Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Article
- Beilage zu Nr. 9
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
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möglich mache. Es wird so gern vergesser, daß die Brüder alle an der Fördetting des geistigen [Lebens mitzuarbeiten verpflichtet sind, und daß der Beamtenrat mit gutem Beispiel vorangehend alles tun muß, die Brüder ihrer geistigen Bequemlichkeit zu entreißen. Jede Loge sollte ihren Stolz darin suchen, ein Kristallisationspunkt der Qeistesbetätiguiig für ihren Bezirk zu sein und in dieser Eigenschaft auf die übrigen Glaubensgenossen durch das Mittel anderer jüdischen Vereinigungen zu wirken, j Dieser Betätigung müssen eigenartige und. bodenständige Züge gegeben werden, und aus dieser Erkenntnis wird der Beamtenrat der Geschichte des jüdischen Bevölkerungsteils Aufmerksamkeit schenken, den gesamten Beziehungen zu der nichtjüdischen Umwelt nachgehen, die politischen und sozialen Zusammenhänge in Einzeldarstellungen' behandeln, Teilnahme erregende Geschicke, Taten und Erlebnisse von Einzelpersonen . und Familien der Vergessenheit entreißen — kurz die ganze jüdische Vergangenheit eines umgrenzten Bezirkes in ihrem inneren Zusammenhang mit der Geschichte der ganzen Glaubensgemeinschaft wie des Vaterlandes wieder auflebe n lassen. Nicht weniger dürften sich aus denk Beruf und der Beschäftigung der Brüder kulturhistorisch und volkswirtschaftlich anziehende Stoffe gewinnen lassen, die örtlich begründete Eigenart besitzen und zur Veranlassung dienen können, auch des Redens minder gewohnte Brüder zur Wiedergabe von Eindrücken und Erfahrungen anzuregen und so den Kreis.der tätigen Mitarbeiter zu erweitern, wie denn auf alle'Weise die Selbstbetätigung der Brüder durch--—samtheit anstreben. Regelmäßige Uebersichten aus immer noch nicht dazu verstehen kann, in uns einerr gleichberechtigten Volksteil zu sehen, der in sozialer, wirtschaftlicher und beruflicher Hinsicht unverschuldete Merkmale trägt. Die Wurzel des Antisemitismusaller Grade, mag er sich des Dreschflegels oder der» wohlwollend wissenschaftlich verbrämten Weisheit von Geheimräten und Exzellenzen bedienen, beruht darin, daß man uns unter einen biologischen Ausnahmezustand stellt und zur Charaktereigenschaft stempelt, was lediglich auf härteste und dauerndeäußere Einwirkung zurückzuführen ist Die Zeiten, wo wir als stumme Dulder solches hinnehmen mußten, sind gewesen, aber dem leider noch allzu weit verbreiteten Wunsche, uns! wieder auf die Stufe des Kammerknechtes zurückzudrücken, müssen wir stets entgegenzutreten bereit sein. Dazu gehört nicht allein Bekennermut, sondern auch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, soweit sie unterrichtet und belehrt sein will, und es bildet einen der wichtigsten Zweige im inneren Dienst der Loge, die Brüder planmäßig in den Besitz des Rüstzeuges zur Abwehr ungerechter Angriffe zu setzen. Im einzelnen sollten die Ergebnisse der jüdischen Demographie und Statistik in knapper Zusammenfassung ohne überflüssige Zahlen regelmäßig gegeben und in größeren Vorträgen die Gesetze volkswirtschaftlicher, beruflicher und sozialer Entwickelung für unsere Zwecke von berufener Seite klargestellt werden. In gleicher Absicht muß der Beamtenrat eine lebendige Erfassung der jüdischen Gegenwart für sich sowie in ihren Beziehungen zur vaterländischen Gemöglichstes Eingehen auf Wünsche und Neigungen seitens des Beamtenrates gefördert werden sollte. So aßt sich wohl der Gefahr ermüdender Einförmigkeit der Logenarbeit erfolgreich entgegenarbeiten, wenn man sich bemüht,' überall. vorhandene Quellen zu erschließen und zu fassen, und es wird dein herzlichen Vertrauensverhältnis zwischen Großloge und Einzelloge nur zustatten kommen, wenn zwischen ihnen ein gerechtes do ut des Verhältnis Plalz greift als Frucht einer auf eigenen Leistungen beruhenden Geltung, die sich in heilsamer Wirkung und " Wirkung äußert In zwei Richtungen legen die Zeitumstände uns ganz besondere Verpflichtungen auf. Wir wissen, daß man sich auf Seiten unserer Gegner mit Absicht, im übrigen aus Unwissenheit und Gleichgültigkeit Gegjender Tagespresse, nicht nur der jüdischen, können bei sachkundiger Auswahl sehr viel zur Aufklärung und zur Richtigstellung schiefer Urteile auch im eigenen Lager tun und unser Empfinden auf ein richtiges Maß stimmen. Wir müssen uns Sachlichkeit vor allem zu bewahren suchen. Unser Sinn für Gerechtigkeit darf nicht zu einem Herumnörgeln ausarten, mit idem wir die Geschäfte unserer Gegner fördern, unser Gemeinschaftsgefühl nicht dazu führen, daß wir blind gegen die eigenen Fehler und Schwächen sind. Der ausgleichende, sänftigende Einfluß unserer Verhandlungsweise nimmt auch dem strittigsten Stoff seine Schärfe, verhindert ein unbrüderliches Aufein anderstoßen der Geister und gibt dem Urteil jene milde Festigkeit, die in der Oeifehtlichkeit die besten Dienste leistet. Dazu kommt die Schulung in der 14 — ■