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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-08-01 · Nr. 7 - August · p. Seite 107

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 7 - August
Date
1917-08-01
Page
Seite 107 (sequence 15)
Language
German
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Das sozial-päd»gogiscbe Institut besiebt aus einer sozialen und einer pädagogischen Abteilung. Die soziale Abteilung dient der Spezialausbildung, der Schülerinnen für die von ihnen erwählte Berufsiät gkeit. Die Ausbildung verbindet Theorie und Praxis in der Weise, daß durch regelmäßige Mitarbeit innerhalb der Anstalten und Verwaltungsstellen der Wohlfahrtspflege praktische Uebung erworben wird, während der theoretische Unterricht wiederum der Vertiefung und -Verarbeitung der* praktischen Erfahrung dient. Will z. B. eine junge Dame Polizeiassistentin werden, so würde ihre Ausbildung Kurse in Jugendfürsorge und Jugendgerichtsbilfe, Physiologie des anormilen Kindes, Vormundschafts- und Ziehkinderwesen, Berufsberatung, Volksbildung u. a. m. umfassen« Oder will eine Schülerin Gewerbeinspektorin oder Beamtin an Arbeitsnachweisen werden, so würde sie in ihren Lehrplan Großindustrielle Entwicklung und Arbeiterfrage, Albeiterschulzgesetzgebung, Kinderschulz, Berufsorganisation und Genossenschaftswesen, Arbeitslosenfürsorge u. dgl. m. aufzunehmen haben. Die zweite Abteilung des sozial-pädagogischen -Institutes, die pädagogische Abteilung, dient der Ausbildung von Lehrkräften für Frauen- und "Fortbildungsschulen. Es hat sich nämlich gezeigt, da|ß weder die akademische noch die, seminaristische, noch die technische Lehrerbildung vollauf den Ansprüchen genügt, welche die moderne soztat-pädagogisene Fachbildung jetzt stellt. . Die Namen unserer ersten Schulmänner u Professoren vom Kolonial-Institut stehen auf dei Verzeichnis der Lehrkräfte, obenan der Name der Leiterin: Dr. Gertrud B ä u m e r. Sie war es die jetzt bei der Eröffnungsfeier in schwungvollen, von starker Begeisterung getragenen Worten die Zuhörer fortriß mit dem Bekenntnis ihrer Lebensanschauung, ihrer von erhabenem Idealismus' durchglühten Arbeitsfreudigkeit, ihrem nach höchsten Zielen s'rebenden Schaffensdrange. „Den Geiste nichts z j groß, der Güte nichts zu klein,*1 das soll das gefstige Motto sein, das wir über die Pforte der neuen Anstalt setzen.. Und so ist denn wiederum eine Pilegestäjte modernster Kultur errichte», die uns Frauen zum Heile gtreichen wird, die uns lehren wird, die großen, objektiven Interessen des Staates und des Volkes, der Gemeinde und der mannigfachen Körperschaften, die uns umgeben, als die unsrigen anzusehen. . f ur unsere j üdisehe weibliche Jugend wird diese neue Schöpfung von weittragender Bedeutung sein. Hat uns doch die'Erfahrung gezeigt, daß Jüdinnen auf c em Gebiete sozialer Tätigkeit überrage ld stark vertrete i sind, so lange überhaupt Frauen sich diesen Bestrebungen zugewandt haben.' Als der Umschwung in der Auffassung der Betätigung der Nächstenliebe eintrat, als aus der Wohltat die Wohlfahrt wurde, als das Almosengeben zeitgemäßen- Reformen Platz machen mtü te, da war die Jüdin der' Ersten eine, die ihre altbewährte , Richmonis" in moderne Formen kleidete und'sie in zielbewußter systematischer Arbeit au>übte. Ei st wohl auch nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die erste Frau im modernen Deutschland, die — aus dem engen Rahmen des Hiuses tretend — großzügige -Organisationen für die Allgemeinheit schuf, eine Jüdin war. Lina Morgenstern mit ihrem gütigen Herzen, ihrem scharfen, durchdringenden Blick wirkte bahnbrechend auf deni Gebiete sozialer Fürsorge. Henriette Goldschmidt, Jeanette Schwerin, Bertha Pappenheim und manch' anderer gut jüdischer Name prangt in goldenen Lettern über der Pforte der sozialen Fürsorge. Mögen solche Namen den heranwachsenden jüdischen Mädchen als leuchtende Vorbilder dienen lür edle, in modernes Gewand ^gekleidete Nächsten- ■ : r tlÄtel ' : , liebe.! I %,'U\ - - p,;;f, ■ 1 Der Frauen-Verein der Berliner Logen U. O. B. B. (Vorsitzende Frau Minna Schwant) hat beschlossen, seinem Mütter- und Kinderheim, Brunnens'r. 41, eine Mütterberatungsstelle (für Mütter und Kinder) vom 15. Juni d. J. ab anzugliedern. Die Sprechstunde wird einstweilen zwei- -•i mal wöchentlich, und zwar Sonntag und Mittwoch 10 bis 11 Uhr vormittags unter Leitung eines Arztes stattfinden. Man geht dabei von dem Gesichtspunkte; aus, daß den jüdischen Müttern Gelegenheit gegeben werden soll, sich an einer Stelle Rat und Hilfe zu holen, die mt den besonderen-Lebensbedingungen T J07 -

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