Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeinsamkeitsarbeit nach dem Kriege von Br. Dr.fA If re Ein Gedanke, der in der Luft liegt, strebj feste Formen zu gewinnen. Die deutschen Juden, ljebend und leidend, kämpfend und entsagend, sich auszeichnend und sündigend — gleich den anderen Volksgenossen — haben eine bittere» Erfahrung machen müssen — bittere* als all' die anderen Volksgenossen. Drei Jahre verwüsten nicht bloß Land und Leute in der Kriegszone, sie verwüsten auch die allgemeine Moral. Das Ist heut nicht im eine deutsche Erfahrung, es ist eine Welterfahrung, und kein Land ist davon ausgeschlossen.. Ueberall steckt etwas von der Moral des sinkenden Schiffes. Zweieinhalb Kriegsjahre zeitigten — nach de* srnfänglichen unterschiedslosen Begeisterung — Denunziationen gegen d e Juden und Maßmahmeal d^r Behörden, die nach dem ausgesprochenen jZweck ableitend zu wirken, ungünstige Stimmijngpn zu vertiefen geeignet waren. Drei Jahre Kriteg ließen häßliche Strebungen allgemeiner Art entstehen, die nicht dem Interesse des Ganzen, sondern dem des einzelnen enlsprachen. Ein jeder sehe, wo er aleibe! ergab sich als allgemeine Richtung. Das Sündhafte war allgemein, das Tadelnswerte sah man — gemäß tausendjähriger Uebung — an derster Stelle ilur bei den Juden. Die ekle antisemitische Hydra reetye ihre Köpfe nach zweieinhalb Jahren Krieg wifc e nst im Frieden. Eine Beruhigung dürfen die deutschen Juden empfinden: dieOrgarrisatienen, an die sie sicr anzulehnen haben, brauchen nicht erst wie vor fast einem Menschenalter geschaffen zu werden, sie sind da, und sie können die erfreuliche Tatsache.verzeichnen, daß ihre Mitgliedschaft* gerade durch die Erfahrungen der letzten Zeit sich mehrt. Noch nieaialjs hat der Propaganda-Gedanke auch in den deutschen Lo^en solchen Widerhall gefunden als in der Gegfenwart. Man soll seine Rüstungen treffen, auch wenn man die Besorgnisse vpr der Gegnerschaft nicht zu übertreiben braucht. Die Leistungen der deutschen Juden an Cut und Blut werden sich nich! aus der Geschichte ausstreichen lassen und erfordern ihre Wertung. Der demokratische Gedanke und die liberalen Anschauungen sind mit einem Male aus diesem Kriege aufgetaucht, trotzdem er um ihretwillen »ahrlich nicht begonnen wurde. Aber rüsten soll man auf der ganzen Linie. Das soll jede Organisation tun, und da, wo sie Berührungspunkte d Ooldtch midi, hat, soll sie sich an die Nachbir-Organisati on anlehnen. Die Abwehr von antisemitischen Angriffen aber geht alle an, und so muß ein gemeinsamer Gedanke wenigstens alle jüdischen Organisationen verbinden. Mögen die einzelnen Körperschaften ihre Ziele weiter wie bisher verfolgen, wo erforderlich auch mit sachlicher Schärfe, einig seien sie gegenüber dem Angriff, der ihnen allen ohne Ausnahme gilt. Wenn diese Einigkeit die persönliche Gehä-sigkeit im öffentlichen Kampf zu mildern geeignet ist, so ist schon viel gewonnen. Aber Einheitlichkeit auf einer Linie tut not. Wer sie ablebnt, lädt eine schwere Verantwortung auf sich Dem verbindenden Gedinken gäb Dr. Kurt Alexander in einem „ N p u t r a I i t ä t " betitelten Artikel Ausdruck, der im Israelitischen Familienblatt erschien. Er bricht für die von parteifanatischen Gegnern angegriffenen neutralen Jüdischen Organisationen eine Lanze, indem er ausführt, daß diese es ermöglichen, das Judentum v zu lernen und es zu sehen könne man sich zu einer bestimmten Partei durchringen Der Pflege jüdischer Gesinnung, der j Erziehung zum Judentum v/erde auch in den der Boden bereitet - „Lassen meinsatn für das Judentum dann die Hoffnung hegen, daß das gemeinsame Ar beiten das gegense tige Verstehen fördert. Das wäre der erste Schritt zur Einheit des Judentums." — .Ueber allen Parteizielen' muß uns das Judentum in allen Seiten kennen Nur nach seiner Kenntnis neutralen Organisationen wir unsere Jugend gearbeiteri. Wir dürfen für die einigenden Gestehen. Wir haben große gemeirisamfe Aufgaben, die wir gemeinschaftlich lösen kcInnen und lösen mü-sen. N e b e n dieser gemeinsamer Arbeit, i nicht V o r ihr steht die, die der Förderung der besonderen Richtung gilt." In der M«natsschrift „Liberales Judentum/" trat in Ausführungen über das Thema „Neuorientierung" Justizrat Bernhard Breslauer Sichtspunkte ein.* „Diejud^n werden nach Stellung ^verharren müssen daß sie unter sich einig sitjd Parteien mag bestehen bleiben, dürfen sie nur eine kompakte Masse sie Erfolg haben wollen." Seine speziellen Wünsche Zusammenfassung der Aufgaben im engeren Gemein- 62 — ,vie vor i 1 Verteidigungs- Dizu ist Der es notwendig, Gegensatz der nach außen aber bilden, wenn sind zunächst auf eine