Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 7 - Juni
- Date
- 1919-06-01
- Page
- Seite 77 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Plan, die lebhafte Diskussion hafte zunächst die Bildung eines Ausschusses für Jugendfürsorge unter Leitung unseres verehrten Vizepräs. Br.' Prof. Brann und die Bildung eines Jugendvereins auf neutraler Grundlage zur Folge, welcher schon über 100 Mitglieder zählt. Inzwischen ist es uns gelungen, die hiesigen 22 jüdischen Jugendvereine der verschiedensten Richtungen bis auf eine einzige kleine Gruppe zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzuschließen, die sich als ihr Hauptziel die Bildung etaer Freien jüdischen Volkshochschule gesteckt hat. Wir wollen eine Art'jüdische Humboldtakademie ins Leben rufen; wir rechnen auf die Mitwirkung angemessen honorierter Lehrkräfte aus allen Berufsständenj auf Hörer aus allen Kreisen und Altersklassen unserer Gemeinde. Völlige Lehr- und Lernfreiheit soll das Interesse aller religiösen Richtungen sichern: So soll aus der Initiative der Lessingloge durch die hoffentlich zu erreichende. Unterstützung aller größeren Vereinigungen, in erster Reihe der Gerne indekörperschaften, eine Anstalt hervorgehen, die jüdisches Wissen, besonders Schriftkunde, Geschichte, Religions- und Kulrurphilosophie Verbreiter hilft. Wer weiß, daß die jüngere Generation nur noch ganz oberflächliche Kenntnis vön jüdischer Wissenschaft ihr eigen nennt, kaum eine Ahnung hat von der Erhabenheit und Schönheit der jüd.' Literatur, von dem namenlosen Leide unserer-AJtvorderu, von den glorreichen Taten unserer Ahnen, der wird uns unterstützen In unserem heißen Bestreben, die Geschichte unseres Volkes wieder aufzufrischen, wachzurufen die verklungenen Lieder unserer Dichter, aber auch Gegenwartsfragen der Betrachtung der Hörer nahezubringen. Das ist so recht die Aufgabe einer Loge unseres Ordens. Unser Neutralitätsprinzip befähigt uns, die religiösen Spaltungen zu überbrücken, die Parteien auf den Weg zu führen, der uns allen gemeinsam ist, und Kunst und Wissenschaft zu pflegen, wie es unsere Ordenstendenzen gebieten. Mit einem herzlichen Danke an den Beamtenrat sowie an die L BBr. für die eifrige Mitarbeit und Unterstützung schließt der Bericht des bewährten und rührigen Präsidenten, der sich durch seine unermüdliche Hingabe den wärmsten Dank Großloge und des Ordens erworben hat. der Erfurt-Loge. (Bericht.) Nach Efjikehr ruhigerer Verhältnisse hat die Erfurt-Loge ihre Arbeiten, welche durch die lange, schwere Kriegszeit naturgemäß gelitten hatten, im Völlen Umfange wieder aufgenommen, und wir erlauben uns, Ihnen nachstehend einen Bericht über unsere trotz aller Erschwernisse während des Krieges entfaltete Tätigkeit zu erstatten. •'•) Der Logenbesuch war, wie es nicht-anders sein konnte, ein schwacher; waren doch von unseren 60 Mitgliedern, worunter sich noch eine Anzahl auswärtiger befinden, 25 Brüder zum Kriegsdienst eingezogen. Ein Häuflein Oetreuer machte es uns trotzdem möglich, die Logenaberide regelmäßig stattfinden zu lassen, und nur ganz selten mußte eine Sitzung wegen , zu "schwachen Besuches ausfallen. Unter den eingezogenen Brüdern befand steh auch unser Präsident Bruder Rechtsanwalt Dr. Alex Heilbrun; unser Vizepräsident Bruder Carl Nadelmann leitete in dessen Stellvertretung, trotz vieler Berufsgeschäfte die Loge in vorbildlicher Weise, und aus seinen Anregungen sind viele segensreiche Einrichtungen entsprungen. Wir hatten das Olück und die Freude, alle eingezogenen Brüder nach Beendigung des Krieges Wieder bei uns begrüßen zu können, viele geschmückt mit Auszeichnungen, darunter Eiserne Kreuze h und II. Klasse, auch die Beförderung einer Anzahl zu Offizieren legte Zeugnis dafür ab, welche Anerkennung unsere Brüder gefunden hatten. Lejder haben ' wir aber den Heldentod vön 7 Söhnen unserer" Brüder zu beklagen. Es ist geplant, zu deren Andenken eine künstlerische Ehrentafel in unserem Logenraume zu errichten, welche von einem Bruder, dessen Sohn gefallen ist, gestiftet wird. In erster Reihe wandte sich die Logentätigkeit der Kriegsfürsorge zu. , Gleich nach der Kriegserklärung richteten wir in unserem Geselligkeitsraum einen Kinderhort ein, in welchem während der ganzen, langen Dauer des Krieges täglich 70 Kinder gespeist, beschäftigt und beaufsichtigt worden sind. Unsere Frauenvereinigung hatte es in 'dankenswerter Weise übernommen, den Hort zu führen, 'und einzelne Töchter unserer Brüder haben'die Kleinen in ihren Schularbeiten und Beschäftiguhgsspielen überwacht. Die nicht unbeträchtlichen Kosten wurden aus freiwilligen Spenden,, größtjen-' teils aus Logenkreisen, aufgebracht Auch sonst hat unsere Loge für Kriegswohlfahrtspflege größere Summen aufgebracht. Wir.