug auf solche jüdische Fragen.jdie Rasse-, nationale oder politische Streitpunkte einschließen, über die die Ansichten innerhalb der Judenheit geteilt sind.»« Hiermit ist wieder einmal unsere Neutralität mit präzisen Worten zum Ausdruck gebracht. Nationale, politische und Rassefragen gehören nicht in unsere Tempel. Wir wollen an uns selbst arbeiten und anderen helfen. Mehr wollen wir nicht und mehr brauchen wir nicht. Möge die vergangene Sitzung unseres hochw. E. C. einen Schritt weiter auf diesem unserem Wege bedeuten.