Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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deren Verleger Juden sind. Dennoch sei die gesamte deutsche und amerikanische Presse „verjudet",' weil sie aus Furcht, die Inserate jüdischer Firmen zu verlieren, keine judenfeindlichen Artikel bringe! Taft meint, wenn diese Befürchtung begründet sei, so könne man sich nur darüber freuen, dann sickere eben nicht das Gift judenfeindlicher Verhetzung in die friedliche Bevölkerung. In der Hilfsbereitschaft der Juden gegeneinander — die leider bekanntlich viel zu wünschen übrig läßt! D. Ref. — sieht Präsident Taft keinen Makel, sondern weit eher einen nachahmenswerten Vorzug der jüdischen Gemeinschaft. |' Eine „Judenfrage" gibt es für Mr. Taft nur, wenn es sich darum handelt, die in den Ländern der Barbarei schwer leidenden Juden, die die Hälfte aller auf der Erde leibenden Juden darstellen, endlich aus dem Zustande der Rechtlosigkeit zu befreien und sie gegen Unbill und Massaker sicher zu stellen. „Diese Frage hat die Juden aller Länder aufgeregt, und sie haben sie in nobelster Weise beantwortet." Einen breiten Raum nimmt in Mr. Tafts Referat die Verteidigung der deutschen Juden gegen den Vorwurf ein, sie hätten nach der politischen Umwälzung die Macht an sich gerissen. „Der bittere Judenhaß in Deutschland hat die Mehrheit ('<" D. Ref.) der deutschen Juden in die Opposition gegen die Regierung und in die verschiedenen Abarten des Sozialismus hineingedrängt." Mit einer Gründlichkeit, die wahrlich einer edleren Sache würdig wäre, geht Mr. Taft auf die unsinnigen „Protokolle der Weisen von Zion" ein und widerlegt schließlich die ebenso unsinnige Behauptung, Juden seien die Begründer und Träger des Bolschewismus, der letzten Endes auf die Errichtung einer jüdischen Weltherrschaft abziele. Amerika könne vor einer Ueberflutung durch jüdische Bolschewisten sicher sein, denn die Juden sind friedliche, vernünftige Kulturträger. „Ihre Klugheit, ihr Fleiß, ihre Geschicklichkeit, ihre Zielstrebigkeit und ihre Unternehmungslvst tragen bei zum Gedeihen der Gemeinde und des Staates; kein Gebiet menschlichen Schaffens gibt es, auf dem sie nicht bereitwillig und erfolgreich arbeiten. Es gibt unter ihnen Gute und Schlechte, und die Guten unter ihnen verurteilen das Schlechte, das ihre Glaubensgenossen tun, mit derselben Schärfe, mit welche* die Guten anc erer Bekenntnisse und Rassen in Amerika ihn: irrenden Genossen brandmarken." Abgesehen von diesen Vortrage,' hat Präsident Taft auch eine ganz e lergische Kundgebung gegen den Lügenfeldzug unter judenfeindlicher Flagge erlassen. In geradezu wundervollen Worten rühmt Taft das durch die Jahrhunderte betätigte patriotische Vei halten der .amerikanir sehen Juden und ruft da > Gewissen der amerikanischen Christen wach, ihm in diesem Kampfe gegen den Antisemitismus beizustehen, für den es „hierzulande nicht die leiseste Berechtigung" gebe. Als erster hat Woodrow W i I so n, der Vielgeschmähte, seinen Namen unter,diesen Protest gesetzt. Es folg« n: KärdinaJ Ö'Connell, Bischof Brewster, Senato ■ Beveridge, der Rektor der St. Stephans-Universität, Bernard j. Bell, sein Kollege von der Columbia Universität, Butter( der Erzbischof von New Vor <,'Patrick J, Hayes;,der frühere Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Lansing, und viele, viele andere Außer diesem Aufruf ist noch ein zweiter ergangen, in welchem die führenden Personlichkeiterw der christlichen Religiqnen das amerikanische .Volk auffordern, die religiöse Freiheit in ihrem Kampfe gegen Vorurteil,.'Fanatismus und Bigotterie zu verteicigen. Der Aufruf steift fest, daß eins der une treulichsten Ergebnisse des Weltkrieges eine Periode religiöser Verfolgung sei, die über viele Länder" dahirrorause. Diesen Aufruf zum Schutze der religiösen Minderheiten haben u.a. unterzeichnet: Bryan, Kardinal Gibbons, Hoover, Hughes, Lansinj, Taft. Daß demgegenüber ein amerikanischer Geistlicher, D r. W i I b u r F. C r a f t s in Washington, Stimmung für einen Gesetzesentwurf macht, der den Juden die Hejligha tung ihres Sabbattages verbieten und den' Sonntag als den.alleinigen Ruhetag gesetzlich fest egen will, ist £war ein trauriges Symptom für die wachsende Intoleranz im „Lande der Freiheit", ändert aber nichts an der Tatsache,,daß die Intelligenz der Vereinigten Staaten in ihrer überwiegenden Mehrheit den Judenhaß verurteilt. Kirchliche Gemeinschaften haben sogar einmütig hre Stimme gegen den Antisemitismus erhoben, z. B.'die große Kirchenversammlung, die nach vierjähriger. Pause in Boston stattfand; sie „beklagt all die grausamen, — 45 —