Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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zem Herzen im Orden und für den Orden gearbeitet. Diese Arbeit entsprach ganz meinem yVesen, meiner Gemütsart und meinen Anschauungen über das Wohl und Wehe unserer Glaubensgenossenschaft Mit dem Propheten kann ich sagen: „Ich bin der Mann, der das Elend gesehen." Nkrht mit Traurigkeit ist dem Elend zu begegnen, sondern mit helfenden Kräften." Sein ganzes Leben war: Helfen im Dienste der jüdischen Sache. Möge es nie aus den Augen gelassen werden — so ruft er in der Sitzung der Großloge vpm 9. Juni 1890 den Repräsentanten zu —| daß wir' „die heilige Sache der Zukunft der deutschen Juden zu vertreten haben". — Die Großloge ist ihm „das geistige Zentrum der deutschen Juden" (16. V. 97.) — Wem war das Ordenswort: „Nichts ffür sich, alles für die Gesamtheit!" mehr i aus dem Herzen gesprochen als unserem Br. Maretzki j? Das Schicksal hat ihn nicht mit Glücksstern überschüttet Mager muß die Tugend gehen, die man reichlich gern — bewundert! ] , Für sich hat er nicht viel von irdischen Gütern erstrebt. Es wird mir unvergeßlich bleiben — als für Maretzki charakteristisch. —: bei einem meiner Besuche in den letzten Monaten seiner Krankenzeit kam eine alte Frau zu ihm, die ihm voll Dankbarkeit eine kleine ärztliche Rechnung bezahlen wollte. Sie schilderte ihm ihre Notlage. Maretzki fragte sie, ob sie ein Viertel oder die Hälfte der Rechnung erlassen, haben wollte. Die Rechnung schrumpfte auf die Hälfte zusammen. —( Ich yar unfreiwillig Zeuge des Gespräches. — Die beiden schieden voll gegenseitiger Herzlichkeit. — jja, helfen! — Wenn man sein Buch durchblättert, tgibt es irgend eine Ordensfrage, die er nicht studiert, bearbeitet, besprochen hätte? In so manchen stammte die erste Anregung Von ihm. Mag man nun die Mischehe oder die Ferienkolonien, die : Kranldenschwesternfrage, den "Mädchenhandel oder die galizische Frage aufschlagen, überall finden wir Maretzki als den fleißigsten Arbeiter. Welcher Fleiß und wieviel Herz steckt in der ' zwanzig Seiten umfassenden Arbeit, über die Mischehe! Mag man die Frage des Mädchenhandels oder die galizische Frage als unpraktisch, idealistisch, utopistisch gegenüber dem Weltensumpfe des Elends bezeichnen, — entspricht nicht der heilige Wunsch hier zu helfen, dem innersten Wesen des Ordens? Wieviel herzliche Anerkennung bergen seine Trauerreden über hervorragende Brüder des Ordens? Ständig bewegt ihn der Gedanke, wie er seine eigene begeisterte Ordensstimmung den anderen übertragen könnte, und so formt er seine Wünsche in ein Gespräch, das er einen älteren mit einem jüngeren Logenbruder auf dem Heimweg nach einer Logeneinführung halten läßt. „Was hat der Bruder von der Loge zu erwarten?" (1908.) — | Der Wunsch, die Frauen der Brüder tür den Ordensgedanken zu erwärmen, führt ihn zu einem Briefwechsel zwischen einem älteren Ordensbruder und der Frau eines jüngeren, die gar nicht damit einverstanden ist, daß die Loge ihr den Mann zu sehr beschlagnahmt „Orden und Familie." Ein Briefwechsel 1906.: — Er endet damit, daß die Frau begeisterte Logenschwester wird. Man spricht von der „Naivität" des Künstlers. Mit gleichem Rechte kann man auch von der Naivität des wahren Ethikers sprechen. Wir haben nicht nötig, bei soviel Licht an den Schatten scheu vorbeizuhuschen, an den Schwächen unseres Bruders vorüberzugehen. Br. Maretzki sah bei seinem auf das Allgemeine gerichteten Geiste manche Dinge nicht oder konnte sich ihrer nicht erwehren, die der Afltägsmensch vielleicht leichter erschaut und abgewehrt hätte. Das führte zu mancher Tragik, die vielen ohne eingehende Vertiefung in die ganze Seele vielleicht unverständlich erscheinen könnte. Im Bewußtsein seines edlen Wollens trug er manche Verstimmung, die aus Gegnerschaft floß, gar zu lange mit sich herum, ohne sie an geeigneter Stelle zu entladen, da ihm alles Laute verhaßt war. Das vertiefte dann die Verstimmung und hat wohl auch zu Entschlüssen geführt, deren Rechtfertigung sonst schwer verständlich erscheint Aber was tut das alles gegenüber der Wirkung der OesamtpersönlfchJceitr Wie wäre die Wert, wenn die Menschen ihn nur einigermaßen glichen? Y««rt*o*** ft, d«. <Uh.lt. Dr. &. Finkel. Bali». ». - 1 .«k, M.« C„hn. I>rf« Sw. 6». HeOm.: ff