Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1921
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gilt der Grundsatz: „Nichts für uns, alles für die Gesamtheit" heute hoch uneingeschränkt? Von Br. Magistratsrai Dr. Ad. Neu mann (Deutsche Reichsloge) Richtunggebend kann zu dieser Frage nur der Bruder Stellung nehmen, der selbst mitten in dep Logenarbeit steht Den rechten Weg weist nur eigene Erfahrung. Es kann sich daher hier lediglich um eine objektive Erörterung auf Grund des vorhandenen Materials handeln. Wie ist der Satz „nichts für uns, alles für die Gesamtheit" entstanden? Woher rühren die Bedenken gegen seine Anwendbarkeit? Die Vertiefung in das Logenschrifttum wird dies klären. Ein solches Studium empfiehlt sich vor allem für den Bruder, dem die Abneigung gegen Aeußerlichkeiferi die innige Fühlungnahme'zur Loge erschwert. Ein bewundernswertes Bild wird sich ihm enthüllen, das ihn mit ehrfurchtsvoller Scneu .vor der Größe des Vollbrachten erfüllt. Mag Menschliches, allzu Menschliches dann und wann die Anregung gegeben haben, das Ganze ist ein monumentales "Zeugnis aufopfernder, unermüdlicher Hingabe an das Ideal: rwerde zum Segen"^ . Unwandelbar ist ijn Laufe, der Zeiten das Ziel geblieben. Wohlwollen, das die gebefreudige Hand führt, Bruderliebe, die (den Weg zum Bruder findet, und Eintracht, die^für den Frieden wirkt. Geändert hat sich uiter ddtn Einfluß der wechselnden, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse die Art der Betätigung. In Zeiten, in denen schwerer wirtschaftlicher Druck auf den Brüdern lastet, haben sie ihre Liebestätigkeit zunächst einander zu bewähren. Wenn ihnen draußen Abneigung oder sogar Haß entgegentreten, wirdi ihr Verlangen nach engerem Zusammenschluß unter dem schirmenden Dach der Loge reger. Sobald sich aber die wirtschaftliche Lage bessert und die Beziehungen zur Umwelt ungehemmter sind, kann sich die Bruderhand für jeden Bedürftigen öffnen und der Kreis der Logeninteressen an Ausdehnung zunehmen. In dieser Beziehung bietet sich in Amerika, de.Ti Heimatland der Logen, das gleiche. BTld wre bei uns. Dies mag folgender Rückblick zeigen: Beim Beginn der Logenbewegung in Amerika standen' an der Spitze Männer aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, die selbst mit vvirtschaftlichen Sorgen zu kärnpfen hatten. Riehls war natürlicher, als daß sie zunächst ihre Bruderli;be in gegenseitiger Unterstützung betätigten. Das hinderte siei nicht in der Arbeit an ihrer sittlichen Vervollkommnung. So ist es ihrem Idealismus zu verdanken,- daß brüderliche Gesinnung ein einigendes Band zwischen den jüdischen Gemeinschaften in Amerika, die damals. Zwietracht und kleinlicher S|treit von einander trennten, knüpfte. Jede Gemeinde hatte ihrer, eigne« Welt gelebt. Der Zusammenhang War immer loser geworden. -Da war £s die erfolgreiche Arbeit der Gründer der Logenr die durch ihr Wirken und Werben, im Dienste dfes Friedens den Geist der Brüderlichkeit belebten. Mit sich ausbreitendem Wohlstande wuchsen die Aufgaben. Die Loge bildete keine Grenzen mehr. Allen Bedürftigen kam ihr Wohltun zu gute. Heut gehen die amerikanischen Logen in jeder Hilfstätigkeit voran. So sind sie der Mittelpunkt des amerikanischen Judentums geworden. Die Anerkennung ihres Wirkens war die Wahl ihres Orqenspräsidenten zum Vorsitzenden des jüdischen Kongresses*). « Eine ähnliche Entwicklung nahm das deutsche Logenwesen. Auch ihier lebten die Begründer der Loge in bescheidenen Verhältnissen. Selbstverständlich reichten sie zunächst einander die I '. 0 Bruderhand. Die Unterstützung der in Not geratenen Brüder und die Sorge für die Hintrrbliebenen waren ihre vornehmsten Aufgaben. Erst mußten sie sich gegenseitig stützen, um anderen helfen zu können. Neben dieser Fürsorgearbeit wurden die großen Logenideale nicht vernachlässigt. Ein eifriges Bildungsstreben War von Anfang an in ihren Reihen. Mit der Zeit gestattete der wirtschaftliche Aufschwung d e Hilfstätigkeit auch für Nichtbrüder. Kulturelle Bestrebungen wurden gefördert, jede gemein same jüdische Angeleg enheit fand in der Loge eine n Widerhall. Wo die] Mitarbeit notwendig wa-, *) Br. Kraus war im Präsident des Kongresses — 34 Jahre 1917 nur provisorischer; allerdings wurde er dann auch tum permanenten Vorsitzenden vorgeschlagen, konnte iber dieses hohe Amt w;gen anderweitiger Ueberlastung nicht übernehmen. D. Red.