Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 6 - Juli
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 84 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Art, wie sich das Korps ergänzt und erneuert, | ist ihm auch die Möglichkeit gegeben, sich von Elementen, die es nicht w in seht, frei zu halten. Würden wir uns heute den Zugang erzwingen, so wären wir vielleicht, der Not gehorchend, geduldet, aber beneidenswert wäre dann die Stellung des jüdischen aktiven Offiziers wahrlich nicht Es würde -dabei ungefähr dasselbe herauskommen, wie bei dem seiner Zeit so viel besprochennu „Konzessionsschulzen" bei der Garde. Außerdem Hegt nun einmal in der militärischen Organisation die Möglichkeit, den nicht gern gesehenen Offizier rasch und schmerzlos zu „halftert." Dieses so unauffällige Verfahren ist so oft angewendet worden, daß man sich dagegen gar nicht zur Wehr zu se'zen im Stande ist Ich glaube nicht, daß der jüdische aktive Offizier persönlich irgendwie befeindet würde, aber er wäre im günstigsten Falle geduldet, ^ch kann mich daher mit dem Gedanken, politisch den Offiziersberuf für uns Juden zu erzwingen, nicht befreunden. Meiner Ansicht nach gibt es' einen ungleich besseren Weg; welcher zwar etwas länger ist, aber sicherer zum Ziele.führt Wir müssen unser a<tives Offizierkorps davon überzeugen, daß wir auch als Offizier unseren Mann stehen. Ueberzeugen können wir aber nur dann, wenn man uns vorurteilslos betrachtet, und das wird niemals geschehen, wenn Wir ihnen aufgezwungene Kameraden sind. Die Erfahrungen in diesem Kriege haben uns da wohl so manchen Fingerzeig gegeben, welcher uns den tinzuschlagenden Weg weisen könnte. In Preußen hat es doch vor dem Kriege fast keine jüdischen Reserve- Offiziere gegeben, und die ganz vereinzelten, welche gewählt wurden, waren mit wenigen Ausnahmen Akademiker. Hierin hat der Krieg doch schon Wandel geschaffen und wenn auch heute noch die Zahl der Reserve-Offiziere jüdischen Glaubens in Preußen als gering zu bezeichnen ist, so ist doch immerhin der Anfang gemacht Der Weg, den wir meiner Ansicht nach einschlagen müßten, ist der folgende: wir müssen versuchen, während unseres Dienstjahres, cjder vielmehr im Anschluß daran, es zum Reserve-Offizier zu bringen. Versuchen wir, dies dadurch zu erreichen, daß wir den Vorurteilen nicht bloß dieselben r " * Jl . . •■ i •[ 1 Leistungen wie unsere christlichen Mitbürger, sondern möglichst noch bessere Leistungen entgegensetzen. Es liegt in der ganzen Art des preußischen Durchschnittsoffiziers, daß er heroische Tugenden sehr hoch einschätzt, vielleicht sogar überschätzt, und ich zweifle nicht daran, wenn es uns gelingt, heroische Tugenden, «ereint mit dem nötigen Takte und dem notwendigen selbstbewußten und doch bescheidenen Auftreten, ins die Wagschale zu werfen, der Wage Zünglein sich uns zuneigen würde derart, daß man uns trotz „erblicher Belastung" zu Reserveoffizieren befördern wird. Damit stünde uns zunächst die Laufbahn des höheren Regierungsbeamten offen, und es dürfte dann wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich uns auch der Offiziersberuf ohne Zwang erschließt. Dann können wir aber auch damit rechnen, daß unsere Pioniere welche sich für uns in das Neuland hinein wagen, gerecht beurteilt werde.i. Es ist meiner Ansicht nach nicht ganz richtig, wenn Br. Baunann die Ansicht vertritt, daß der Berufsoffizier die eigentliche Führung und die eigentliche Ehre in den deutschen Staaten vertritt, denn der Reserve-Offizier kann von sich genau dasselbe behaupten, und für die höheren Regierungsbeamten ist doch wohl'auch nur der Reserveoffizier unerläßlich. Würden wir Juden uns heute in den O.fiziersberu: hineindrängen, dann bestünde die Gefahr, daß gar mancher dem Judentum den Rücken kehren würde. Rein menschlich betrachtet, ist es doch verständlich, daß ein nicht sehr gefestigter Charakter den kleinen und größeren Schwierigkeiten, die ihm zweifellos in dan Weg ge- . legt werden, dadurch aus dem Wege zu gehen suchen wird, daß er sich taufen läßt. Das preußische Offizierkorps würde wohl auch unsere internationalen jüdischen Aufgaben nach dem Kriege, die Br. Wilhelm Neumann in seinem Vortrage erwähnte, kaum verstehen und zu würdigen wissen. Der preußische Offizier steht eben auf einem ganz anderen Boden. Soll min wünschen, daß er seinen Standpunkt ändert, soll man an so alten traditionellen Grundsätzen rütteln? Mir würde dies sehr gefährlich erscheinen. Der preußische aktive Offizier hat sich im Kriege bewährt, und der viel gelästerte preußische Militarismus hat seine Feuerprobe recht gut bestanden. Gewiß ist vieles änderungs- und verbesserungsbedürftig, aber die Grundlagen bleiben doch wohl besser dieselben wie seither. Wenn unser geliebter Orden seine Arbeit an uns selbst und an unserer Jugend' nach den Grundsätzen : „Erziehung zu körperlichen und geistigen Höchstleistungen, zu gut vaterländischer und ebenso guter jüdischer Gesinnung, Selbstbeherrschung und Taktgefühl" fortsetzt, so wird er der jüdischen Allgemeinheit einen größeren Dienst erweisen, als wenn er den Versuch macht, Dinge zu erzwingen, welche uns als Frucht der Ordenserziehung früher oder später ohne Zwang und Druck, dann aber auch mit umso höherem Werte, zufallen werden. H S — 84 —