Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 11/12 - Oktober
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 141 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Frauenfrage im Orden. Von Ernestine E s ch e I ba c h e r - Berlin. Der Orden war es und die Logen im einzelnen, denen die große sozial-organisatorische Aufgabe zufiel und verblieben ist, mittels der in ihnen wirksamen sittlichen, religiösen und ethischen Kräfte verschönernd und verbessernd in ihrer eigenen Welt zu wirken. Der Orden war es, der dem großen Kreis der Logenangehörigen, dem Strebenden, sich selbst fortgesetzt Bildenden und Werdenden nicht minder wie dem Gewordenen, eine eigene Oesellschaft gründete, die ihnen gab, was die Außenwelt ihnen versagte: ein Verstehen und sich immer Nähertreten, «in Oefühl erhöhter Zusammengehörigkeit, das in allen Lebenslagen standhielt und den Kitt bildete zur Befestigung wahrer Freund-' schart. Im ersten Teil des Ordens- und Logenlebens, in seinen Anfängen, waren die Frauen noch völlig abseitsstehende, nicht dazugehörige. Ihre Anteilnahme am Aufbau desselben war nicht vorgesehen, kein Raum für sie geschaffen. Aber die innere Frauennatur suchte auf dem Boden, auf dem der Gatte, der Vater, der Bruder so hingebend gern tätig war, Gelegenheit, auch ihrerseits den Anschluß zu finden. Die Freundlichkeit J und das Interesse, mit denen gearbeitet wurde, der reine und edle jüdische Geist, der gepflegt wurde, teilte sich den Frauen mit. Sie schlössen sich zusammen an den Abenden der Brüder, zu denselben Stunden, in denen diese ihre Sitzungen abhielten. Nach . Schluß derselben verlebte man in schöner Gerneinsamkeit gemütliche anregende Stunden Jid in dieser Erweiterung des Logenlebens g eine Erhöhung und Verbindung der teressen. Es war damals die Zeit schwerer antisemitischer Bedrängnisse, die l Zeit tiefgehender sozialer Umwälzungen und hierdurch bewirkt die Zeit stetig auftauchender neuer Probleme., Die Uebersiedlung vieler jüdischer Familien in die Städte, die Industrialisierung, der starke Zuzug aus dem Osten, die dadurch hervorgerufene Notwendigkeit der gerechten Beachtung der Armenverhältnisse durch soziale Wohlfahrtsschöpfungen, alles das waren Gesichtspunkte, die in den Kreisen der Brüder 'mit warmem Herzen und weitschauendem Blicke betrachtet wurden. Die Logen bildeten mehr und mehr den Mittelpunkt der Berufenen und Auserwählten, derer, die sich einsetzten für das Schieksa.1 der Armen, der Bedrückten, der Sorgenden und Beladenen. Und der große Kreis vortrefflicher Männer, die mit patriarchalischer Weisheit1 und Fürsorge unausgesetzt tätig waren, ermüdete nie, wie er es auch heute tut, Mittel und Wege zu finden, zu bessern, zu helfen und zu erheben. Gegen dJe Not und Sorge unseres jüdischen Proletariats, der aus dem Osten zu uns einströmenden Massen, galt es die umfassendsten Hilfsaktionen in Fluß zu halten. Da waren es denn die Frauen, die den;idealen wahrhaft jüdischen Hilfsgedanken zur Tat umwandelten. Die LOijen-Frauen-Vereine, die sich in rascher Folge gebildet hatten, ergänzten durch ihr Mitarbeiten aufs harmonischste die sozialen Bestrebungen der Brüder. Anfangsnoch tastend und unsicher, entwickelten sich die Frauen rasch und verständnisvoll, und wir dürfen heute sagen, daß sie im Leben und in der Auswirkung dessen, wjas der Geist und der Wille zum Guten im Orden geschaffen, von tiefgehendem Einfluß geworden sind. Alle die großen Taten sozialer Hilfseinrichtungen, die den Bau der Logen fundjeren, stärken und zum.Segen werden lassen, haben dem Fleiß der jüdischen Frauenwelt vieles - 141 -