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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-07-01 · Nr. 8 - Juli · p. Seite 84

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 8 - Juli
Date
1919-07-01
Page
Seite 84 (sequence 6)
Language
German
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und ais Ausdruck unserer tiefen Sympathie für unsere Logen (n den östlichen Provinzen,' wifd Br. Baerwald Bremberg' vom General komitee einstimmig mim Vizepräsidenten der OroBloge gewählt Die Frage der Zusammensetzung des Generalkpmüces und der Wahl wei.eer Vizeb äsidenten wird vcriagt. In d<h Wa^;votberei»ung,-atisschuß werden dre Brüder: Kuznilzky.. Ginsbrrg, iein, Merzbacb, Apfel, Scbulhöfer und Le#insky gewählt. Zu Punkt 5: Themita für die? Tagung. Die Aufsäizi der BBr. Müuz-K'i'jin^en: „Demokratisierung des Ordern" und S'einb|ardt-Magdeburg: , Ncuorientierungim Logenlehtm" sollen allen Brüdern de* Oeneralkomit*e5 zugehen. Es erscbe'nt nunmehr, begüßi vom Groß- Präsidenten, Br. Rabbiner Dr Baeck-BerHn, der eingeladen war, um über das Thema; „Freie jüdische Volkshochschule" zu rehritren und gleichzeitig einige Bemerkungen über dieJüdiseheAkadeitoie anzufügen. — Dr. Baeck führt etwa folgendes aus: Die Gründung der Freien jüdischen Volkshochschule fällt in eine Schicksalszeit der deutschen Juden. In den letzten anderthalb Jahrhunderten sind die deutschen Juden die Führenden in den geistigen Kämpfen des Judentums gewesen. Mendelssohn war es, der jüdisches Leben mit dem Kulturleben seiner Zeit verknüpfte. Zunz wandte die tieut-che Methode der Wissenschaft auf jüdisches peis!eslebei an. Samson Raphael Hirsch, Geiger uiid Graeiz waren als deutsche Juden Führer des jüdischen Geisteslebens. Heute droht. der jüdischen Gesamtheit Deutschland« der Verlust wichtiger Gebiete. Es d^rfe die Bedeutung der Zahl für das geistige Leben nicht unterschätzt werden.1 Wird die Zahl eine zu geringe, so Ist kein genügender Boden für die produktiven geistig.;-! Krä:»e mehr vorhanden. Das Beij&pie! Italiens, ror ^allein aber auch Frankreichs und Englands zeigt d es in der Gegenwart. Bei dem .Rückgang an Zahl, dem wir au'gese'zi sein sollenj scheint d^s Schicksal fieser Länder d m jüdischen Leben in Deutschland bevorzustehen. Das einzige Mittel hiergegen sei die geistige Krätijgung. Wird unsere äußere Bedeutung geringer, dann muß die innere wachsen. Dabei dürfen wir uns daran erinnern, daß alle bedeutsamen Fragen des jüdischen Geisteslebens seit fünf Generationen auf deutschem Boden durchgekämpft worden sind, und daß wir noch beute die Narben dieses Kampfe? an uns tragen. Wir können zwei Epochen unsares Geisteslebens unterscheiden, die Zeit der Großväter; uod die Zeit der ' f 1 1 Väter. Bei unseren Qroßvätern sei es selbvermuidlieh gewesen, dal mm zunächst Jude war und als sokffer lebte. An z veiter Stelle erst sei die Blciebuig zur Umreit, zur Kultur der Welt gekommen. In den Tagen unserer Väter sei berei's die Zuge'iör gkeit zum Leben des Vaterlandes ein Natürliches gewesen: die Stelling nls Jude, die innert Haltung habe man sieb ers erkämpfen müssen. Si sei jeder,- der sich dmvhgeru gen habe, durch einen geistigen Kampf hindurchgecangen Nicht nur für das Genie sei Kampf «um die Mgetrart r*as wahrhaft Wesentliche. Dies gelte auch füi die. anderen, und ganz besonders für uns Juden. Der Jude sei komplizierter. C egenüjber einer Geschichte v n 1000 Jahren, In der die Umwelt lebe, besäßen wir eine Geschichte von drei Jahrtzi'senden. Aus anderen, ans älteren Augen betrachten wir die WeU. Au > den Wirrnissen der Ze t muß en wir zu uns selbst kommen, den Weg zum jüdischen Leben, zur jüdisch en Seele finden. Seit Jahrzehnten sei jüdisches Wiss :n -verbreitet worden; n an müsse den Vereinen für jüdische Oeschlchte un< Literatur dankbar für die Aireging sein, die sie un: gegeben hätten. Aber es Ii :ge doch in dem Ganzen zu wenig System, zu wenijj Methode. Es wäre Anregung, aber kerne Wisser schaff, Unterhaltung, n1:ht Unlcrrich'ung gewesen. Es müßte nun der längere Weg eingeschlagen werden, der aber schließlich darum der kürzere sei, weil;r sicherer zum Ziele füVt. Diesen Weg wollte die Sei izffur.g einrr Freien jü^i-c hen Volkshochschule zeige i, die runmebr in i ir zweites' Semester eingetreten ist. Ihre Aufgabe sei, die Gebildeten sy?*emat«ch zu unterrichten, ihnen die Kenntnis vom Julentam und seiner Ge3:hiciife zu verschaffen. Au> diese Weise würde der Gesamtheit jüjisrhes Wissen übermittelt. Es sei erfn u'icb| d?ß n%bm Berlin sicr aurh Brodau ceregt h ibe. i Diese Fr^ge sei v>r allen wichtig?ü' den Großitadt-Juden. D-rKttfnstadij-.ide gehöre gewissermaßen schon durch seine bloße Ex;s»:nz der jüdischen Gerne nsctiaft an; -er sei mit meiner Gemeinde eng verkrüpfi. Der GroBstad.-Jude mußte sich erst zu ibr finden. — Erfreulich' tei n in 'estzustellai, daß die Zunahme der Hörer sehr bald eine beträ:btliche gewesen sei. In einzelnen Voilesungen sei sie au! 20) gestiegen, wobei 5% Andersgläubige gewesen seiei, yie «ich über das Judentim unterrichten wollten. So darf man wobl ßie I loffnung hegen, daß e ne geistige Ersfarkung des jüdischen Lebens von der freien jüdischen Volkshochschule ausgeben werde. Zur Schaffung einer Volkshochschule müßten sich aiueh ver- 84 —

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