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Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. Seite 21

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1918-02-01
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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wieder erscheint, denn in weiten Bahnen zieht der leuchtende Oenius und erst «späte Enkel heißen freudig willkommen, von dem trauernde Väter einst weinend geschieden. Und ein hoher Priester ist gestorben." In Trauer versammelte liebe Brüder! Diese Worte aus der Gedenkrede Börnes auf Jean Paul, lassen sich auf niemand treffender anwenden, als auf den Bruder, dem diese Stunde geweiht ist. i Ja, ein hoher Priester ist gestorben! Ein Fürst, ein Großer ist gefallen in Israel! Ein Priester, dem wir andächtig gelauscht, an - dessen Lippen wir hingen, ein Priester der uns unsere Logensitzungen zu Andachtsstunden gestaltete, ein Priester der Liebe, zu dem wir in Ehrfurcht emporsahen und-der uns dabei doch menschlich so nahe stand. Ja,' wir in der D. R.L., wir liebten 'ihn und werden,nicht aufhören, ihn zu lieben, unseren Maretzki, und schon die Nennung seines Namens löst weihevolle Empfindungen in uns aus. Dem Zauber seiner Persönlichkeit konnte sich niemand entziehen. Das Innerliche, das unserem Logenleben die eigene Note verleiht, die Beziehung des Bruders zum Bruder, das selbstlose Aufgeben der persönlichen Interessen zum Besten der Allgemeinheit und der Eintracht unter den Brüdern, das alles verkörpert sich lebendig und harmonisch in unserem Maretzki. Ja, ein Fürst, ein Großer istgefallen in israel! ' Doch nicht in lauttönenden Worten, nicht erdrückt von \ler Schwere des Verlustes dürfen wir klagen, sondern in schlichter Weise, wie es dem Wesen unseres Bruders entsprach, der es immer liebte, „im Stillen wahr zu sein". Ja, zwei Empfindungen ringen in unserer Seele miteinander, der Schmerz und die Bewunderung, je größer die Bewunderung, desto tiefer der Schmerz. Noch will es uns ja nicht in den Sinn, daß unser Maretzki nicht mehr unter uns weilt, daß er die Stätte sejner segensreichen Wirksamkeit als unser Führer und Mentor nicht mehr betreten wird, daß er seine Ideale nicht mehr auf uns übertragen, daß sein gesprochenes Wort nicht mehr auf uns wirken soll. Noch ist es uns so unfaßbar, daß wir ihn verloren haben sollen , und unsere Herzen sind von tiefer Trauer erfüllt Und wenn es in dieser herben Trauer einen Trost gibt, so ist es der, daß unser Meister bis zuletzt geistig rege und tätig sein konnte. Etwa 14 Tage vor seinem Hinscheiden, platte ich das Glück ihn zu sprechen. Ich berichtete ihm über mein Referat über seine letzte Arbeit:' „Die Einwirkung der Loge *uf den einzelnen Bruder". , Mit lebhaftem Interesse verfolgte er meinen Bericht, gab mir neue Anregungen zu diesem Thema und hatte die Absicht diese, seiqe Gedanken schriftlich weiter auszuführen.' Für j einen geistig Aufwärtsstrebenderi, wie er es war, gäbe es kein beklagenswerteres Schicksal, als wenn langjähriges Siechtum die Geistesarbeit lähmte , Nun ist alles dahin, erloschen sein treues Auge, das jedem so gütig entgegenleuchtete, verstummt sein Mund, dem Liebe und Freundschaft entquollen, sein reines goldenes Herz hat aufgehört zu schlagen. Nicht mehr spüren werden wir den Druck seiner Hand, die er uns herzlich und brüderiicb-^^ entgegenstreckte. Er ist in die Ewigkeit eingegan- •■ gen und uns bleibt die Erinnerung an seine leuchtenden Eigenschaften, an die Wahrheit, Offenheit, Herzensgüte seines Wesens, an die Bescheidenheit und Schlichtheit, die ihn, wie wenige Menschen', auszeichnete.. « , . \ Doch wir dürfen dir ja keine Kränze winden, es entsprach nicht deinem bescheidenen Sinn, gelleb- \ ter Meister. Das laute Wort der Begeisterung soll ja hier keine Stätte finden, hier, wd alles deine Schlichtheit atmet, die hie etwas für sich begehrt ' und nur Vder guten Sache dienen wollte. Diese Schlichtheit atmet auch dein letzter VGfille aus, von dem ich deinem Wunsche gemäß, den Brüdern Kenntnis gebe.' Es wird mir für mein ganzes Leben '. ein erhebendes Gefühl bleiben, in Gemeinschaft mit dem Vize-Großpräsidenten Br. Kuznifzjky, dazu -berufen worden zu sein, den letzten WiQen Maretzkis zur Ausführung zu bringen. Ist doch diese letzte Willensäußerung der echte Ausdruck Maretzkfscher •-* Gesinnung, wie er, sie sein langes Leben hindurch betätigt hat. Der Abschluß seines Lebens und die Form seiner Bestattung sollte von der Einfachheit sein, die sein ganzes Leben auszeichnete. -Und so wollen wir denn erschüttert und mit der schuldigen . Ehrfurcht uns von unseren Plätzen erheben und das Vermächtnis Maretzkis, aus dem ich alles weglasse, was einen rein intimen Charakter trägt. ] hören:

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