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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-01-01 · Nr. 9 - Oktober/November · p. Seite 20

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 9 - Oktober/November
Article
Beilage zu Nr. 9
Date
1917-01-01
Page
Seite 20 (sequence 12)
Language
German
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\ betreffenden Mitglieder des Generalkomitees, f Mit Recht wandte einer der Redner ein, daß die Förderung der Logenarbeit, speziell der kleineren Logen weniger davon abhänge, daß Großlogen Vertreter als Vortragende erscheinen, als weit mehr davon, daß Beamte der Groß!oge zur Mitarbeit Und zur Beratung die Logen besuchten. Es sei darauf hingewiesen, daß die derzeitige Zusammensetzung des Großlogensekrelariats auf diesem Gedanken aufgebaut ist. Bei Neubesetzung des Großsekretariats nach Ableben des verewigten Br. Wollff hat das Generalkomitee sich, von dem Gedanken, leiten lassen, im Großsekretariat nicht nur Verwaltungstechnik vertreten zu sehen, sondern im vermehrten Maße geistige Betätigung. Der jetzige Bruder prolpsekretär und sein Vertreter sind berufen, die' Einzellogen zu besuchen, an den' Arbeiten der Logen teilzunehmen, sie zu beraten, ihnen Anregungen und Richtlinien aus der Werkstatt der Großloge zu vermitteln und zuzuleiten. Es ist im wesentlichen ajif die Kriegszeit zurückzuführen, daß dieses Programpi, nicht durchgeführt werden konnte. Br. Großsekrelär Dr. Goldschmidt steht als Stabsarzt im Heeresdienst, der hechwürdige Großpräsident und die Mitglieder des Geschäftsausschusses sind überlastet fa normalen Zeiten wird eine, stärkere Anteilnahme vqn Vertretern der Großloge an den Arbeiten der Linzellogen, insbesondere ein regelmäßigerer Besuch der Logen durch Beauftragte der Großloge herbeizuführen sein. Der knappe Rahmen dieses Referats läßt es nicht zu, im einzelnen auf alle wertvollen Darlegungen einzugehen, die der Verbandstag gezeitigt hat, und die von regem Ordenseifer, von inniger Ordensliebe getragen waren. Es sollen hier vornehmlich jene Punkte erörtert werden, die eine Kritik der Großloge und des Logenlebens betrafen. Den Angelpunkt der Verhandlungen bildeten einige pessimistische Reden, so des Br. Expräs. Dr. Catzenstein, Hannover, die in einer starken Kritik der Großloge gipfelten. Nach jener Auffassung entspricht das Innenleben der Logen keineswegs den berechtigten Anforderungen; sie konstatiert eine Stagnation des Logenlebens, einen Indifferentismus der einzelnen Bruder, mangelnden Logenbesuch, ein Nachlassen und Erkalten des Interesses, die Beschäftigung der Logenverhandlungen mit viel zu viel Kleinlichkeiten und Förmlichkeiten. Die Großloge biete keine ausreichende Anregung, die Großlogenbeamten, soweit sie . im Ehrenamte tätig sind, könnten nicht ihre ganze Arbeitskraft dem Orden zuwenden, weil sie auch an anderen Institutionen mitarbeiten. Das führe zu einer Zersplitterung der Kräfte. Man sähe in Berlin, in der Leitung der Groiloge, viel zif viel darauf, die Leistungen des Ordens in der Oeffentlichkeit zur Schau zu stellen. Der Orden solle nach innen arbeiten und nicht nach außen zu glänzen suchen. Es sei nötig, sich nach innen zu konzentrieren; wichtiger als die äußere Propaganda sei die innere progaganda. Die Berichte der Grofloge enthielten zu viel unwichtige und uninteressante Dinge; sie müßten inhaltlich und in der. Form vollendeter sein, um den Mittelpunkt und Höhepunkt der Logenverhandlungen zu bilden. > Auch die Art der sozialen Wirksamkeit der Großloge und der Logen wurde scharf kritisiert. Es fehle ihr die Originalität. Der Referent Br. Dr. Catzenstein bemängelte, daß die Ordensarbeit zu sehr in das Fahrwasser der sozial«! Arbeit geraten wäre. Dies könne den Anschein erwecken, als ob Wohltätigkeit der Hauptzweck des Ordens wäre; man müsse der Gefahr dieser Auffassung entschieden begegnen. Er bemängelte die Wohltätigkeit im kleinen, aber auch die Aufwendungen für Polen und Galizien, die Subventionen aller Art, die einer konzentrierten Wohltätigkeit für einzelne große Zwecke Platz machen sollten. Das Zusammengehen mit dem Hilfsverein deutscher Juden und mit anderen großen jüdischen Organisationen sei verfehlt. Es sei zu bedenken, inwieweit die Großloge überhaupt zur eigenen philantropischen und sozialen Wirksamkeit über den Kreis der Ordenszugehörigen hinaus berufen und legitimiert sei, und ob sie sich nicht darauf zu beschränken, hätte, als Verwaltungskörper zu fungieren. Eine Kritik am Ordensleben ist letzten Endes immer nützlich und fruchtbar. Die Ausführungen der Kritiken am Logenverbandstag sind jedoch großenteils an die falsche Adresse gerichtet. Eine Stagnation des inneren Logenlebens kann nur durch eine tatkräftige, zielbewußte Leitung der Loge und nur dadurch behoben werden, daß alle schlummernden geistigen .Kräfte der Logen in Bewegung gebracht werden. Ein zu geringer Besuch, Teilnahmslosigkeit und Indifferenz müssen die Logenleitungen veranlassen, die Verhandlungen fesselnder und inhaltsreicher zu gestalten, den passiven 20 —

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