Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 8/9 - Oktober
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, Oktober 1920. BERICHT der GROSSLOGB M Narpmer 8/9. ling D Till II 9. Ü n. A Eigener Verlag irr Grossloge. ByreaM: W62, Kleiststr. 12. Telephon: Amt Litzow 4619. Postscheck: 163» Nachdruck aimtllchar Artlkal aut dlaaan Bari . Von Br. Min Inhalt: Der Menschheitsgedanke. des, Ordens an der Bekämpft Hans O Ol I ar. — Orden und Völkerbund. Von Br. Dr. Panl Nathan. — KinderheiUtä ten und Ferienkolonien. Von Br. Dr. E. FlnkeU uag Br. Dr. Alfred O o I d s c h tn I d t. ,— I erienheime. des Antisemitismus. Von Br. Dr. Hcineminn. San.-Rat Dr. Orflnu ald. — Der Antat! Loge und Wirtschaftsleben. Von Br. Reg.-Rat Die folgenden Zeilen sind denen zum Trost geschrieben, die angesichts der MoralverWüstungen des Lebens an dem Aufstieg der Menschheit zu verzweifeln geneigt sind. Das Unglück der Welt hat zu einem allgemeinen Haß der Völker und Menschen geführt: die Sieger hassen die Besiegten, die an dem Kriege „schuld" sind, die Besiegten die Sieger, die sie zum Zwecke des „Wiedergutmachens" aussaugen. In den einzelnen Ländern hassen sich die Parteien, die die „Weltenwende" von anderen Gesichtspunkten und anderen Zielen aus ansehen wollen. Der Arbeiter haßt den Kapitalisten, der Kapitalist den Arbeiter. Den schlimmsten Haß aber haben die Juden auf sich gezogen — ganz natürlich, denn sie sind stets in allen geschichtlichen Zeiten die Angreifbarsten in der Windrichtung der Entladung von Haß- und Unmutsgefühlen der Masse gewesen. Die treibende Kraft Ist Dummheit und Unverstand oder politische Bauernschlauheit, die Parteierfolge über Menschheilsziele stellt. Die Juden haben darum das größte Interesse an einer Aufwärtsbewegung der Menschheit und der Beseitigung niedrigster Empfindungen, die ein natürliches Abfallsprodukt der Zeit sind. Die folgenden Zeilen sollen nun diejenigen Momente in besondere Beleuchtung rücken, die ein Beleg dafür sind, daß der Menschheitsgedanke nicht aus der Welt geschwunden ist, sondern daß es Parteiuogen und Einzelwesen gibt — und dies sind gerade die besten -W die ihm zum Siege verhelfen wollen. Der Mensch heitsgedanke. Von Br. Dr. Alfred G o l'd s ch m i d t'- Bferlin. Wer den Weltkrieg mit seinen teuflischen Angriffen zu Wasser Und zu Lande, In der Luft und in den Tiefen als ein Nlcbt-zu-überbietendes In der Entfesselung menschlicher Leidenschaften anzusehen geneigt ist, der möge sich daran erinnern, wie früher Krieg geführt wurde, wie die Träger geschichtlich berühmter Namen ihren Ruf durch bestialische Grausamkelten an gefangenen Feinden schändeten.' Im Kriege galt bei allen alten Völkern als ein . ewiges Gesetz, daß Menschen und Habe, somata kai chretnata, dem Sieger irgendwie gehören.1) — Bei de* Römern kam es gelegentlich vor, daß Kriegsgefangene den Tieren vorgeworfen wurden.2) Der oströmische Kaiser Basilius II. soll im Jahre 1014 15 000 gefangene bulgarische Krieger haben blenden lassen.3) Friedrich Barbarossa ließ an 12 gefangenen Mailändern schlimmere Grausamkelten verüben.4) Zu Friedrichs des Großen Zeit hatte der Kriegsverlelzle keinerlei klagbaren Anspruch an den Staat. , ' Noch ist die Zeit nicht gekommen, in der die Anschauungen Treitschke's von der Trennung der ' ■ t- I '.i . ' f .. •] U ■■' ■«'"•• ') Jacob Burckhardt „Griechische Kulturgeschichte". J) L. Friedländer „Darstellungen/ ^)us der " Sittengeschichte Roms in der Zeit von Augustus bis zum Ausgang des Antonius," Leipzig 1865. , *) F. Gregorovius „Geschichte der Stadt Athen, im Mittelalter." *) Alwin Schultz „Das höfische Leben zur Ait der Minnesänger." ' / — 91 —