Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1921-05-01 · Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921) · p. Seite 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 47 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6727475-6029105-6074467--0040-4866742
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Die Bibel ist die Weltanschauung des jüdischen Volkes, meint Heinemann in seinen »Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensanschauung«. Sicher haben die Juden wie jedes Volk, wie jede große Gruppe von Menschen nicht e i n Herz und einen Sinn, und gewiß ändern sich die Ansichten von Gemeinschaften im Laufe vieltausendjähriger Geschichte. Trotzdem ist es richtig, daß jüdische Weltanschauung auf der Bibel ftißt, zu der alles, Was jüdische Denker und Dichter in späterer Zeit hinzugefügt haben, nur wie ein Kommentar zum Urtext ist. Nicht so das neue Testament. Es ist keine Fortsetzung der'Bibel, keine Zusammenfassung, auch keine Steigerung, wie man behauptet, sondern etwas grundsätzlich anderes, und in der scharfen Herausarbeitung dieses Gegensatzes zum Judentum, in der Feinheit der Gegenüberstellung Wm christlicher, germanischer und jüdischer Anschauung liegt ein Hauptreiz des Heinemann'schen' Buches, das mit umfassender Kenntnis von Geschichte und Philosophie, Religion und Literatur fünf Fragen behandelt, die unser Leben bestimmend beeinflussen: Militarismus oder Pazifismus, Gottesgnadentum oder Volkssouveränität, die soziale Frage, die Frauenfrage und Erziehungsfrage. Es gibt vielleicht nur noch eine Frage derGegenwart,die von ähnlicher entscheidender Bedeutung für uns ist: die nationale Frage.— man denke nur an Oberschlesien, an Böhmen und Tirol — und wenn Heinemann sie nicht berührt, so empfindet er wohl die Schwierigkeit, gerade diesen unausgefochtenen Kampf innerhalb des Judentums auf Grund der Bibel zu schlichten. Denn hier versagt die Entscheidung, die Heinemann sonst mit Recht als den letzten Sinn unserer Stellung zu den Zeitfragen empfindet: ob wir uns zu der Oewalt — germanisch — zum Verzicht — christlich — oder zum Recht" bekennen wollen, ob wir »in der grausigen Poesie des nngelinderten Zusammenpralls aller Kräfte, ob in der unfruchtbaren Großartigkeit der Entsagung oder in dem Kampf um das Recht aller den Sinn des Lebens sehen . Letzten Endes sind alle Fragen der Politik Fragen der Weltanschauung, die erst den Wert oder' Unwert des Zieles bestimmt, und aus diesem Grunde dürfen wir nicht nur, sondern wir müssen in den Logen zu diesen aktuellen Fragen der Politik Stellung nehmen, indem wir mit Heinemann den Dingen auf dea.Grund gehen, Die jüdische Religion der Propheten scheute nie die unmittelbare Beziehung zu den sozialen und politischen Fragen, sie suchte sie vielmehr. »Erst im Verhältnis des einzelnen zum einzelnen und des Volkes zürn Volke kann sich die sittlich-religiöse Gesinnung des Menschen zeigen«. Nicht unsere Stellungnahme zur sozialdemokratischen Partei behandelt Heinemann in seinem Votj^ag über die soziale Frage, sondern die Frage, ob die Erhaltung und Vertiefung sozialer Unterschiede oder die völlige Oleichmachung des Kommunismus, ob die leidenschaftliche Bejahung der materiellen Werte beim marxistischen Arbeiter oder die besitzfeindliche Tendenz des mönchischen Christentums unserer Religion entpricht. Nicht auf die Zweckmäßigkeit der Revolution kommt es in unseren Betrachtungen an, sondern darauf, wie geschichtlich der Glaube an das Gottesgnadentum entstanden ist, und wie das Judentum sich dazu und zur politischen Betätigung überhaupt stellt. Sind wir Pazifisten nur aus? Ist der Krieg nicht ihr .Herrscherrecfit zit' chte rjchti'g zu stellen? Krämergeist, aus plätter Nützlich (eitsmoral, weil die Ge: schaffe im Frieden besser gehe notwendig, um starken Völkern geben und die Uhr der Weltgesch Oder sollen wir mit dem Chrifjtenturn, nur Selbstüber Windung lehren und die linke jlfange hinhalten,' wenn man uns die rechte schlägt? Aufstieg der Frau verhindern? Will das. Will es Judentum, »de^n die Frau dem . Mahn völlig gleichstellen? Wollen wir von unseren Kindern Disziplin oder Entfaltung der Persönlichkeit? ^- Mit Absicht werden hier nur die Fragen aufgeworfen. Es kann nicht der Zweck dieser wenigen Zeilen sein, die Antwort Heinemanns zu geben und die Lektüre des Buches für bequeme Leute überflüssig zu ..machen. Gute Bücher sollte man abschreiben, aber man sollte nicht einiges zufällig aus ihnen zitieren. ' ■" ' Es könnte vielleicht einirw I vorkommen, daß ein Logenpräsident um Stoff für eine n Sitzungsabend' verlegen ist So sollte er .einen der fünf Vorträge Wortwörtlich vorlesen lassen. Heinemann silbst ist sein bester Re-. ferent. Brüdern und Schweste n könnte so ein unverzur Bibel kämen. . . Emil Felden: Die Sünde M. 15.—, geb. M. 20.—. Berlin. Das volksvergiftende Buch Muß dehn immer einer sagen? Kann nicht, wie geßlicher Genuß bereitet werden von uns von sich aus »Neues« es in alter Zeit war, das Vorlesen aus Schriften uns die Anregung verschaffen, die wir h iben wollen und müssen? Vielleicht wäre' es der schönst« Lohn des Autors, w?nn wir über ihn. selbst und das Lesen seines Buches .hinweg R. Leszy n sky. ■ wider das Volk. Geh. Oldenburg & Co., Verlag. ■ von Ärtur Dinier: „Die Sünde wider das Blut" ist alliutief in die Massen gedrungen, die nicht imstande s nd, durch dieses Lügengewebe hindurch zu sehen uid die absichtliche Verdrehung von- Recht und Wahrheit zu erkennen. Darum ist es gut, daß Emil Felden i:inen Roman geschrieben hat, der in leicht faßlicher Form mit diesem Schmutz aufräumt Felden führt uns in das Elsaß, und zeigt an einer Reihe prächtig geschilderter Gestalten, wie in dieses Land durch unverständige Politk, die die Seele vergiftet, der Joden- und Preußenhaß getragen wurde. - Friedrich Kramer, der Söhn eines Schleusenwärters, macht es sich zur Lebensaufga >e, gegen diese Weife von Schmutz anzukämpfen; in einer antisemitischen Versammlung wird er erschlagen. Wie fein und still ist die schildert, die Friedrich in inniger Liebe zugetan ist, der sie aber in schwerem Kampfe enti agt, um dem Vater keinen Schmerz zu bereiten. Wie glä izend ist der Hetzapostel Adolf Finster in all seiner Verlog« nheit charakterisiert, dessen Unkenntnis in edlenWettbewerb Wir wünschen dem Buch breitung im Dienste der Wahrheit. Vielleicht; daß auf dem Wege über den Roman die Erkenntnis ins Volk jjeht, das dickleibigen Büchern unzugänglich ist, daß der Haß, der gegenwärtig Deutschland erfüllt, nicht nur eine Sünde gegen die ist, gegen die er sich richtet, sondern vor allem gegen das eigene Vdlk. Breslau. Dr. Willy Cohn. ' Gestalt Mirjam Loebs gern it seiner Gemeinheit tritt eine möglichst weite Ver- - 47 -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.