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Der Orden Bne Briss · 1921-05-01 · Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921) · p. Seite 35

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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"V . ■ : / :•' i; •■;. wurde sie gern gewährt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch jenseits der Grenzen konnte man auf die Fürsorgetätig Keit der Logen rechnen. Ueberall standen Brüder an der Spitze der Wohlfahrtsbestrebung. So kam allmählich die Logenarbeit immer mehr Außenstehenden zugute.! Eine weitausschauende, systematische Fürsorgetäjfigkeit wurde entfaltet. Hand in Hand damit gingen Bestrebungen zur sittlichen Hebung der Stammesgenossen. Jüdisches Wissen, geschichtliche Kennthis wurden verbreitet. Allen Fragen des öffentlichen Lebens wurde rege Teilnahme bewiesen, f In dem großen Fluge, den die Entwicklung in dieser Beziehung nahm, erschien nach und nach der Wunsch nach gegenseitiger Unterstützung, wie ein Herabsteigen von der Höhe der großen Ideale. Immer peinlicher wurde der Gedanke empfunden, daß etwa eigensüchtige Vorteile den Bruder an die Loge fesselten. In jeder Arbeit für den engeren Kreis barg sich die Gefahr des Eigennutzes und eines Nachlassens im Eifer für das Ideal: „Ueberwindung der eignen Persönlichkeit zum Wohle der gesamten Menschheit." Endlich faßte der hochgesinnte Führer, dessen vorbildliche Arbeit noch heute begeisternd nachwirkt, die Gedanken, die damals die Besten unter den Brüdern bewegten, in den Satz zusammen : „Nichts für uns, alles für die! Gesamtheit." "1 Das Glück hat sich gewendet. Der Zusammenbruch Deutschlands hat auch unter den Brüdern einen wirtschaftlichen Niedergang nach sich gezogen. Als wohlhabend geltende Brüder haben mit der Sorge um das tägliche Brot zu kämpfen. Soll dieser Not gegenüber noch der Satz :' „Nichts für uns, alles für die Gesamtheit" gelten? Lebhafte Bedenken werden gegen seine uneingeschränkte Anwendbarkeit laut. In der Tat, nichts wäre weniger brüderlich, als aus reiner Theorie dem eignen Bruder die Hilfe zu versagen. Eine Verleugnung des Logenideals ist es, bei der Sorge des Nächsten ungerührt zu bleiben, aber fernen, rioch so schönen Aufgaben sein ganzes Interesse zu weihen. Er, der den Satz: „Nichts für uns,' alles für die Gesamtheit" prägte, wurde es heute als eine Sünde betrachten, wenn diests Wort zu einem Schlagwort werden sollte, das den Weg zur wahren Bruderliebe versperrt. Praktisches Judentum, das Ziel der Logen, verträgt sich, nicht mif Hartherzigkeit gegen den eignen Bruder! Die wirtschaftlichen Verhältnisse stellen uns , vor neue Aufgaben. So darf der Lebensabend unserer Brüder nicht in Sorgen enden.' . Gewichtige Bedenken^bestanden, früher gegen besondere Altersheime. Heute sind diese eine - Notwendigkeit. Vielen, die früher in kräftigenden Bädern Erholung und Heilung fanden, fehlen j* heute die Mittel dazu. Nur gemeinsame Unterstützung kann helfen. Zur Ertüchtigung unserer Jugend,tut ein Aus? tausch unserer. Kinder von Stadt zu Land not. Den Söhnen und Töchtern, die fern von den Eltern zur Ausbildung oder Lehre weilen, müssen sich gastliche Häuser öffnen. Von. einem weiten Feld gegenseitiger Unterstützung sprechen die vielen Anregungen in den letzten Logenblättern. Ist etwa zu befürchten, daß die Loge, wenn - sie die Not der eignen Brüder zu. steuern bestrebt ist, ein Verein ' zur gegenseitigen Unterstützung wirc? Sicher nicht. Noch leben die - großen Idealej noch ist die Heranbildung deseinzelnen zu einem Edelmenschen das Ziel. Das Streben nach Vertiefung ist sogar gewachsen. Künstlerische und wirtschaftliche Interessen fin-' den Anklang. Für Anstand, Takt und vornehme' Oesinnung haben wir noch genug Vorbilder, unter uns. Wir können nicht mehr .bei jeder Not helfend eingreifen. Nicht mehr läutet unser Ruf freudig und stolz: „Nichts für uns, alles' für die Gesamtheit." Wir müssen zeitweise die Ziele unserer Fürsorgetätigkeit zurückstecken. Allein unsere Ideale sind uns nicht verloren gegangen, aber unserer Arbeit sind Grenzen gesetzt. Nur müssen wir auf der Höhe sittlicher Entwicklung bleiben, und die Gefahr des Eigennutzes überwinden. In unseren eignen Reihen wird unsere Hilfe'nötig. Hüten wir uns, daß die Erwartung eigennütziger Vorteile den Weg zu uns bahnt' oder an unsfesselt.. Auch in Zukunft darf nur. derjenige zu uns kommen, der nichts für sich' verlangt und mit seiner ganzen Person allein der Gesamtheit dienen will. Strengere Prüfung und' Sichtung bei der Aufnahme von Brüdern sind geboten. Der geringste Zweifel an der Selbstlosigkeit des Aufnahmesuchenden Warnt zur Vorsicht. Der Wetteiter im Werben neuer.Brüder muß nachlassen. Das vorbildliche Wirken der Loge selbst soll schon einen Anziehungspunkt bilden. 35 — . "

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