Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-03-01 · Nr. 3 - März · p. Seite 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 3 - März
Date
1918-03-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4864325-6029095-6074416--2334-4866424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den nicht zu groß. Solch« vornehme, wahrhaft uebevoäe und treue Charaktere sollte es in unserem Orden nicht gebe»-? Sollten nicht Psychologie, menschliches Verständnis tind wahre, Gerechtigkeit in Tielea von uns fast zur Vollkommenheit gediehen sein? Die ideale Noam unseres Ordens tat, wie Sie seJber »geben, in unserem Rrtuaf enthalten, dem nahezukommen, wir mindestens streben trtüssen. Viele auserwählte Minner, Musterrhenschen tiesitzt unser geliebter Orden überall in Deutschlands Gauen, ßberall auf der ganzen Erde. Diese Männer seien unsere Vorbilder. Ich bin nicht so i^ertfrenfcd, wie sie anzunehmen scheinen, daß ich nickt wüßte, wie meine Wünsche und Forderungen niemals restlos verwirklicht werden können, daß unser« menschliche Un>ollkoromenheit unübersteigbare Hindernisse aufstellt — da« sind ja Trivialitäten und Selbstverständlichkeiten, die man nicht laimer au wiederholen braucht. Aber die eine TrivialHäjt möchte ich doch immer wiederholen, weil sie von [so vielen vergessen wird. „Et ist unbedingt notwendig, daß am Ende unseres Weges eine leuchtende Fackel aufgestellt' weide. Richtung gebend, Kiele weisend, der nfan custrebe» muß, ohne Rücksicht darauf, ob man sie jemals erreichen wird oder kann. In dieser Richtung ist das Ziel, ein Schritt abseits und wir bleiben ihm sicher ewig fern. Und das nennen Sie, liebes "Bruder, einen gesteigerten Idealismus? Wo wäre Israel, wenn es nicht ideal wäre?' Hat je die bedenkenroue Scheu und Rücksicht auf die Realitäten etwas Große» au wege gebracht? Waren nicht alfe Reformatoren und großen Männer Idealisten und Dichtes? Ich bin weder ein Reformator, noch ein. großer Mann, auch nicht einmal ein Dichtes, aber ich bin und bleibe doch der Meinung, daß jedem Ben bciss ein tüchtiges Maß Ideatismus wohl ansieht. Mit Mose mochte man reden: „o bestände doch das ganze Volk aus Propheten". Sie sprechen an einer Stelle Ihres! durchaus beachtenswerten Aufsatzes, der viele Wahrheiten enthält, aus: „im Oründungszeitalter waren es wenige Berufene, die dafür den Sinn der Loge voller in sich aufnahmen und sich su einec jeden Sitzung in festtäglicher Stimmung rüsteten." Das eben ist es gerade, was ich ersehne und verlange; nicht nur im Oründungszeitalter der Logen, nicht' nur dem Reize der Neuheit folgend, nicht nur wenige Berufene, sondern auch heute, nahe dem 50 jährigen Stiftungsfeste, auch in der geförderten Reife der Weltanschauung, auch bei den gesteigerten Zahlen unserer Brüder soll die von Ihnen erwähnte festliche Stimmung Vorhandensein und wachsen. Ein Gefühl der Freude und des Glückes müßte in jedem Bruder leben, wenn er daran denkt, nun geht es im Verein mit Gleichgesinnten, mit vornehmen Menschen an die Wohltatsarbeit für das große Menschengeschlecht Sie, lieber Bruder, wollen doch gewiß mit mir dieses Ziel, warum verwerfen Sie die. untrüglichen' Mittel? Haf Idealismus jemals geschadet; hat er nicht immer vorwärts gerührt? Und da sprechen Sie von dem Logenkothurn auf dem ich ein hersChreite? , O wie wohl wäre 14ns, wenn dieser Kothurn die Fußbekleidung aller unserer Brüder, auch der so realpolitisch denkenden wie Sie, wäre; Sie sagen weiter: „Es ist ein Irrtum von Br. Fürth und Ellguther, daß sich solche Dinge, die so viel Unmeßbares einschließen, von außen mit ein wenig gutem Willen regulieren lassen. Das ist eine irrtümliche Auffassung von Ihnen. Jeder soll an sich selber arbeiten; ich spreche von innerer Mission; selbstredend lassen sich solche Dinge von außen weder regulieren noch anbefehlen. Aber von außen d. h. aus dem Bruderkreise selbst, muß durch Wort und Schrift der Anlaß komjmen, der laute Ruf muß erschallen: „Kehret um1 zur arten ursprünglichen innerlichen Art der Logentätfgkeit." j. , An einer anderen Stelle Ihres Aufsatzes muß ich Ihnen — Sie werden darüber staunen — ungerechtfertigten Optimismus vorwerfen, wenn Sie sagen: „Ueberflüssig mit Br. Ellguther zu erwähnen, daß es gleichgültig ist, wer etwas sagt das versteht sich bei uns von selbst." O wie beneide ich Sie ob dieser Ueberzeugung; wenn dem so Wäre, dann würden viele meiner Stoßseufzer gegenstandslos geworden sein und ein sehr großer Teil meiner Forderungen .wäre erfüllt. Ich freue mich, daß Sie, lieber Bruder, auf diesem Gebiete so gute Erfahrungen gemacht haben. Ich meinerseits kann nur sagen, daß persönliche Rücksichten \erständli->' cherweise auch im nicht wünschenswertem Sinne eine sehr große Rolle spielen. Es wäre aber schön, wenn diese Rolle etwas verkleinert würde. Ich habe die Erfahrung gemacht — es kann jemand mit Ehgetszungeh reden, die höchsten Weisheiten zutage fördern, er wird nur wenig beachtet, wenn er nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.