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Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. Seite 50

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1918-05-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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Zu Hermann Cohens Gedächtnis. Em Denker von Weltruf, ein Jude von prophetischer Olaf und Begeisterung ist dahingegangen I ' Daß Hermann Cohen «och der unsere war, gereicht dem deutschen D strikt, ja dem ganzen Orden zur Ehre, Durchdrungen von der hoben Bedeutung des Ordens für den Zusammenschluß der Judenheit, für die Fö.-derung ihrer toziaien und kulturellen Aufgaben bat er sein beredtes Wort und seine weise Lehre dem Orden zugute kommen lassen. Die Zuger ö igkeit eines Mannes vom hoben ethischen Pathos Hermann Cohens trug eine starke Werbekraft für den Orden in sich, darüber hinaus hat der treue Bruder es seinen Freunden als Ehrenpflicht bezeichnet, diesem weitumfassenden Bruderbund anzugehören, und für uns mittelbar und unmittelbar manche wertvoll« Kraft gewonnen. Es fehlt uns an Raum, die Bedeutung Hermann Cohens als Philosoph, seine Auffassung des Judentums in einer des bahnbrechenden Odehrten würdigen Weise zur Darstellung zu bringen. Gelegentlich seines siebzigsten Geburtstages ist in diesen Blättern auf die Stellung Cohens in der Wissenschaft hingewiesen worden'), es wird an der Zeit sein, ein Mehrere* darüber zu sagen,. wenn das letzte Werk des bis ins Alter schaffensfreudigen Philosophen, seine unter der Presse befindliche Darstellung des Judentums erschienen^sein wind. i Heute soll von einem anderen Vermächtnis de« unvergeßlichen Bruders die Rtde sein, das wir als ein heiliges übernehmen müssen. Den nimmermüden Greis besc! Iffgte in den letzten Monaten seines er« btj reichen Lebens die Begründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Einer seiner Jünger, Dr. Franz Rasenzweig aus Cassel, bat vom mazedonischen Kr egsschauplatz aus In einen« Brief an den Meister seinem Schmerz über den mangelhaften Religionsunterricht unserer Jugend sowie über den Rückgang der jüdischen Gelehrsamkeit in den Kreisen unserer Laien und Fachmänner Ausdruck verlieben und daran den Vorschlag geknüpft, mit einem Kapital von nitbt weniger als 10 Millionen Mark eine Akademie zu begründen, die uns einen großen und festen Stamm von produktiven OeJebrten, von tüchtigen Religionslehrern heranbilden soll. Man mag dem Inhalt des nach dem *) Monatsbericht 1912, Nr. 6, S. 83 -87. Psalmwort „Zeit Isfs" benannten Schreibens**) nicht in vollem Umfang seine Zustimmung erteilen, mag ihn für utopisch halten, es bleibt e n rührendes und bewundernswertes Denkmal des jüdischen Idealismus,' dsB ein junger Mann auf dem Kriegsschauplatz diesen Problemen sein Denken widmet Die Anregung verdient schon darum nicht mit dem vernichtenden , Undurchführbar" abgewiesen zu werden. Br. Hermann Cohen hat, was daran durchführbar schien, herausgeschält, sich selbst an die Spitze der Bewegung zur Begründung der Akademie gestellt und die Freude gehabt, von allen Seilen her Zustimmung und Beifall zu erhalten. Sein vorie'zter Aufsatz in den „Neuen Jüdischen Monatsheften.....) ist diesem Thema gewidmet, in persönlichen Besprechungen mit führenden Mannern der deutschen Judenheit hat er ungeachtet seines schweren Leidens rastlos an der Verwirklichung des Plans gearbeitet und ihn soweit gefördert, daß das vorbereitende Komitee demnächst mit einem Cohens Grundgedanken enthaltenden'Aufruf an die Öffentlichkeit treten kann. Welches ist die Aufgabe der Aktdemie, besteht eine Lücke, die sie auszufüllen berufen ist? Der Wissenschaft des Judentums fehlt es heute an Nachwuchs und Resonanz, beides soll ihr durch die Akademie geschaffen werden, sie soll durch Aufstellung und Uebertragung großer Aufgaben einen festen Stamm produktiver Gelehrter erziehen, sia soll in unsern Gebildeten das Verlangen nach tieferer Kenntnis des. Judentums, das Vers ändeis für den Inhalt unseres Schrifttums und die Methode seiner Erforschung wecken. Die moderne Judenheit ist ihrer Wissenschaft vielen Dank schuldig geblieben. Was die geistige und religiöse Entwicklung des Judentums im neunzehnten Jahrhundert meiner Wissenschaft verdankt, darf als bekannt gelten. Hier sei nur an ihre Verdienst e um unsere soziale Hebung erinnert. Die Wissenschaft des Judentums bat das geistige Leben unter den Juden der Neuzeit wach und rege erhalten, und wenn die deutschen Juden die geistig beweglichsten und fortgeschrittensten un er unseren westlichen Glaubensgenossen geworden sind, so 1 ängt das fraglos damit zusammen, daß bei uns in der jüdischen **) Fr« nz Rosenzwe%: Zeit Itt'a ... Pt. 119.126. Gedanken über das ifidiscre Btlduitgsprob'em de» Augenblick»). An H' rm»nn Cohen. Verl, der Neuen jüdischen Mor anhefte, Berlin. ***) Heft 11 vom 10. März 1918.

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